- Kardinal Emil Paul Tscherrig ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Das teilt der Vatikan mit.
- Der Walliser war 2023 zum Kardinal ernannt worden.
- Nun ist Kurt Koch der einzige verbleibende Kardinal aus der Schweiz.
Papst Leo XIV. sprach den Angehörigen und der Diözesangemeinde Sion im Kanton Wallis sein Beileid aus. Mit Dankbarkeit denke er an den «treuen Dienst» von Tscherrig «als päpstlichem Vertreter in verschiedenen Ländern und später als Mitglied einiger Dikasterien des Heiligen Stuhls».
Vom Walliser Bergdorf in den Vatikan
Emil Paul Tscherrig stammte aus einfachen Verhältnissen: Er wurde 1947 im Walliser Dorf Unterems geboren und war das älteste von acht Kindern einer Bergbauernfamilie. Nach der Matura am Kollegium Brig studierte er Philosophie und Katholische Theologie am Priesterseminar in Sitten und an der Universität Freiburg.
1978 trat Tscherrig unter Papst Johannes Paul II. in den diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Zunächst war er in den Apostolischen Nuntiaturen unter anderem in Argentinien, Uganda, Südkorea und Bangladesch tätig.
«Ich wünsche mir eine Kirche, die offen ist»
1996 ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Nuntius (Botschafter des Vatikans) in Burundi und weihte ihn zum Erzbischof. Im Jahr 2017 übertrug Papst Franziskus Emil Paul Tscherrig das Amt des Apostolischen Nuntius für Italien und San Marino. Damit war er der erste Nicht-Italiener, der diese Aufgabe wahrnahm. Zuvor hatte er 2016 während der damaligen Proteste in Venezuela zwischen Regierung und Opposition vermittelt.
Die Kirche müsse sich erneuern, sagte Tscherrig 2023 gegenüber SRF. «Ich wünsche mir eine Kirche, die offen ist. Wir müssen versuchen, alte Traditionen, alte Gewohnheiten, aber auch Strukturen, die für uns heute zu einem Gewicht geworden sind, hinter uns zu lassen.»
Im vergangenen Jahr nahm Emil Paul Tscherrig an der Wahl von Papst Leo XIV. teil. Neben Kurienkardinal Kurt Koch war er der einzige Schweizer Papstwähler. Nach seinem Tod zählt das Kardinalskollegium noch 242 Männer, 118 von ihnen sind unter 80 Jahre alt und dürften somit derzeit einen neuen Papst wählen.