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Die etwas anderen News Von Walfischen und Geldhaien

Wenn die Welt nicht mehr weiterweiss, steht sie meistens vor einer Wahl. Oder besser gesagt vor einem Wal.

Jovana Nikic 

Kabarettistin

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Eine Jugend zwischen Cervelat am Schwingfest und Cevapcici in Belgrad, zwischen BMW-Bahnhofrunden und Reithallen Demos. Die Slampoetin, Satirikerin, Kabarettistin und Stand-Up-Comedian Jovana Nikic hat bei all den Gegensätzen eine Überlebensstrategie: Diplomatie. In ihrem ersten Soloprogramm «Bärner Meitschi», mit dem sie seit 2023 auf Tour ist, spielt sie mit den Vorurteilen.

Timmy ist ein Pottwal, der sich verschwommen hatte. Und plötzlich krochen aus allen Löchern Leute hervor, um ihn zu retten. Die Wissenschaft sagte zwar: «Lasst ihn liegen, jeder Rettungsversuch ist nur Quälerei.» Aber in der heutigen Zeit zählt Expertise eben nicht mehr so viel wie Gefühl. Es ist die klassische Qual des Wa(h)ls.

Hauptsache, die Emotion stimmt.

Wenn ein reicher Mann mit viel Geld kommt, dann muss man ihn schieben, diesen Wal! Egal, ob ihm die Lunge kollabiert. Hauptsache, die Emotion stimmt und man hat ein Selfie mit dem sterbenden Meeressäuger.

Wir haben hier in der Schweiz ja unser eigenes Prachtexemplar: Die UBS. Man muss präzise sein: Die UBS ist nicht am Verstranden – sie ist schlicht zu gross geworden für unser flaches Becken. Sie hat die Credit Suisse wie einen Appetithappen verschluckt und liegt jetzt wie ein Über-Wal in der flachen Limmat. Seit der Bund gesagt hat: «Du, die Karin möchte, dass du ein bisschen mehr Polster auf den Rippen hast – hartes Eigenkapital», schnauft die Bank schwer.

Man tauft ihn «Hope», weil man die Realität nicht wahrhaben will.

Beim Timmy an der Ostsee entschied die Gefühls-Lobby über die Namensgebung. Man taufte ihn «Hope», weil man die Realität nicht wahrhaben will. Es ist ein demokratischer Akt der Herzenswärme, der dem Wal aber herzlich wenig genützt hat. Der Wal hatte nie eine Wahl.

Wer entscheidet bei der UBS? Die Bank selbst tut gern so, als sei sie der Kapitän: «Wir machen die Regeln, wir sind weltweit wichtig.» Karin Keller-Sutter muss hier die Rolle der Wal-Aufsicht übernehmen. Während die Leute bei Timmy mitbestimmen dürfen, wie das Elend heisst, entscheidet bei der UBS die Teppichetage hinter verschlossenen Türen. In der Lobby, über unser Risiko. Karin gibt der Bank jetzt keinen lieben Namen, sondern harte Leitplanken. Denn am Ende nützt es nichts, wenn der Wal «Hope» heisst, aber trotzdem keinen Platz mehr in der Badewanne hat.

Dieses Lobbying sei unschweizerisch

Und was macht die UBS? Sie fährt die Lobbying-Geschütze auf. «Extrem» sei das, man schädige die Wettbewerbsfähigkeit. Man droht indirekt damit, die Zelte dort aufzuschlagen, wo die Ozeane tiefer und die Gesetze seichter sind. Die UBS erzwingt sich gewissermassen Empathie. Karin Keller-Sutter sagte den Satz des Jahres: Dieses Lobbying sei «unschweizerisch». 

Die Finanzwissenschaftler denken nach, die Lobbyisten brüllen «Mord und Totschlag», und die Bevölkerung schaut zu und fragt sich, wer hier eigentlich wem die Luft abschnürt. Timmy stirbt, die UBS droht mit dem Auszug. Ist es wirklich «unschweizerisch», wenn man von den Mächtigen verlangt, dass sie die Verantwortung selber tragen? Oder ist es nicht viel mehr «unschweizerisch», den Staat wieder als Rettungsboot zu missbrauchen? Welchen Wal wählt man also? 

Am Schluss ist es bei der Bank wie beim Tier: Wenn so ein Koloss erst einmal kippt, nützt auch der schönste Name nichts mehr. Wenn ein Wal stirbt, dann stirbt er laut, teuer und für alle Beteiligten ungemütlich.

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SRF 1, Zytlupe, 09.05.2026, 13:00 Uhr

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