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Saskia Bilang Die Zürcherin, die den Kauf von Zugtickets in Europa erleichtert

Eine Zürcherin macht internationale Zugreisen einfacher – und landet dafür auf der Forbes-Liste.

Seit fünf Jahren sucht Simple Train Lösungen für komplizierte Zugfahrten in Europa. Die Plattform unterstützt Zugreisende bei der Buchung von Tickets. Saskia Bilang hat geholfen, die Plattform zu entwickeln. Für ihre Arbeit wurde sie Ende 2025 vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf die Liste «30 Under 30» aufgenommen, die besondere Talente in der Wirtschaft auszeichnet.

Saskia Bilang

Mitgründerin und Geschäftsleiterin von Simple Train

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Die 28-Jährige hat einen Master in Business Innovation (HSG) und ist verantwortlich für Produktstrategie, Routenlogik und Automatisierung bei Simple Train. Sie treibt nachhaltige Mobilität in Europa voran.

SRF News: Sie waren dabei, als vor fünf Jahren drei ehemalige Gymi-Kollegen Simple Train gründeten. Jetzt haben Sie eine Auszeichnung von Forbes erhalten. Wie überraschend kam das?

Saskia Bilang: Es ist immer eine Überraschung, solche Auszeichnungen zu erhalten. Wir als Firma durften schon Preise gewinnen, aber dass nun eine Person im Fokus steht, ist besonders schön. Es ist eine Anerkennung für die vielen Stunden Arbeit – nicht nur für mich, sondern für das ganze Team.

Sie sind mit dem Zug nach Berlin gefahren, wo die Forbes-Liste verkündet wurde. Sind Sie eigentlich selbst eine leidenschaftliche Zugfahrerin – oder kam das erst, seit Sie bei Simple Train eingestiegen sind?

Bei Berlin wäre wohl auch schon früher der Zug die erste Wahl gewesen. Als ich mich aber bei Simple Train engagierte, weil sie Unterstützung im wirtschaftlichen Bereich brauchten, merkte ich erst so richtig, wie gut man in Europa mit dem Zug reisen kann.

Forbes: Bedeutende Auszeichnung für Bilang

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Ende 2025 wurde Saskia Bilang vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» in die Liste «30 Under 30» im Bereich Social Impact aufgenommen. Die Auszeichnung ehrt junge Persönlichkeiten, die mit innovativen Projekten gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben. Bilang überzeugte mit ihrem Engagement für nachhaltige Mobilität und der Idee, internationale Zugreisen einfacher und attraktiver zu machen. Die Aufnahme in die Liste gilt als bedeutender Meilenstein für Gründerinnen und Gründer und verschafft weltweite Aufmerksamkeit.

Die Plattform hat schon Preise gewonnen, zuletzt den Zukunftspreis des Zürcher Kantonsrats. Trotzdem: Sie organisieren 4000 Bahnreisen pro Jahr – das sind gut zehn pro Tag. Ist das nicht zu wenig?

Es gibt sicher Luft nach oben. Bei einer Buchung sind oft mehrere Reisen enthalten, manchmal bis zu sieben. Wir sind auf Kurs, deutlich mehr abzuwickeln.

Sie versprechen, dass Sie Kundinnen und Kunden mit dem günstigsten Ticket an jeden Bahnhof in Europa bringen – sogar bis nach Tunesien. Was ist der Unterschied zur SBB-App?

Viele wissen gar nicht, was alles buchbar ist auf den verschiedenen Plattformen. Wir zeigen alle Optionen – automatisiert oder mit Expertenhilfe. Aktuell arbeiten wir etwa an einer Gruppenreise mit 140 Kindern nach Schweden. Das geht nicht automatisch, da sind wir als Team gefragt.

Ich glaube, der Vorteil ist, dass man die Reise als Teil der Ferien sehen kann.
Autor: Saskia Bilang Geschäftsleitungsmitglied Simple Train

Nur: Warum sollte ich zwölf Stunden mit dem Zug nach Ljubljana fahren, wenn ich fliegen kann und nur eine Stunde unterwegs bin?

Ich glaube, der Vorteil ist, dass man die Reise als Teil der Ferien sehen kann – das sogenannte Slow Travel. Mit dem Nachtzug nach Ljubljana, da wird die Fahrt selbst zum Erlebnis. Man muss nicht gestresst durch den Flughafen hetzen, sondern kann im Zug arbeiten, lesen oder sich langsam auf die Reise vorbereiten. Das schätzen viele Kundinnen und Kunden sehr.

Das Zugfahren wird wieder beliebter. Reicht das, um als Firma langfristig erfolgreich zu sein?

Ja, aber wir wollen noch mehr Leute für den Zug begeistern – auch jene, die nicht daran gedacht hätten. Zugreisen haben ein verstaubtes Image und gelten oft als teuer. Wir zeigen, dass es einfach und bezahlbar ist.

Der gescheiterte Weltrekordversuch

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Im November wagte das Team von Simple Train einen spektakulären Versuch: In 24 Stunden mit dem Zug durch zwölf Länder – der aktuelle Rekord liegt bei elf. Die Route war minutiös geplant, mit Umsteigezeiten von teils nur zwei Minuten. Doch bereits nach fünf Stunden war Schluss: Ein Zug in Bratislava fuhr nicht pünktlich ab, die Kette riss. «Das ärgert natürlich schon. Wir wussten, es ist ein mega ambitionierter Plan», sagt Saskia Bilang. «Aber die Möglichkeit, dass man es schaffen könnte, war so cool, dass wir es probieren mussten.» Ein neuer Versuch ist geplant, sobald die internationalen Fahrpläne es wieder zulassen.

Und wie sehen Sie die Rolle von KI? Macht sie Ihre Plattform irgendwann überflüssig?

Nein, wir sehen KI eher als Chance. Wenn Buchungen einfacher werden, haben wir unser Ziel erreicht. Wir wollen als Plattform erkannt werden, auch in KI-gestützten Systemen. Denn: Das Wissen für internationale Zugreisen bringen wir mit.

Das Gespräch führte Fanny Kerstein.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 7. Januar 2026, 17:30 Uhr ; 

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