Am 17. August 1943 herrscht im bernischen Utzenstorf helle Aufregung: In einem Kartoffelacker setzt der von den Deutschen angeschossene US-Bomber «Battle Queen – Peg of my Heart» zur Notlandung an. Eine Frau, die gerade Bohnen pflückt, überlebt mit viel Glück. Und so ergeht es auch der zehnköpfigen Besatzung, alles amerikanische Armeeangehörige.
Die US-Amerikaner kommen bald darauf nach Adelboden. Dort quartiert die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs rund 600 amerikanische Unteroffiziere ein. Wegen des Kriegs stehen die Hotels und Ferienwohnungen im Berner Bergdorf leer.
Die Internierten dürfen das Land nicht verlassen. Sie erhalten aber von der US-Vertretung in Bern einen stattlichen Sold und dürfen sich in der Umgebung frei bewegen. Das sei für Adelboden ein Glücksfall gewesen, sagt Toni Koller, ehemaliger Journalist und Lokalhistoriker von Adelboden. «Die US-Amerikaner gaben in Adelboden viel Geld aus und brachten so das Bergdorf durch die mageren Kriegsjahre.»
Die amerikanischen Internierten waren für Adelboden ein Glücksfall.
Die jungen Männer treiben in Adelboden Sport. Sie spielen Eishockey und fahren Ski. Laut Quellen im Heimatarchiv Adelboden haben die US-Amerikaner für 26’000 Franken Skitickets gekauft – und damit den damaligen Lift am Chuenisbärgli finanziert.
Zugleich bringen die amerikanischen Internierten eine neue Kultur. «Sie tranken Coca-Cola, kauten Kaugummi und hatten eine legere Art, die man so in Adelboden nicht kannte», so Lokalhistoriker Koller. Und mit ihrer Big Band organisieren sie Tanzabende, die von Mädchen aus der ganzen Region besucht werden. «Sie stellten damit das Leben im damals sehr konservativen Bergdorf auf den Kopf.»
Kennengelernt beim Tanzen im Hotel Adler
Ein Tanzabend, das ist auch der Beginn der Liebesgeschichte zwischen John Scott und Dora Schürmann. Scott war einer der zehn Männer, die im Kartoffelacker von Utzenstorf notgelandet sind. Auch er wurde in Adelboden interniert und lernte dort seine grosse Liebe kennen: Dora Schürmann.
Das erzählt Dora Schürmanns Tochter, Loretta Gallo. Sie ist in diesem Sommer mit ihrer Tochter und sechs weiteren Familienmitgliedern aus dem US-Bundesstaat Massachusetts in die Schweiz gereist, um das Freilichttheater «Singing Pilots» zu sehen. Es bringt die Geschichte der amerikanischen Soldaten in Adelboden auf die Bühne. Für sie ist es nicht nur ein Theater, sondern ein Stück Familiengeschichte.
«Meine Mutter lebte in der Stadt Bern und war als junges Mädchen in Adelboden in den Ferien», erzählt Gallo. Ausgerechnet in dieser Zeit, als die amerikanischen Soldaten in Adelboden waren. Dora und John lernen sich beim Tanzen im Hotel Adler in Adelboden kennen.
Mein Vater hat auf Französisch gefragt, ob er mit meiner Mutter tanzen darf.
«Diese Geschichte haben meine Eltern immer wieder erzählt, sie ist sehr romantisch», findet Loretta Gallo mit Tränen in den Augen. Ihr Vater habe kein Deutsch, aber Französisch gesprochen. Und auf Französisch habe er um einen Tanz gebeten. «Es war Liebe auf den ersten Blick.»
Bleibende Spuren hinterlassen
Das Heimatarchiv Adelboden verfügt über zahlreiche Dokumente aus der Zeit der ausländischen Internierten in der Gemeinde. Auch mitten im Dorf gibt es ein Erinnerungsstück an diese Zeit: Die britischen und die US-amerikanischen Internierten spendeten das Eingangstor zur reformierten Kirche.
Das Tor wurde gestiftet «in Erinnerung an die vielen schönen Monate, die sie in Adelboden verbrachten». Es wurde am 31. März 1945 eingeweiht.