Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Schweizer Alpen-Club warnt So gefährlich ist die Situation in den Bergen

Der Schweizer Alpen-Club SAC warnt vor veränderten Verhältnissen im Hochgebirge. Wegen der anhaltenden Hitze seien gewisse Routen nun gefährlicher. Der SAC rät deshalb, sich nicht auf Erfahrungen aus vergangenen Jahren zu verlassen. Severin Karrer ist selbst Bergführer und verantwortlich für die Ausbildung beim SAC – er kennt die Hintergründe.

Severin Karrer

Bergsteiger und Fachleiter Ausbildung Bergsport beim SAC

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Der in der Region Basel aufgewachsene Severin Karrer ist seit 2024 ausgebildeter Bergführer. Beim Schweizer Alpen-Club SAC ist er verantwortlich für die Ausbildung.

SRF News: Was ist derzeit anders in den Bergen?

Severin Karrer: Momentan präsentieren sich die Verhältnisse so, dass viele Gletscher in den Alpen schon stark ausgeapert sind. Das heisst, die schützende Schneeschicht ist weggeschmolzen und das blanke Eis liegt frei.

Jetzt verschärfen die wiederholten, langanhaltenden Hitzeperioden die Situation.

Das ist dadurch zustande gekommen, dass wir einen relativ schneearmen Winter hatten, gefolgt von einem sehr warmen Frühling. Und jetzt verschärfen die wiederholten, langanhaltenden Hitzeperioden die Situation.

Sie rufen die Leute zur Vorsicht auf. Wie gefährlich ist die Situation?

Speziell bei den Gletschern sind die Spaltenzonen vielerorts schon offen oder nur noch mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Es ist deshalb relativ schwierig, die jeweilige Route zu finden. Auch Bergschründe, also Übergänge vom Eis zum Fels, sind häufig schon offen und zum Teil gar nicht mehr passierbar oder nur noch sehr schwierig zu überwinden.

Von was für Gefahren sprechen wir genau?

Konkret heisst das einerseits, dass die Gefahr von Spaltenstürzen – die zwar immer vorhanden ist – durch diese spezielle Situation zusätzliche Beachtung verlangt. Also wenn die Schneeauflage über dieser Gletscherspalte nur noch sehr, sehr dünn ist, dann ist das ein zusätzliches Risiko.

In steilen Passagen im Eis oder auf dem Gletscher besteht zusätzlich die Gefahr des Abrutschens oder Abstürzens.

Andererseits haben wir folgendes Problem: Wenn die Gletscher diese Schneeschicht nicht mehr haben, laufen wir auf dem blanken Eis. Das heisst, in steilen Passagen im Eis oder auf dem Gletscher besteht zusätzlich die Gefahr des Abrutschens oder Abstürzens.

Wer ist alles davon betroffen? An wen richten Sie sich mit Ihrem Aufruf zur Vorsicht?

Wir richten uns an alle Berggänger – über alle Disziplinen. Seien es Wanderer oder Bergsteiger. Die Thematik der Gletscher betrifft natürlich eher die Bergsteiger.

Die Steinschlaggefahr kann auf Wanderungen zum Teil zunehmen und Geländeabschnitte können instabil sein.

Zusätzlich kommt aber durch die nicht vorhandene Schneeschicht viel mehr Fels zum Vorschein, also auch loses Geröll. Das kann auch Wanderer betreffen. Hinzu kommt die Thematik des Permafrosts: Die Steinschlaggefahr kann auf Wanderungen zum Teil zunehmen und Geländeabschnitte können instabil sein.

Das Gespräch führte Nicolas Malzacher.

Diskutieren Sie mit:

Heute Morgen, 23.07.2026, 06:00 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel