Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Selbstfahrendes Auto Keiner sitzt mehr am Steuer: Pilotversuch in Bern

Wieviel Regulierung es es für die Computer auf vier Rädern braucht, ist in der Politik umstritten.

Selbstfahrende Autos gibt es schon länger, bis jetzt sass aber stets jemand hinter dem Steuer, um notfalls eingreifen zu können. Nicht so bei einem Pilotversuch in Bern. Mit ihm unterstreicht die Schweiz ihre Vorreiterrolle in Europa, wenn es um autonome Mobilität geht. Ob die Computer auf vier Rädern in der Schweiz aber eine Zukunft haben? Die Politik ist sich uneins.

Die vielen Sensoren und Kameras helfen dem Lieferwagen, sich selbständig auf den Berner Strassen zu bewegen. Das Besondere: Der Sitz hinter dem Lenkrad bleibt frei. Für die Entwicklerfirma Loxo ist das ein grosser Schritt. Mitgründerin Lara Amini: «Es ist das erste Mal in Europa, dass wir 65  Kilometer quer durch die Stadt ohne Sicherheitsfahrer hinter dem Steuerrad fahren dürfen. Das macht uns sehr stolz.»

VW-Bus
Legende: Jungfernfahrt in Bern: Der VW-Bus fährt von selbst. srf

Ein Unglück – und der Mensch ist schuld

Eine Person fährt aber immer noch mit. Nicht hinter dem Lenkrad, sondern auf dem Beifahrersitz. Im Notfall kann sie den Lieferwagen mit einem Knopf zum Stillstand bringen. Und trotzdem passiert es: Bei einem Parkiermanöver streift das Fahrzeug ein Auto. Schuld ist aber ironischerweise nicht die Maschine, sondern der Mensch. In der Überwachungszentrale hat ein Mitarbeiter kurz die Kontrolle über den Lieferwagen übernommen, um diesen für die Fernsehaufnahmen rückwärts einzuparkieren. Etwas, was das Fahrzeug sonst nicht macht.

Der Testbetrieb geht weiter. Der VW-Bus transportiert Pakete vom Berner Güterbahnhof zu diversen Umschlagsplätzen in der Stadt. Hier übernimmt wieder der Mensch. Ein Mitarbeiter lädt die Pakete vom Lieferwagen auf kleinere Fahrzeuge um und übernimmt die Auslieferung auf der letzten Meile. Björn Lindner, Leiter Innovation Planzer Transport: «Es geht darum zu schauen: Was können wir später besser, effizienter machen? Wir schauen aber auch, wie wir die Städte entlasten können. Also: Wie können wir den Verkehr mit so einem Konzept reduzieren?»

Autos fahren bald auch anderswo selber

Box aufklappen Box zuklappen

Auch in der Ostschweiz sollen ab 2027 autonome Fahrzeuge zum Einsatz kommen; ein Angebot von Postauto für ländliche Gebiete mit schlechten ÖV-Verbindungen. Ferner sollen im Zürcher Furttal demnächst selbstfahrende Autos Fahrgäste transportieren.

Nach Jahren des gefühlten Stillstands geht es also wieder vorwärts beim autonomen Fahren. Matthias Rödter, Präsident Swiss Transit: «Sicherlich ist die Rechenleistung der Hardware in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Die Sensoren, die es braucht, haben eine Verbesserung erlebt in den letzten Jahren, und auch die Entwicklung von KI und der Einbezug von der KI treibt diese Technologie voran.»

Aufnahme ins Auto hinein, niemand am Steuer
Legende: Der Platz hinter dem Lenkrad bleibt frei. srf

Bundesrat muss Farbe bekennen

Im Bundeshaus sorgt der Schub für Diskussionen. Die FDP will möglichst wenig Regulierung. Ständerat Thierry Burkart: «Aktuell müssen wir dafür sorgen, dass der Rahmen so gesteckt wird, dass die Innovation möglich ist. Zu gegebener Zeit müssen wir in Abstimmung mit dem internationalen Umfeld die notwendigen Regulierungen vornehmen. Aktuell ist das Motto: ermöglichen und nicht verhindern.»

Anders die Grünen: Sie fordern, dass selbstfahrende Autos vor allem im ÖV eingesetzt werden. Nationalrat Michael Töngi: «Sonst besteht die Gefahr, dass wir noch mehr Verkehr haben, dass jemand alleine in diesem Auto herumfährt und vielleicht noch die Lieblingsserie weiterschaut oder dass das Auto alleine weiterfährt und noch etwas abholt und gar niemand mehr drinsitzt. Das würde Mehrverkehr bedeuten, und das müssen wir unbedingt verhindern, indem man klare Regulierungen schafft.»

Im Bundeshaus wartet man gespannt auf einen Bericht des Bundesrats. Darin nimmt er noch in diesem Jahr Stellung zur Frage, ob es mehr Regulierung braucht.

10vor10, 19.05.2026, 21.50 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel