Heute ist der Möbelhändler Ikea unbestritten die weltweite Nummer 1. 1973 eröffnete das Geschäft in der Schweiz seine erste Filiale ausserhalb von Skandinavien, im Aargau. Dies ist kein Zufall. Der Aargau sei damals der Möbelkanton schlechthin gewesen, zeigt Historiker Dieter Pfister in seinem neuen Buch.
Wohl Hunderte Aargauer Firmen stellten im 20. Jahrhundert Möbel her, Firmen wie Stoll Giroflex, Wisa Gloria oder de Sede, aber auch viele kleinere Betriebe.
Historiker Dieter Pfister sieht ein wichtiges Merkmal der Möbel aus dem Aargau: Sie seien von hoher Qualität, «aber es sind Stücke, die nicht ins Auge springen, die nicht auffallen wollen. Und das ist natürlich auch ein bisschen der Charakter dieses Kantons.»
Produziert wurden in den Aargauer Möbelfirmen vor allem Alltagsmöbel für Wohnungen und Büros. Die meisten Möbel waren aus Holz. Dies ist kein Zufall: Seit dem 18. Jahrhundert siedelten sich im Aargau, besonders im unteren Aaretal, zahlreiche holzverarbeitende Betriebe an.
Heute existieren vor allem die kleineren Aargauer Möbelfirmen nicht mehr. Was geblieben ist: Hunderte von Archivstücken im Sammlungszentrum des Museums Aargau in Egliswil.
Diese Klassiker sollten nicht vergessen gehen, sagt Marco Sigg, Direktor des Museums Aargau. Darum habe das Museum Historiker Pfister beauftragt, deren Geschichte aufzuarbeiten: «Bislang wurde nur punktuell geforscht zu diesem wichtigen Thema. Und so wollten wir eine Übersichtsdarstellung herausgeben, die Grundlagenforschung bietet und weitere Forschung anstösst.»
Die zahlreichen Aargauer Möbelfirmen produzierten laut Historiker Dieter Pfister für den gut situierten bürgerlichen Mittelstand. Die Möbel waren robust und funktional, kauften doch junge Ehepaare ihre gesamte Wohnungseinrichtung auf einmal und für das ganze Leben, oft als Aussteuer.