Die Schweiz will verbunden sein durch schnelles Internet. Deswegen treibt der Bundesrat einen Ausbau der leistungsfähigeren Glasfaserkabel voran. Der Bundesrat hat sich dem «sehr schnellen Internet» mit einem Förderprogramm bis zu 730 Millionen Franken verschrieben.
Der Fokus liegt dabei auf dem ländlichen Raum, damit kein digitaler Stadt-Land-Graben entsteht. 2019 sprach sich das Stimmvolk von Teufen AR genau dafür aus: Jedes noch so abgelegene Haus soll einen Glasfaseranschluss haben. Gemeindepräsident Reto Altherr sagt: «Die Streusiedlung gehört hier dazu. Alle Einwohner sollen gleich behandelt werden.»
Ein Blick auf die Karte zeigt den digitalen Graben teilweise. Ländliche, gebirgige Regionen wie die Kantone Jura, Graubünden, Tessin oder Uri sind nur zu einem kleinen Teil an die Glasfaserinfrastruktur angeschlossen.
Die zehn grössten Schweizer Städte haben ein gut ausgebautes Glasfasernetz. Vorneweg gehen Winterthur (99.8 Prozent), St. Gallen (99.7) und Zürich (99.5). Auch Basel, Lausanne, Bern, Luzern und Genf erreichen einen Wert von über 93 Prozent.
Hinterher hinken bei den grössten Städten Biel mit 85.9 Prozent, vor allem aber Lugano. Dort ist mit 51.5 Prozent gerade mal etwas mehr als die Hälfte aller Wohn- und Geschäftsgebäude mit Glasfaser versorgt.
Insgesamt gibt es in der Schweiz 2110 Gemeinden, jede mit eigenen Herausforderungen – sei es die Grösse, die Topografie, die Lage. 75 Gemeinden besitzen bislang nicht einen einzigen Glasfaseranschluss, dabei stechen die Kantone Waadt (28) und Bern (16) heraus.
Acht Gemeinden erreichen bei der Glasfaserquote 100 Prozent: Dozwil TG, Abtwil AG, Hemishofen SH, Buckten BL, Berken BE, Scheuren BE, Bellmund BE und Meienried BE. Bemerkenswert: Dies sind alles ländliche Gemeinden mit einer teilweise winzigen Bevölkerungszahl. Berken zum Beispiel hat nur 45 Einwohner.
Kaum Baustellen und Verkehrsbehinderungen
Die Fortschritte der einzelnen Gemeinden könnten unterschiedlicher nicht sein. Für den Ausbau zuständig sind private Telekommunikationsfirmen und die lokalen Infrastrukturbetreiber.
Die Vermutung liegt nahe, dass, wo Glasfaserkabel gezogen werden, die Strassen aufgerissen werden müssen und so Baustellen und Ampeln zu sehen sind. Doch dem ist nicht so. Für den Einzug von Glasfaserkabeln können die bestehenden Leitungen genutzt werden.
Und damit zurück nach Teufen AR. Dort baut der regionale Energieversorger SAK das Netz aus. Die Zahl der Baustellen sei überschaubar, sagt Benjamin Jost, Bauleiter Glasfasernetz: «Die Aussengebiete, die wir erschlossen haben, unterteilen wir in verschiedene Teilzonen und schätzen anhand der bestehenden Werkleitungspläne ab, wo Grabungen nötig sind.»
Mit Luft zum Ziel
Seit 15 Jahren bauen die St.-Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke das Netz aus, investierten dafür rund 100 Millionen Franken und verlegten bereits 6000 Kilometer Kabel. Und dies nur mit punktuellen Grabungen. Das ist möglich, indem man die bestehenden Rohre nutzt.
Benjamin Jost erklärt: «Wir blasen mit einem Kompressor Luft durch ein Rohr. Mithilfe des Luftstroms schieben wir ein Kabel ein. Die Luft minimiert die Reibung zwischen Kabel und Rohr.» So könne man relativ einfach ein Kabel auf einer Länge mehrerer hundert Meter bis zu einem Kilometer durch ein Rohr schieben.
Dieses System wird bis 2035 noch Tausende Male angewandt werden müssen. Bis das Ziel erreicht ist.