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Die etwas anderen News Make war fancy again

Weil der Armee Leute fehlen, soll der Zivildienst unattraktiver werden. Kann man machen. Aber vielleicht gibt's eine schlauere Lösung.

Lisa Christ

Kabarettistin

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Es gibt kaum eine andere satirische Stimme in der Schweiz, die sich so selbstreflektiert in Rage reden kann wie Lisa Christ. Die Oltner Kabarettistin, Satirikerin und Moderatorin kann dabei philosophisch-ernst, aber auch wortgewandt-verspielt sein. Sie war Host der «SRF Comedy Talent Show» und tourt aktuell mit ihrem zweiten Soloprogramm «LOVE*» durch die Deutschschweiz. 2025 gewann sie den renommierten Kabarett-Preis «Salzburger Stier».

Immer weniger Männer haben Lust auf pubertäre Würstchen-Party im Matratzenlager – kurz RS – und entscheiden sich für den Zivildienst. Da sieht man, wie weit es die Linken schon getrieben haben: Unsere Männer wollen nicht mal mehr lernen, Leute zu erschiessen! Einziger Haken: Die Dienstzeit ist 1.5 Mal so lang wie bei der RS. Wem es vor dem Kriegen so sehr graust, dass er lieber 1.5 Mal so lange Hintern abwischt, darf das.

Geht es nach Bundesrat und Parlament, soll sich das ändern. Am 14. Juni stimmen wir darüber ab, ob die Hürden für den Dienst am Hintern wieder erhöht werden sollen. Die Armee verliert nämlich durch die Abwanderung in den Zivildienst wertvolles Kanonenfutter, das wir (laut bürgerlichen Parteien) in Anbetracht der instabilen Weltlage dringend brauchen.

Aber warum ist die Armee so unattraktiv? Vielleicht, weil dort so einiges nicht rund läuft: 19 Milliarden Franken wurden laut eidgenössischer Finanzkontrolle in den letzten Jahren für «problematische Schlüsselprojekte» ausgegeben. Das passiert halt in einem Unternehmen mit nur 1.6 Prozent Frauenanteil!

Emotionalisiert den Kampf fürs Vaterland nicht nur mit männlichem Heldentum, sondern auch mit weiblichen Rachegelüsten!

Anstatt den Zivildienst unattraktiver zu gestalten, sollte die Armee besser versuchen, eine breitere Zielgruppe zu akquirieren. Frauen zum Beispiel. Wie wär’s mit taillierten Tarnanzügen, rosa Sturmgewehr und strassverzierten Handgranaten? Make war fancy again!

Klebt das Gesicht des toxischen Ex auf die Zielscheibe. Emotionalisiert den Kampf fürs Vaterland nicht nur mit männlichem Heldentum, sondern auch mit weiblichen Rachegelüsten! Female Rage! Motiviert heterosexuelle Frauen dazu, in die Armee einzutreten, damit sie nicht die einzigen in der Beziehung sind, die nicht wissen, wie man ein Sturmgewehr bedient. Was ist besser als eine Armeewaffe zuhause? Richtig: Zwei Armeewaffen zuhause!

Niemand kann sich so gut tarnen, wie Queers, die ihr Leben lang so tun müssen, als wären sie Teil der Mehrheitsgesellschaft.

Und vergesst nicht die queere Community! Niemand kann sich so gut tarnen, wie Queers, die ihr Leben lang so tun müssen, als wären sie Teil der Mehrheitsgesellschaft. Was für manche abschreckend wirkt, ist für die schwule Zielgruppe ein Pro-Argument: Würstchenparty im Matratzenlager! Bezüglich körperlicher Leistung müsste man sich keine Gedanken machen: Wer an der Pride den ganzen Nachmittag in der prallen Sonne hinter einem Wagen mit 100 Dezibel in 30 Zentimetern hohen Pleasers voguen kann, schafft einen 50-km-Marsch mit links.

Apropos links: Selbst gewaltbereite 1.-Mai-Demonstranten könnte man mit geschicktem Marketing für die Armee begeistern. Einfach ein Sonderkommando zur Bekämpfung von Inlandterrorismus durch Immobilienbesitzer und Steuerhinterzieher bilden, und schwupps, hätten wir wirklich die stärkste Armee der Welt.

Stark wird man nämlich nicht durch die Schwächung bestens funktionierender Institutionen, sondern durch die Stärkung der Gemeinschaft – eine Armee für alle, statt für wenige! Welcher Tag eignet sich besser, um darüber abzustimmen, als der 14. Juni – der feministische Kampftag.

«Zytlupe» als Podcast und online

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SRF 1, 02.05.2026, 13.00 Uhr

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