- Der Kanton Basel-Stadt darf seine Basler Personenschifffahrt AG (BPG) an das private Schifffahrtsunternehmen United Waterways AG verkaufen. Das beschloss der Grosse Rat mit 51 zu 43 Stimmen.
- Die BPG ist seit Jahren defizitär. Die Leistungsvereinbarung ist Ende 2025 abgelaufen. Ohne Verkauf stand eine neue Subvention von insgesamt 6.5 Millionen Franken bis 2030 zur Diskussion.
- United Waterways hat 250'000 Franken für die BPG samt ihren drei Schiffen geboten, dies mit einer Betriebsgarantie für zwölf Jahre. Das Personal soll übernommen werden.
Formell beschloss das Kantonsparlament eine Umwidmung der BPG-Aktien vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen des Kantons. Damit hat die Regierung freie Hand für den Verkauf. United Waterways ist international tätig mit mehreren Tochterfirmen und hat den Sitz in Basel. Gemäss Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Sutter ist sie mit 120 Schiffen unterwegs, unter anderem in Köln, Dresden und London.
Im Parlament waren LDP, FDP, Mitte/EVP, GLP und SVP für den Verkauf. Lorenz Amiet von der SVP warb für den Verkauf: «Es ist eine Basler Lösung. Der Käufer weiss, worauf er sich einlässt.»
Dagegen waren SP, Grüne und BastA. Für Ismail Mahmoud von der SP ist die BPG «wichtig und identitätsstiftend für unseren Kanton» und das Angebot dafür zu tief. Zudem genügten die Garantien nicht; so seien Löhne und Arbeitsbedingungen nur drei Jahre gesichert.
Teurer Schiffsersatz
Die BPG betreibt derzeit drei Schiffe: Das Älteste und mit maximal 140 Passagieren kleinste ist die Basler Dybli, die wegen einer teuren anstehenden Renovation eigentlich schon hätte ersatzlos ausgemustert werden sollen. Das jüngste ist die 2018 in Betrieb genommene Rhystärn mit 600 Plätzen. Die 1982 eingeweihte Christoph Merian mit 500 Plätzen soll altershalber zum Ende der Dekade abgelöst werden.
Just auf die hohen Kosten für ein neues Passagierschiff verwies Regierungsrat Sutter: Dafür seien in den kommenden zwölf Jahren über 40 Millionen Franken nötig. Angesichts dessen sei unhaltbar zu sagen, der Kaufpreis von 250'000 Franken sei zu wenig.
Ohne Staatsgelder wäre die BPG längst auf Grund gelaufen, was schon einige politische Diskussionen auslöste. Letztmals schoss der Grosse Rat Mitte 2024 zwar 1.25 Millionen als Aktienkapital ein und verzichtete auf die Rückzahlung eines Darlehens von 1.8 Millionen, halbierte aber die beantragte Betriebssubvention auf gut eine halbe Million Franken im Jahr. So resultierte Ende 2024 bei einem Budget von 7.4 Millionen ein Defizit von 677‘171 Franken – bei einem Eigenkapital von noch 1.2 Millionen.
Hundert Jahre Geschichte
Das Vorgängerunternehmen der BPG war 1924 als Genossenschaft geründet worden; ihr erstes Schiff lief 1925 vom Stapel. Nach einem ruinösen Wettbewerb mit einer Konkurrenzfirma wurde die Basler Personenschiffahrtsgesellschaft (BPG) 1968 als Aktiengesellschaft neu gegründet. Seit 1988 ist der Stadtkanton alleiniger Besitzer.
Jetzt sollen Private die BPG in ruhigere Gewässer steuern, schrieb die Regierung: «Innerhalb der United Waterways-Gruppe kann das Unternehmen deutlich stabiler weitergeführt werden, als dies in staatlicher Eigentümerschaft möglich wäre.»