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Sexuelle Übergriffe in Kitas 15 Kinder mutmasslich missbraucht: Kita-Verband nimmt Stellung

Ein Kita-Betreuer soll mindestens 15 Kinder sexuell missbraucht haben, trotz Schutzkonzepten. Kibesuisse nimmt Stellung.

Es handelt sich möglicherweise um einen der gravierenden Fälle von sexualisierter Gewalt in Kitas: Ein Mann soll in einer Kita im Raum Bern und einer Kita im Raum Winterthur über einen Zeitraum von insgesamt eineinhalb Jahren mindestens 15 Kleinkinder sexuell missbraucht haben.

Gemäss Informationen, die SRF vorliegen, handelt es sich um zwei private Kitas im Raum Bern und im Raum Winterthur. Eine der Kitas ist Mitglied beim Branchenverband Kibesuisse.

Wie schätzt Kibesuisse die Dimension des Falls ein und wie lassen sich solche Taten verhindern? Maximiliano Wepfer, Mediensprecher und Verantwortlicher für die politische Kommunikation, nimmt Stellung.

Maximiliano Wepfer

Mediensprecher bei Kibesuisse

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Maximiliano Wepfer ist Mediensprecher und verantwortlich für die politische Kommunikation bei Kibesuisse, dem Branchenverband für familienergänzende Bildung und Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten, Tagesfamilien und schulergänzenden Tagesstrukturen.

Kibesuisse erarbeitet ausserdem Grundlagen und Empfehlungen für die Branche, stellt Aus- und Weiterbildungsangebote zur Verfügung, berät und unterstützt Mitglieder und Behörden.

SRF News: Was löst dieser Fall bei Ihnen aus?

Maximiliano Wepfer: Ekel, Abscheu Widerwille – es ist die ganze Palette an negativen Gefühlen. Gleichzeitig spüre ich auch eine tiefe Betroffenheit und Mitgefühl mit den betroffenen Eltern. Wir sind uns auch bewusst, dass es für unsere Mitglieder eine schwierige Situation ist.

Verstehen Sie, dass sich Eltern, deren Kinder in die Kita gehen, jetzt Sorgen machen?

Wir können versichern, dass unsere Mitglieder tagein tagaus alles daran setzen, den Kindern eine qualitativ hochwertige und sichere Bildung und Betreuung anzubieten. Wichtig dabei ist, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genügend Aus- und Weiterbildung erhalten.

Als Branchenverband geben Sie Leitlinien zur Verhinderung von sexuellen Grenzverletzungen vor. Beide Kitas haben Schutzkonzepte, die darauf beruhen. Gibt es ein Problem bei der Umsetzung?

Es gab offensichtlich ein Problem in diesen beiden Kitas bei der Umsetzung der Schutzkonzepte und es ist störend und verstörend, dass das niemandem aufgefallen ist. Man muss sicherstellen, dass alle Mitarbeitenden die Schutzkonzepte begreifen.

Die Wertschätzung der pädagogischen Leistung von Kitas lässt zu wünschen übrig.

Dafür braucht es genügend finanzielle, zeitliche und personelle Ressourcen. Hier stehen auch die Behörden in der Pflicht. Die Wertschätzung der pädagogischen Leistung von Kitas seitens der Politik lässt leider sehr zu wünschen übrig.

Was muss konkret passieren, damit solche Fälle künftig vermieden werden können?

Wir fordern dazu auf, dass der Informationsfluss zwischen den Behörden besser gewährleistet ist. Zudem ist es entscheidend, dass die Aufklärung dieses Falls auch die Behörden dazu bringt, über die Bücher zu gehen, die Prozesse nochmals anzuschauen und die richtigen Erkenntnisse daraus zu ziehen.

Wir fordern dazu auf, dass der Informationsfluss zwischen den Behörden besser gewährleistet ist.

Ausserdem ist wichtig, dass sich betroffene Eltern, Kita-Mitarbeitende oder Führungspersonen bei Fachstellen für sexualisierte Gewalt Unterstützung holen.

Eine Opferanwältin hat Strafanzeige gegen eine der beiden Kitas eingereicht, wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Wie beurteilen Sie das?

Es liegt im Ermessen der Untersuchungsbehörden, diese Frage zu beurteilen. Wir fordern zur bestmöglichen Prävention auf. Da stehen wir alle in der Pflicht. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, unsere Kinder zu schützen – und darf nicht unseren Betrieben allein überlassen werden.

Das Gespräch führte Matthias Thomi.

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Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 25.3.2026, 6:31 Uhr ; 

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