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Rentner am Steuer Fahrlehrer will Senioren in Fahrstunde schicken

Um ihre Fahrtauglichkeit zu beweisen, müssen über 75-Jährige alle zwei Jahre einen Medizincheck machen. Braucht es zusätzlich obligatorische Fahrkurse? Ja, findet ein Fahrlehrer. Der TCS-Experte widerspricht.

Das Auto hält an der Kreuzung, der Fahrexperte schaut sich um: «Du hast noch einen Meter zum Vorwärtsfahren, dann hast du Sicht.» Beatrice Gadient (76) ist gefordert. TCS-Fahrexperte Roger Leutwyler entgeht nichts.

Kreiselfahren, 20er-Zone, Rechtsvortritt – Leutwyler verlangt Seniorin Beatrice Gadient im Fahrkurs alles ab. Die Strasse wird schmaler. «Das ist schon recht eng», sagt Beatrice Gadient, «wenn ich kreuzen müsste.» TCS-Fahrexperte Roger Leutwyler sagt: «Genau darum sind wir hier durchgefahren.»

Der TCS-Fahrkurs für Seniorinnen und Senioren ist freiwillig. Fahrexperte Leutwyler findet das gut: «Man muss kritisch sein mit sich selbst. Was mag ich noch? Kann ich den Verkehr noch bewältigen?»

Überdurchschnittlich viele schwere Unfälle

Um ihre Fahrtauglichkeit zu beweisen, müssen über 75-Jährige alle zwei Jahre einen Medizincheck machen. Braucht es zusätzlich obligatorische Fahrkurse?

Die Gruppe der über 75-Jährigen verursacht pro gefahrenem Kilometer am meisten schwere Unfälle. Weit über eine halbe Million Menschen über 75 Jahre haben einen Führerausweis.

Vor allem ein tödlicher Unfall in Sedrun GR Ende März hat die Diskussion neu angeheizt. Ein 87-Jähriger verwechselte Gas- und Bremspedal und fuhr in eine Gruppe. Eine Lehrerin starb, drei Kinder wurden teilweise schwer verletzt.

Fahrlehrer fordert obligatorische Fahrschule

«Der Medizincheck reicht bei Weitem nicht», sagt Fahrlehrer Marc Niklaus aus dem Kanton Aargau zur «Rundschau». «Es ist ein Check beim Hausarzt, den man seit dreissig Jahren kennt», sagt er. Die Gefahr der Befangenheit sei gross.

Niklaus fordert zusätzlich eine Fahrstundenpflicht für Seniorinnen und Senioren, um die Fahrtauglichkeit in einer anerkannten Fahrschule zu überprüfen. Obligatorische Fahrschule für Senioren? Das wäre lukrativ. Geht es nur ums Geschäft?

«Klar, wäre das ein weiteres Geschäftsfeld für uns», sagt Niklaus. «Aber die Unfallzahlen zeigen, dass es Handlungsbedarf gibt. Und wer sollte diese Aufgabe erfüllen, wenn nicht die Fahrlehrer?»

Niklaus sagt, viele Seniorinnen und Senioren kämen nur in die Fahrstunde, wenn sie bereits «das Messer am Hals» hätten. Wenn also eine Kontrollfahrt ansteht oder sich jemand beim Strassenverkehrsamt wegen der Fahrweise gemeldet habe.

Das Thema beschäftigt auch die Seniorinnen und Senioren im Fahrkurs. «Für mich wäre das keine Diskriminierung der Senioren», sagt Arthur Erdin (79). «Man muss einfach früher anfangen und nicht warten bis 70.» Erich Leuenberger (78) fände Kurse sehr gut. Aber: «Nicht nur für die ganz Alten, sondern auch für die Jungen, einfach in grösseren Abständen.»

«Müssen aus eigener Motivation kommen»

TCS-Fahrexperte Leutwyler will den Teilnehmenden viel auf den Weg mitgeben. Nach der Fahrt gibt es ein Feedback. Roger Leutwyler hält das System für gut.

«Bei uns muss der Fahrer aus eigener Motivation kommen. Ein Obligatorium würde ich nicht empfehlen.»

Für Beatrice Gadient ist die Fahrt zu Ende. Sie habe viel gelernt. Zuerst habe sie gedacht, ein Obligatorium sei sinnvoll. Jetzt hat sie ihre Meinung geändert. «Wenn ich einen obligatorischen Test hätte machen müssen, dann wäre ich nervös geworden. So wie es heute ist – auf freiwilliger Basis – finde ich es gut.»

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Rundschau, 20.5.2026, 20:10 Uhr

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