«Dann bleibt am Schluss nur der Wegzug.» Kaum hatte Bundesrat Pfister verkündet, Schweizer Firmen dürften vorerst keine neuen Deals zur Ausfuhr von Munition und Waffen in die USA mehr abschliessen, kam der Sprecher der Rüstungsindustrie auch schon mit der üblichen Drohgebärde: «Dann bleibt am Schluss nur der Wegzug», maulte Matthias Zoller vom Industrieverband Swiss Mem. Es sei voreilig, Amerikas Angriff auf den Iran bereits als «Krieg» zu werten. Und, schwupps, zeichnete Zoller das Szenario abwanderungswilliger Waffenschmieden.
Jöö. Trotzig wie ein ertapptes Kind sagte es der Industrielobbyist: «Dann bleibt am Schluss nur der Wegzug.»
Gut helvetisches Wischiwaschi, neuerdings ‹Durchwursteln› genannt.
Dann geht doch! Wenn euch die Demokratie zuwider ist … Verteidigungsminister Pfister hätte es nämlich gar nicht zu erwähnen brauchen: Dass die Schweiz kein Kriegsmaterial an kriegführende Länder liefert, entspricht schlicht dem Gesetz.
Noch dazu schliesst der Bundesrat lediglich neue Deals aus. Bestehende Verträge für Waffenlieferungen will er weiterlaufen lassen, obschon die USA völkerrechtswidrig Krieg führen. Gut helvetisches Wischiwaschi, neuerdings «Durchwursteln» genannt. Nicht irgendjemand hat unsere Neutralitätspolitik jüngst so bezeichnet, sondern Aussenminister Ignazio Cassis persönlich: «Wir müssen schauen, wie wir uns in dieser unruhigen Welt am besten durchwursteln können.»
Da wurstelt die Regierung also ganz im Sinne der Rüstungsindustrie – und die macht dennoch auf beleidigt. Es ist immer dasselbe: Schweizer Firmen und Stiftungen drohen damit, den Sitz ins Ausland zu verlegen, sobald die Politik ihnen auch nur minim ins Geschäft redet.
Bis heute geben wir uns erstaunt, wenn unser Kriegsmaterial zum Töten verwendet wird.
Die Stiftung Bührle trötzelte allein schon ob der öffentlich gestellten Frage, ob die Herkunft der im Zürcher Kunsthaus ausgestellten Fluchtkunst auch genügend geklärt worden sei. Sie befand es als ungeheuerlich, in die Nähe des Antisemitismus gerückt zu werden. Tja, das kann dann halt passieren, wenn man dem Hitler Kanonen verkauft und damit haufenweise Geld verdient, liebe Bührles. Womöglich gerät man dann ein birebitzeli in die Nähe von Antisemitismus. Schon damals war die Schweizer Neutralität ein Durchwursteln. Bis heute geben wir uns erstaunt, wenn unser Kriegsmaterial zum Töten verwendet wird – wir haben es doch bloss zur «Friedenssicherung» exportiert!
Die UBS drohte schon mit Wegzug, «Stadler Rail»-Patron Peter Spuhler tut es immer wieder, Nestlé und Konsorten wiederholen das Mantra noch im Schlaf: «Dann bleibt am Schluss nur der Wegzug.»
Sollen sie halt gehen, wenn sie lieber im Ausland wursteln. Und bitte das organisierte Verbrechen vom Zürichberg gleich mitnehmen: die FIFA, die ihre Fussball-Endrunden mit Vorliebe in kriegführenden Ländern durchführt – 2018 in Russland, diesen Sommer in den USA. Wo man den Commander in Chief schon mal vorsorglich mit einem «Friedenspreis» dekoriert hat.
Gut gewurstelt, Gianni Infantino! Sie sind halt doch durch und durch Schweizer.