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Sargans SG kämpft um Kulturgut Stadtfahne seit 580 Jahren weg – Appenzell gibt sie nicht zurück

Die Gemeinde Sargans will ihr «Gänsli» zurück aus Appenzell. Ein abermaliger Versuch, die Stadtfahne zu erhalten, bleibt erfolglos.

Jede Stadt und Gemeinde hat ihr eigenes Wappen. Nicht selten schmückt ein Tier die eigene Identität. Im Fall von Sargans im südlichen Teil des Kantons St. Gallen ist es, nicht überraschend, eine Gans. Das «Sarganser Gänsli» ist jedoch seit bald 600 Jahren weg. Und kommt auch heuer nicht zurück.

Gemaltes Bild von einer Ente auf schwarzem Hintergrund.
Legende: Das «Sarganser Gänsli» wurde 1445 gestohlen. Gemeinde Sargans

1445 herrschte Streit zwischen dem Burgherrn von Schloss Sargans und der Eidgenossenschaft. Während des Alten Zürichkriegs (1440 bis 1446) wurde auch Sargans überfallen und die Stadt in Schutt und Asche gelegt. Dabei erbeuteten die siegreichen Eidgenossen auch die Stadtfahne. Die Beutefahne hing als Zeichen des Sieges fortan in der Kirche in Appenzell.

Ein mehrfaches Nein aus Appenzell

Die Gemeinde Sargans versuchte 2025, diese Fahne zurückzubekommen – nicht zum ersten Mal. Gemeinderat Roland Wermelinger sagt: «Die Sarganser Gans gehört zum Schloss und zur Gemeinde. Diese Versuche, sie zurückzuholen, gab es immer wieder. Wir fanden einen Brief von vor 200 Jahren.»

Luftaufnahme eines Dorfes in den Alpen mit Bergen und grünen Hügeln
Legende: Wahrzeichen der Gemeinde Sargans ist das Schloss. imago / Pond5 Images

Darin bat der Sarganser Statthalter von 1824 in einem ausführlichen und höflichen Bittbrief den Appenzeller Landesstatthalter, die Fahne doch zurückzugeben. Die Antwort aus Appenzell ist nicht überliefert. Aber das Resultat ist bekannt: Die Fahne blieb in Appenzell und hängt bis heute im Museum. Zumindest eine Kopie davon, denn das Original ist über die Jahrhunderte zerfallen.

200 Jahre später unternahm die Gemeinde Sargans einen neuerlichen Anlauf. Im Jahr 2024 besuchten Gemeinderat Wermelinger und ein Sarganser Historiker das Museum Appenzell, empfangen durch den damaligen Innerrhoder Regierungspräsidenten Roland Inauen, der selbst Kurator des Museums war.

Damit das Gänsli wieder zurückkommt.
Autor: Roland Wermelinger Gemeinderat Sargans SG

Was folgte, war ein erneuter Bittbrief. «Wir haben das genauso wieder gemacht. Wir haben den gleichen Brief nochmals abgeschickt und alles noch verstärkt. Damit das Gänsli wieder zurückkommt.» Doch auch diesmal lehnten die Appenzeller ab, wie der Gemeinderat im «magazin Sargans» selbst schreibt.

Fahne gehört zu einer Sammlung

«Nüchtern und kühl» sei die Antwort der Museumsleitung ausgefallen. Roman Dobler, Ratsschreiber des Kantons Appenzell Innerrhoden, erklärt, es gehe nicht nur um die Sarganser Fahne. Die Kopie des «Sarganser Gänsli» wurde damals zusammen mit 21 anderen Fahnenkopien in Auftrag gegeben.

«Diese Fahnen sind Eigentum des Kantons. Diese geschlossene Sammlung – man spricht historisch von einem sogenannten Konvolut – aus den 22 Fahnenkopien aus dem 17. Jahrhundert ist historisch wertvoll und in ihrer Gesamtheit zu erhalten», sagt Dobler. Will heissen: Eine Fahne aus der Sammlung zu reissen, geht nicht.

Antike Wandteppiche mit Wappen und Tiersymbolen an einer Wand ausgestellt.
Legende: Das «Sarganser Gänsli» gehört zu einem Konvolut aus zahlreichen Beutefahnen. Gemeinde Sargans

Einen Kulturgüterstreit wolle man nicht, sagt Gemeinderat Roland Wermelinger aus Sargans. Darum lasse man das Thema jetzt vorerst auch ruhen. Ob es erneut 200 Jahre dauert bis zum nächsten bittstellenden Brief aus Sargans nach Appenzell?

Regionaljournal Ostschweiz, 23.12.2025, 12:03 Uhr ; 

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