Darum geht es: Die Schweiz als Reiseland ist im Trend, bei Buchungszahlen jagt ein Rekord den nächsten. 2025 verzeichnete die Hotellerie 43.9 Millionen Logiernächte. Es ist das dritte Rekordjahr in Folge. Mit den Touristenmassen nimmt aber auch der Ärger der Einheimischen zu. Immer wieder kommt es zu Schlagzeilen, einige Orte sehen sich zu Massnahmen gezwungen. So errichtete etwa Iseltwald im Berner Oberland ein Drehkreuz am für Selfies beliebten Schiffssteg.
Das sagt die Bevölkerung: Je ein Drittel der Befragten aus den Tourismusregionen Zentralschweiz und Graubünden finden, dass zu viele Touristinnen und Touristen die Schweiz besuchen. Das zeigt eine Befragung von Schweiz Tourismus. Etwas weniger scheint man sich in Bern und im Wallis zu stören. Schweiz Tourismus hat nach dem Verhalten ausländischer Touristinnen und Touristen gefragt. Schweizweit sagen 50 Prozent der Befragten, dass diese sich an Schweizer Gepflogenheiten halten würden, 23 Prozent sehen es anders.
Das plant Schweiz Tourismus: Die Organisation will die ausländischen Gäste für Schweizer Gepflogenheiten sensibilisieren und so das Konfliktpotenzial mit den Einheimischen minimieren. Mittels Plakaten und einem Video auf Swiss-Flügen sollen Touristinnen und Touristen die Verhaltenshinweise nähergebracht werden. Etwa, dass man Personen erst aus dem Zug aussteigen lässt, bevor man selbst einsteigt. Oder dass markierte Pfade nicht verlassen werden dürfen. Die ersten Plakate hängen in Interlaken, bald sollen sie auch in Luzern zu sehen sein. Wie viel die Massnahme kostet, gibt Schweiz Tourismus nicht bekannt.
Das sagt der Schweiz-Tourismus-Direktor: Es möge sein, dass die Hinweise für Schweizer etwas banal klingen, so Martin Nydegger. «Aber wir haben es mit anderen Kulturen zu tun und die internationalen Gäste brauchen diese Informationen, sind sogar froh darum.» Das Ziel sei mehr Harmonie zwischen Touristen und Einheimischen. Auch sei aus seiner Sicht das Zeichen wichtig, dass Schweiz Tourismus nun etwas tue. «Wir wollen zeigen, dass wir die Befindlichkeiten der Einheimischen aufgenommen haben.»
Es braucht deutlich mehr, um die Akzeptanz des Tourismus bei der Lokalbevölkerung wieder zu stärken.
Das sagt der Tourismus-Experte: Stefan Forster hält die Hinweise für Touristinnen und Touristen für einen sinnvollen Schritt. Er forscht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Bereich Tourismus und nachhaltige Entwicklung. Man zeige den Einheimischen und den Gästen, dass man sie ernst nehme. «Aber es braucht deutlich mehr, um die Akzeptanz des Tourismus bei der Lokalbevölkerung wieder zu stärken.» Langfristig komme man nicht darum herum, auch über eine gezielte Reduktion der Besucherströme nachzudenken.