Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen an diesem trüben Nachmittag zwei Tiere. Der Fischotter und Hündin Brix, ein anderthalbjähriger Cockerspaniel. Brix ist ein Artenspürhündin. Ausgebildet hat sie Biologin Denise Karp. Mit Fischerstiefeln ausgerüstet macht sich die Naturwissenschaftlerin im Auftrag des Kantons St. Gallen entlang der Thur auf die Suche nach Hinterlassenschaften des Fischotters.
Bevor Hündin Brix losschnüffeln kann, legt ihr Besitzerin Denise Karp eine leuchtend orange Schwimmweste um. Stellenweise fliesst die Thur mit hoher Geschwindigkeit durch das Toggenburg. Der Artenspürhund schnüffelt Uferabschnitte nach Fischotterkot, der sogenannten Losung, ab. Falls Brix mit ihrer feinen Nase darauf stossen sollte, setzt sie sich sofort hin. Wie gut das funktioniert, demonstriert die Biologin mit einem mitgebrachten Stück Kot.
Neu anzutreffen ist der Fischotter im Kanton St. Gallen nicht. Im Herbst 2021 meldete das zuständige Amt erstmals die Rückkehr des Tiers, das schweizweit seit 1989 als ausgerottet galt. Im St. Galler Rheintal war der Otter in eine Fotofalle getappt. Es war der erste Nachweis nach fast 50 Jahren. Im Linthgebiet wurde der Fischotter später ebenfalls geknipst.
Auch andernorts in der Schweiz gab es in den vergangenen Jahren vereinzelt Meldungen über Fischotterspuren oder Sichtungen. Anfang dieses Jahres im Kanton Solothurn oder eben im Toggenburg. Eine Spaziergängerin gab an, ein Tier gesehen zu haben. Und Fischer meldeten dem St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei Fälle von typischen Otter-Bissspuren bei Fischen. Deswegen wurde nun nach Hinweisen gesucht.
Wie viele Tiere genau in der Schweiz unterdessen heimisch sind, lässt sich laut der Stiftung Pro Lutra nicht beziffern. Die Stiftung, die sich für die Rückkehr und den Schutz des Fischotters einsetzt, geht von rund 30 Tieren aus.
Fischotter werden auch Wassermarder genannt. Ihre Rückkehr löst bei Fischern nicht nur Freude aus. Denn das Tier ist gefrässig. Otter vertilgen bis zu 1.5 Kilogramm Fisch pro Tag. Eine Gefährdung vor allem für die fragilen Bestände von Bachforelle und Äsche, sagt der St. Galler Fischereiaufseher Christoph Mehr. Spürhündin Brix kümmert die Diskussion wenig. Sie ist mit nassem Fell von ihrem Einsatz zurückgekehrt und wird von Besitzerin Denise Karp trockengerubbelt und warm eingepackt.
Die Suche im Toggenburg verläuft an diesem Tag erfolglos. Dafür könne es verschiedene Gründe geben, sagt Amtsleiter Dominik Thiel. Das viele Wasser der Thur könnte den Fischotterkot bereits weggespült haben. Oder das Tier ist längst weitergezogen Richtung Thurgau und Zürich. Bis zu 40 Kilometer pro Nacht kann ein Otter zurücklegen. Nichtsdestotrotz: St. Gallen hält weiterhin Ausschau. Und Hündin Brix ist allzeit bereit.