«Ein indischer Guru kommt in ein Schweizer Bergdorf und bringt alles durcheinander.» So bringt der Filmemacher Felice Zenoni den Inhalt seines neusten Werks «Namaste Seelisberg» auf den Punkt. Zwei sehr unterschiedliche Kulturen prallten aufeinander, als Maharishi Mahesh Yogi und seine Anhängerschaft in den 1970er-Jahren in Seelisberg UR angekommen sind.
Maharishi Mahesh Yogi war der Begründer und Anführer einer neohinduistischen Meditationsbewegung. Sie wurde bekannt unter dem Namen «Transzendentale Meditation». Zu Spitzenzeiten hatte sie nach eigenen Angaben über zwei Millionen Anhängerinnen und Anhänger weltweit.
Auch in der Schweiz fanden die spirituellen Ideen des indischen Gurus Anklang. Anfang der 1970er-Jahre erwarb ein Teil seiner Anhängerschaft das Grandhotel Sonnenberg in der kleinen Urner Gemeinde Seelisberg, um darin zu leben und zu meditieren.
Zeitweilig waren es über 300 Personen, die in den ehemaligen Hotelräumen der Lehre Maharishi Mahesh Yogis folgten. Er selbst kam per Helikopter regelmässig persönlich vorbei.
«Die spirituelle Bewegung traf auf eine katholisch geprägte Bevölkerung in einem traditionellen Schweizer Bergdorf», beschreibt der Filmemacher Felice Zenoni die explosive Situation in Seelisberg in den 1970er-Jahren. Zu Beginn hätten die Menschen in Seelisberg ablehnend reagiert. Unter anderem seien Gerüchte kursiert über den angeblichen Drogenkonsum der Yogis.
Über die Jahrzehnte hätten sich die Yogis und die Einheimischen aneinander gewöhnt, sagt Felice Zenoni, der für seinen Film mit Personen von beider Seiten gesprochen hat. «Und die Dorfbevölkerung merkte, dass sich mit den Yogis Geschäfte machen lassen.» Beispielsweise verkauften sie ihnen Blumen.
Ende letzten Jahres ging die Ära der Yogis in Seelisberg zu Ende. Bereits mit dem Tod von Maharishi Mahesh Yogi im Jahr 2008 verlor die Bewegung an Bedeutung. In den letzten Jahren lebten noch knapp zwanzig Yogis im Grandhotel Sonnenberg. Schliesslich verkauften sie die Hotelanlage an eine Luzerner Immobilienfirma, die sie wieder als Hotel und für Wohnungen nutzen will. «Für die Bevölkerung in Seelisberg ist es ein Neuanfang», meint Filmemacher Felice Zenoni.