Ein Sommerabend, Scheinwerfer beleuchten die Bühne, die Decke auf dem Schoss, ein leichter Wind weht, der Vorhang fällt. In der Schweiz gibt es eine grosse Vielfalt an Freilichttheatern. Doch nun fallen auf den Sommerbühnen die Vorhänge teilweise für immer.
In diesen Wochen haben gleich zwei grosse und bekannte Freilichttheater ihr Ende bekannt gegeben: das Theater auf dem Berner Hausberg Gurten und die Freilichtspiele auf der Moosegg im Emmental. Beide haben diesen Sommer ihre letzte Saison, dann ist Schluss.
Das Publikum wählt Theaterstücke heute bewusst aus und schaut sie lieber in ÖV-Nähe als oben auf einem Berg.
Die Freilichtspiele auf der Moosegg bei Lauperswil BE finden seit dreissig Jahren jeden Sommer auf einer Waldlichtung mit Blick über die Emmentaler Hügel statt. Mit grossem Einsatz von Freiwilligen kommen Musicals, Komödien oder Klassiker wie Gotthelf-Stücke auf die Bühne.
Man merke aber: Das Publikum verändere sich, sagt der künstlerische Leiter Simon Burkhalter: «Es wählt Theaterstücke heute bewusst aus und schaut sie lieber in ÖV-Nähe als oben auf einem Berg.» Ausserdem sei es schwieriger geworden, an Fördergelder zu kommen.
Wer kann und will übernehmen?
Simon Burkhalter hat keine Nachfolge für das Freilichttheater auf der Moosegg gefunden. Der Ort setze eine gewisse künstlerische Qualität voraus, die man mitbringen müsse. «Dass man im Emmental eine kulturschaffende Person findet, die auf diesem Hügel einen derart grossen Arbeitsaufwand weiterführen möchte, ist wohl eher utopisch.»
Das Gurten-Publikum wünscht sich ein gesellschaftsrelevantes, aktuelles Stück.
Auch beim Freilichttheater Gurten habe sich bis jetzt keine Nachfolge finden lassen, sagt die Gründerin Livia Anne Richard. «Ich habe die Fühler ausgestreckt, aber niemanden gefunden, der die aktuellen Bedürfnisse des Publikums erfüllen kann. Es wünscht sich ein gesellschaftsrelevantes, aktuelles Stück.»
Das Freilichttheater auf dem Berner Hausberg gibt es seit 2002 – alle zwei Jahre. Die Auslastung sei in den letzten Jahren immer sehr gut gewesen, sagt Richard. Trotzdem: Es sei schwieriger geworden, Fördermittel zu erhalten. Mit der aktuellen Weltlage würden etwa viele Privatfirmen das Sponsoring hintanstellen.
Weniger Kultur in der Freizeit
Diese Entwicklungen beobachtet die Theaterforscherin Yvonne Schmidt von der Hochschule der Künste Bern nicht nur bei Freilichtspielen.
Die Menschen konsumieren weniger Kultur als auch schon.
«Dass die Leute nicht mehr so viel Kultur konsumieren wie auch schon, sieht man nicht nur auf der Freilichtbühne, sondern auch bei anderen Theatern.» Yvonne Schmidt bedauert diese Entwicklung. «Freilichttheater sind eine generationsübergreifende Theaterform, von den Enkelkindern bis hin zu den Grosseltern.» Gerade in ländlichen Regionen wirke ein ganzes Dorf mit – dies sei identitätsstiftend.
Für den künstlerischen Leiter der Freilichtspiele Moosegg ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen. Das Publikum sei noch da, das Budget noch beisammen. In ein paar Jahren sei dies vielleicht nicht mehr so, sagt Simon Burkhalter.