- Die SBB baut ab dem kommenden Jahr schrittweise die Drehgestelle ihrer FV-Dosto-Doppelstock-Züge um, um den Fahrkomfort der umstrittenen Fernverkehrs-Kompositionen zu verbessern.
- Die Investition von rund 90 Millionen Franken wird laut SBB durch tiefere Unterhaltskosten mehr als kompensiert.
- Die Züge bereiteten der SBB immer wieder Probleme. Im Volksmund wurden sie «Schüttelzüge» genannt.
Die seit dem Frühling durchgeführten «umfangreichen Tests» haben gemäss einer Mitteilung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gezeigt, dass nicht nur der Fahrkomfort verbessert, sondern auch die Zuverlässigkeit erhöht wird. Durch den Umbau spart die Bahn angeblich unter dem Strich 40 Millionen Franken.
Die Entfernung der sogenannten Wankkompensation und der Umbau der im Volksmund auch «Schüttelzüge» genannten Kompositionen kostet die SBB 90 Millionen Franken, wie es weiter heisst. Die Investitionen würden durch die tieferen Unterhaltskosten über die gesamte Lebensdauer aber mehr als kompensiert.
Wir werden die Wankkompensation entfernen und damit wird dieser Zug nicht mehr schütteln.
Beim geplanten Umbau werde die Wankkompensation aller Züge entfernt, erklärte Veronique Stephan, Chefin Markt Personenverkehr der SBB. Die Züge würden danach nicht mehr schütteln. «Das kann ich hier auch versprechen», so Stephan. Sie räumt ein, dass man bei dieser Innovation damals «vielleicht ein kleines Risiko eingegangen» sei. Dies sei immer der Nachteil bei der Innovationsförderung, dass ab und zu ein «Downsize» passieren könne.
SEV erfreut, aber weiterhin skeptisch
Das sei eine gute Nachricht, aber eine späte gute Nachricht, sagt Patrick Kummer, Vizepräsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, zum Entscheid der SBB. Ziel müsste nach seinen Worten sein, dass die jetzigen Investitionen die Auswirkungen mindern beziehungsweise ganz zum Verschwinden bringen. Dies sei ein bisschen ein «Wunschszenario». Grundsätzlich positiv äussert sich die Interessenvertretung der Bahnkundinnen und -kunden, Pro Bahn.
Die FV-Dosto-Züge vom Hersteller Alstom gehörten bereits aktuell zu den zuverlässigsten der gesamten Flotte und wiesen sehr wenig Störungen aufweisen, schreibt die SBB. Der Umbau soll gemäss SBB bis Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen sein.
Lange Pannengeschichte
Die SBB hatten im Jahr 2010 Alstom (damals Bombardier) mit der Beschaffung von 62 neuen Doppelstockzügen für den Fernverkehr beauftragt – für 1.9 Milliarden Franken. Die Einführung des neu entwickelten Dosto-Zugs ab 2018 war von zahlreichen technischen Pannen und Verzögerungen begleitet. Anfangs klemmten Türen, das Betriebssystem stürzte ab, und Heizungen sowie die Klimaanlagen sorgten für Ärger. Passagiere klagten zudem, dass es in den Waggons teilweise unangenehm rüttle.
Die umfangreichen Tests der vergangenen Monate haben gemäss SBB nun bestätigt, dass durch den Umbau Schwingungen und Stösse insbesondere in Kurven und Einfahrten in Bahnhöfen erheblich besser abgefedert werden können. Schneller durch die Kurve geht es dann zwar immer noch nicht, doch der Zug soll ruhiger unterwegs sein.