Die Ausgangslage: Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega fliegt in der ganzen Schweiz. Fast. Denn im Wallis sind Air Zermatt und Air Glaciers für die Luftrettungen zuständig. Seit Jahren herrscht deshalb dicke Luft zwischen der Rega und den Walliser Rettungsgesellschaften. Zuletzt haben Rega und Héli-Alps Beschwerde eingereicht, weil die Walliser Rettungsorganisation KWRO 2022 den Auftrag für Flugrettungen im Oberwallis an Air Zermatt und im Unterwallis an Air Glaciers vergeben hat. Die Beschwerde liegt zurzeit beim Kantonsgericht, der Entscheid ist noch offen.
Das Problem: Das Goms ist eine weitläufige Bergregion im Oberwallis. Vor vier Jahren hat die Walliser Regierung entschieden, die 24-stündige Pikettambulanz von Münster in der Gemeinde Goms talabwärts nach Fiesch zu verlegen. Seitdem wird dort intensiv über die medizinische Versorgung diskutiert. Der Gommer Gemeindepräsident Gerhard Kiechler beispielsweise sagt, die medizinische Grundversorgung könne man nicht zentralisieren: «Dabei geht es um Menschenleben und um Minuten. Deshalb muss die Grundversorgung dezentral sein.»
Die Möglichkeit: Deshalb will die Gemeinde der Rettungsflugwacht Rega eine saisonale Basis auf dem Flugplatz Münster ermöglichen. Im Baurecht für 70 Jahre. «Das ist eine Chance für das Goms, die medizinische Grundversorgung wieder sicherzustellen», sagt der Gemeindepräsident Kiechler. Auch die Mehrheit der Gommer Urversammlung (Gemeindeversammlung) am Mittwochabend war dieser Meinung: Mit 94 Ja- zu 61 Nein-Stimmen bei zehn Enthaltungen wurde der Antrag für eine Rega-Basis angenommen. Stand heute plant die Rega eine saisonale Helikopterbasis. Das heisst konkret: In jenen Wochen und Monaten, in denen die Rega mit vielen Einsätzen rechnet, sollen ein Helikopter und eine Crew auf dem Flugplatz Münster stationiert sein.
Die Reaktionen: «Das ist der Startschuss für die weiteren Planungsschritte», sagt Rega-Mediensprecher Adrian Schindler auf Anfrage von SRF zum Entscheid der Urversammlung. Das Ziel sei immer, die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Denn: «Ein zusätzlicher Standort der Rega hilft dem ganzen Netz der Einsatzbasen, weil die Anflugzeiten zu Menschen in Not kürzer werden.» Für Fredy-Michel Roten, Direktor der KWRO, ist diese Rega-Basis unnötig: «Wir messen das ganze Jahr hindurch die Ausrückzeit der Rettungskräfte, die Hilfsfristen, aber auch die Verfügbarkeit der Mittel. Und da sehen wir, dass die gesamte Rettungskette gut funktioniert – auch im Goms.»
So geht es weiter: «Der Entscheid ist der erste Schritt auf einem längeren Weg», meint Rega-Sprecher Schindler. Nun gehe es darum, die Planung voranzutreiben und zu konkretisieren. Beispielsweise, wie viele Monate im Jahr die Basis mit einer Helikoptercrew tatsächlich besetzt wäre. Und ein Betriebskonzept müsse ausgearbeitet werden. Für eine Rega-Basis braucht es ausserdem eine Betriebsbewilligung des Kantons Wallis. «Um diese zu erhalten, müsste die Rega noch ein paar Anpassungen machen», sagt Fredy-Michel Roten von der Walliser Rettungsorganisation KWRO. Beispielsweise, dass sie sich direkt aufbieten lasse, damit keine Zeit verloren ginge. Zudem brauche die Rega eine Anerkennung durch den Interverband der Rettungswesen.