Die Schweizer Kursschiffe steuern Konstanz nicht mehr an. Benno Gmür, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS), bestätigt gegenüber SRF einen Bericht der «Thurgauer Zeitung».
Auslöser ist ein Konflikt zwischen der SBS und der deutschen Bodenseebetriebe BSB. Der Zwist fusst auf dem Kurs von Konstanz Richtung Meersburg und die Insel Mainau. Schweizer Schiffe hätten dort Passagiere, die nur über ein deutsches Ticket der deutschen BSB verfügten, jeweils mitfahren lassen – aus Goodwill. Dafür habe die SBS nie Geld erhalten, sagt Benno Gmür: «Wir haben das aus Kulanz getan. Wir dachten, wir können das mit den BSB finanziell regeln.»
Finanziell geregelt ist bis heute aber nichts. Deshalb fährt die SBS den Konstanzer Hafen nicht mehr an. Täglich seien Touristen mit deutschen Tickets auf Schweizer Schiffen mitgefahren, so Benno Gmür. Jetzt nicht mehr: «Es ist nicht mehr tragbar für unsere Mitarbeitenden, welche die Touristen darauf aufmerksam machen mussten. Und für die Touristen ist es nicht tragbar, wenn sie stehen gelassen werden. Das geht nicht.»
Auf deutscher Seite gibt es Gegenwehr. Norbert Reuter, Geschäftsführer der BSB, sagt, es habe damit angefangen, dass die Schweizer Betriebe die Strecke nach Meersburg und Mainau überhaupt angeboten haben. «Wir haben gesagt, dass es dort ein ausreichendes Angebot gibt. Wir fahren bereits 18 Mal pro Tag. Wenn die SBS da fährt, muss sie das auf eigene Kosten tun.»
Die Schweizer kämen auf die deutsche Seite, um Kundschaft zu gewinnen. Von einem Konflikt will Norbert Reuter aber nicht reden. So sei der Wettbewerb. Ein Wettbewerb, der immer wieder zu Reibereien geführt hat. Meinungsverschiedenheiten über Kurse, Anlegegebühren, Fahrgastinformationen, Tickets und Fahrpläne.
«Unglücklich» kommuniziert
Er sei mit seinem Latein langsam am Ende, sagt Benno Gmür. Erst kürzlich führten die BSB einen Seepass ein, eine Jahreskarte für die Schifffahrt auf dem Bodensee, zusammen mit den Vorarlberg Lines, dem österreichischen Unternehmen. Die Schweizer Seite? Wurde links liegen gelassen. «Uns wurde dies im November mitgeteilt. Als ich mich entrüstete, sagte man mir, dass die BSB eh eine Stimmenmehrheit hätte. So habe man sich eine Sitzung sparen können.»
Das Preisniveau ist in der Schweiz ein anderes.
Norbert Reuter von den deutschen Schifffahrtsbetrieben sagt, dies sei unglücklich kommuniziert gewesen. Aber: «Wir können nicht immer auf die Schweizer Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Wir müssen wirtschaftlich sein und auf deutscher Seite mit dem öffentlichen Verkehr konkurrieren.»
Von der Schweizer Seite habe es oft geheissen, die Saisonkarte sei zu günstig. «Das haben wir verstanden», so Reuter. «Das Preisniveau ist in der Schweiz ein anderes.» Gleichzeitig sei aber in Deutschland der ÖV ausgebaut und das Deutschland-Ticket eingeführt worden. «Die Preise sanken, das haben wir massiv gespürt.» Deshalb habe man den Seepass ohne Schweizer Zustimmung eingeführt.
Genau solche Vorkommnisse zeigten, dass eine Zusammenarbeit zwischen Schweizer und deutscher Seite grundsätzlich schwierig sei, sagt Benno Gmür von der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt. Seit Jahren scheitern Versuche, eine gemeinsame Tageskarte einzuführen. «Der Kern liegt aus meiner Sicht bei den verschiedenen Mentalitäten.» Etwas, was sich nur schwer aus dem Weg räumen lässt.