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Schweizer Legehennen Kein Kükentöten mehr: Betriebe ziehen erste Zwischenbilanz

  • Bis vor Kurzem wurden männliche Küken aus der Legehennenzucht am ersten Tag ihres Lebens getötet – weil man keine Verwendung für sie hatte.
  • Diese umstrittene Praxis ist seit Anfang des Jahres in der Schweiz verboten.
  • Konventionelle und Bio-Landwirtschaft gehen unterschiedliche Wege.

Den Tieren mit Respekt und Fürsorge zu begegnen, sei auch auf einem professionellen Nutztierbetrieb sehr wichtig, betont Daniel Würgler. Er gehört zu den grossen Eierproduzenten in der Schweiz: 18’000 Legehennen leben auf seinem Betrieb im freiburgischen Broyebezirk, unweit des Neuenburgersees.

Respekt – dazu gehören auf der einen Seite die Haltungsbedingungen. Zudem stellt sich aber auch die Frage, was mit den männlichen Küken passiert, die der Legehennenzucht entstammen. Einfach töten, weil sie keine Eier legen und für den Betrieb nutzlos sind? Diese langjährige Methode ist ethisch fragwürdig, weshalb die Eierbranche per 1. Januar dieses Jahres den Ausstieg aus dieser Praxis beschlossen hat.

Geschlechtsbestimmung im Ei

Neu werden alle Eier etwa in der Hälfte der Brutdauer durchleuchtet, um das Geschlecht des Embryos zu bestimmen. Ist dieses männlich, wird das Ei gar nicht ausgebrütet.

Auf Daniel Würglers Betrieb wurde die Maschine bereits im März letzten Jahres in Betrieb genommen. Diese technologische Lösung funktioniere ganz gut, bilanziert Würgler. Allerdings gibt es eine Fehlerquote von 2 bis 5 Prozent. Das heisst, in der konventionellen Legehennenzucht werden doch noch einige männliche Küken ausgebrütet, getötet und zu Tierfutter verarbeitet. Aber es sind sehr viel weniger als früher.

Aufzucht von Bruderhähnen

In der Biolandwirtschaft ist die Geschlechtsbestimmung im Ei nicht erlaubt. Hier werden die männlichen Küken aus der Legehennenzucht als sogenannte Bruderhähne aufgezogen und so gut wie möglich gemästet.

Seit dem 1. Januar werden alle Bio-Bruderhähne aufgezogen.
Autor: Adrian Schlageter Projektleiter Tierwohl, Dachverband Bio Suisse

Adrian Schlageter zeigt sich zufrieden. Er ist Projektleiter Tierwohl beim Dachverband Bio Suisse und zieht eine positive Zwischenbilanz: «Die ganze Bio-Eier- und Geflügelbranche hat einen riesigen Effort geleistet und ein grosses Ziel erreicht. Denn seit dem 1. Januar werden alle Bio-Bruderhähne aufgezogen.» Und dabei seien viele Herausforderungen gemeistert worden.

Eine Herausforderung ist, das Fleisch der Bruderhähne erfolgreich zu verkaufen. Denn ihr Fleisch ist zwar schmackhaft, sieht aber ganz anders aus als die schönen Pouletbrüste oder weichen Pouletschenkel der klassischen Masthühner. Das Fleisch der Bruderhähne wird demgegenüber häufig zu Charcuterie und Wurstwaren verarbeitet. Da brauche es nach wie vor Aufklärungsarbeit.

Trotz Aufwand klare Fortschritte

Was aber nicht vergessen werden darf: Sowohl die Bruderhahnaufzucht in der Biolandwirtschaft als auch das Eierdurchleuchten in der konventionellen Landwirtschaft sind mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Das führt dazu, dass die Eier im Laden etwas teurer werden.

Betriebsleiter Daniel Würgler, der auch die Fachorganisation GalloSuisse präsidiert, hält fest: «Wir haben gesagt: Das erste Jahr lernen wir die Maschine kennen, im zweiten Jahr verbessern und optimieren wir, und im dritten Jahr entscheiden wir: Sind wir noch auf dem richtigen Weg?»

Denn den perfekten Weg gibt es nicht in der Schweizer Legehennenzucht. Aber es wurden ganz klar Fortschritte erzielt.

Echo der Zeit, 31.03.2026, 18:00 Uhr ; 

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