Viele Gemeinden verzeichnen im Moment noch steigende Schülerinnen- und Schülerzahlen. Daher werden an vielen Orten neue Schulbauten geplant. Dort gleich ein neues Schulhaus, dort ein Provisorium, wiederum an anderen Orten ein Anbau. Die Schulraumplanung ist in vielen Schweizer Gemeinden zu einem zentralen Thema avanciert.
Die steigenden Schülerzahlen sind aber endlich: Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Wüest Partner wird die Schweiz im Jahr 2028 einen Höhepunkt der Schülerzahlen erreichen, gefolgt von einem langsamen, aber stetigen Rückgang. Eine sinkende Geburtenquote, eine voraussichtlich abnehmende Zuwanderung sowie dynamische Umzugsbewegungen innerhalb der Schweiz tragen zu dieser demografischen Verschiebung bei, so Marco Schmid, Ökonom bei Wüest Partner.
Rollend Planen
Die lokalen Unterschiede sind jedoch gross: Urbane Gebiete wie das Glatt- oder Limmattal verzeichnen Wachstum, während Randregionen bereits rückläufige Schülerzahlen haben oder nur ein sehr gedämpftes Wachstum erwarten.
Die Trends unterscheiden sich nach Region sehr stark, daher sei es wichtig, die Situation immer wieder neu zu beurteilen. Statt starrer, langfristiger Konzepte sind flexible Ansätze gefragt, die sich schnell an veränderte Gegebenheiten anpassen lassen.
Doch die Herausforderungen beschränken sich nicht allein auf die demografische Entwicklung. Ivo Mauch, Dozent am Zentrum für Schulentwicklung an der PH Bern, weist auf einen weiteren wichtigen Faktor hin: Der Platzbedarf pro Schüler ist in den letzten Jahren signifikant gestiegen. Moderne pädagogische Konzepte benötigen mehr Raum als traditionelle Klassenzimmerstrukturen.
Ganztagesschulen mit Platzbedarf
Hinzu kommt der wachsende Bedarf an schulergänzenden Betreuungsangeboten. Mittagstische, Horte und weitere Betreuungsformen sind heute aus dem Alltag vieler Familien nicht mehr wegzudenken. Der Schulraum wird somit zunehmend zu einem multifunktionalen Bildungs- und Lebensraum, der weit über das reine Klassenzimmer hinausgeht.
Ein zentraler Gedanke ist die Umnutzung von nicht mehr benötigtem Schulraum. Isabelle Dietrich berät mit ihrem Unternehmen Gemeinden und Schulen bei der Schulraumplanung.
Sie sagt, man könne Schule auch öffnen: «Man kann Räume mehrfach nutzen – nicht nur durch die Schule, sondern auch durch externe Parteien. Dies gilt insbesondere für Erdgeschossbereiche wie Mensen, Bibliotheken, Aulen und Werkräume, die sich zum Quartier oder Dorf hin öffnen können.» Dies könne auch für die Gemeinden attraktiv sein wegen möglicher Mieteinnahmen.
Platz kann genutzt werden
Die Angst vor zukünftigen grossen Überkapazitäten im Schulraum kennt keiner der angefragten Experten. Der moderne Schulbetrieb brauche mehr Platz. Gemeinden machen sich eher Sorgen, wenn sie mit einem plötzlichen Zuzug von Schülern konfrontiert sind und die Infrastruktur fehlt.
Schulraumplanung erfordert heutzutage eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Planungsfachleuten, um nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen aller gerecht werden.