In einer Werft in Luzern liegt derzeit das Schiff «Saphir». Dessen Dieselmotoren wurden bereits entfernt. Nun sind die Werftmitarbeitenden daran, einen Wasserstoff-Antrieb einzubauen. Dazu wurde ein grosses Loch in den Rumpf geschnitten. Durch diesen können später einfacher die H2-Tanks im Schiffsinnern installiert werden.
Dieses Vorzeigeprojekt ist derzeit aber eher die Ausnahme. In den letzten Monaten häufen sich die Rückschläge für die Wasserstoff-Technologie in der Schweiz: Auf dem Brienzer- und Thunersee hat sich die Schifffahrtsgesellschaft BLS gegen Wasserstoff entschieden und setzt stattdessen auf Elektroantriebe mit Batterien. In Seewen, Brugg und Gerlafingen wurden geplante Produktionsanlagen gestoppt, und die Agrola gibt ihre Wasserstoff-Tankstellen in Zofingen, Rothenburg und Schötz wieder auf.
Zu wenig Nachfrage, zu wenig Anlagen
Auch die Axpo, Betreiberin der grössten Wasserstoff-Produktionsanlage der Schweiz in Domat/Ems, spürt das Problem: Es fehlen Abnehmer. Der Wasserstoffmarkt für Mobilität sei in den letzten Jahren nicht wie erwartet angelaufen, auch die Nachfrage aus der Industrie sei zurückhaltend, sagt Axpo-Mediensprecher Stephan Weber. Immer mehr Verkehrs- und Transportunternehmen setzen auf E-Antriebe mit Batterien statt auf Wasserstoff-Antriebe, weil diese günstiger und weniger komplex sind.
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Für die Industrie braucht es laut Forscherin Zoe Stadler von der Fachhochschule Ost vor allem Planungssicherheit: Unternehmen müssten wissen, dass auch in 20 Jahren genug Wasserstoff zu einem akzeptablen Preis verfügbar sei. Beides sei derzeit nicht gegeben, da die Wasserstoff-Wirtschaft erst am Entstehen sei und im Preis nicht mit fossilen Energieträgern mithalten könne. So entsteht ein Dilemma: Weil es zu wenige Produktionsanlagen gibt, fehlt die Nachfrage – und weil die Nachfrage fehlt, werden kaum neue Anlagen gebaut.
Bund soll mehr Vorgaben machen
Die Branche wünscht sich deshalb mehr Unterstützung vom Bundesrat. Dieser hat 2024 zwar eine Wasserstoff-Strategie verabschiedet, die die Schweiz ans europäische Wasserstoffnetz anbinden sowie Produktion und Speicherung finanziell fördern soll.
Den Wasserstoff-Produzenten wie der Axpo ist das zu wenig konkret: Klare Zielvorgaben hätten geholfen, auch die Nachfrageseite anzukurbeln, so deren Mediensprecher. Das Bundesamt für Energie hält dagegen: Es sei nicht Aufgabe des Bundes, vorzugeben, wo bis wann wie viel Wasserstoff verbraucht werden solle. Der Bund setze die Rahmenbedingungen für die Klima- und Energieziele. Die Wirtschaft entscheide, welche Technologie sie dafür einsetze.
In Luzern lässt man sich von den hohen Wasserstoffpreisen unterdessen nicht abschrecken. Der höhere Preis sei nicht entscheidend, wichtiger sei das Know-how, das man mit dem Projekt gewinne, so der Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft, Stefan Schulthess. Die Hoffnung: Das Schiff soll nicht nur das Image des Unternehmens stärken, sondern dem Wasserstoff in der Schweiz insgesamt neuen Schwung verleihen.