Es ist wieder warm, die Menschen zieht es zur Abkühlung in die Badi, den See oder den Fluss. «Schwimmen ist eine der am häufigsten praktizierten Sportaktivitäten in der Schweiz», sagt David Burkhardt, Berater Sport und Bewegung bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Doch oft werden die Gefahren insbesondere in offenen Gewässern unterschätzt.
Jedes Jahr ertrinken in der Schweiz durchschnittlich 28 Menschen beim Baden oder Schwimmen, zudem gibt es tausende Unfälle. 93 Prozent davon ereignen sich in offenen Gewässern. Das zeigt der neuste Sicherheitsreport der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) und der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Hauptursachen sind Strömungen, Selbstüberschätzung, fehlende Sicherheitskenntnisse sowie Alkohol- oder Substanzkonsum.
Gemäss Burkhardt sei die Ertrinkungsrate in der Schweiz im weltweiten Vergleich zwar tief. Trotzdem sei Prävention weiterhin wichtig, um noch mehr Todesfälle zu verhindern. Zusätzlich zu den üblichen Regeln wie Kinder begleiten, Baderegeln beachten, keinen Alkohol konsumieren sowie trübe und unbekannte Gewässer meiden, können auch Schwimmbojen Leben retten. «Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, wie beispielsweise eine Änderung der Strömung, ein Temperaturunterschied, ein Krampf oder ein Schwächeanfall, gibt eine Schwimmboje entscheidenden Halt und Auftrieb», sagt Burkhardt. Wichtig sei zudem, eine flusstaugliche Schwimmboje mit einer Solltrennstelle zu verwenden. Verheddert man sich beispielsweise an einem Ast, löst sich die Boje von selbst.
Immer wieder verunfallen auch erfahrene Schwimmerinnen und Schwimmer. «Gute Schwimmfähigkeiten allein sind kein ausreichender Schutz», sagt Burkhardt. Die überwiegende Mehrheit der Unfallopfer seien Männer. Dies liege nicht an einer vermeintlich höheren Exposition, sondern an ihrem Risikoverhalten, schreiben die BfU und die SLRG im Wasser-Sicherheitsreport 2026. Das Unfallausmass nimmt bei den 15- bis 19-Jährigen gegenüber den jüngeren sprunghaft zu. Dies, weil die Einflussnahme von Aufsichtspersonen abnimmt.
Die überwiegende Mehrheit der Unfallopfer sind Männer
Eine Bevölkerungsbefragung der BfU zeigt: Fast 40 Prozent aller Badenden sind ohne Auftriebsmittel im Fluss unterwegs, die im Notfall über Wasser halten und körperlich entlasten könnten. Besonders ältere Erwachsene schwimmen oft allein und ohne Schwimmboje. Ältere Personen seien daher zunehmend eine wichtige Zielgruppe der Ertrinkungsprävention, sagt Burkhardt. «Die Ertrinkungsrate hat sich bei den über 70-Jährigen seit 2000 fast verdoppelt.» Das liege hauptsächlich daran, dass ältere Menschen heute aktiver seien; sie bewegen sich mehr im und auf dem Wasser. Somit komme es häufiger zu potenziell gefährlichen Situationen.
In zahlreichen Fluss- und Seebädern der Schweiz können Schwimmbojen kostenlos ausgeliehen werden. Eine Übersicht findet sich hier. Das Projekt gibt es seit vier Jahren, vielerorts hat es sich bereits bewährt. So auch im Aarebad Muri bei Bern. Ihre Erfahrungen seien sehr gut, sagt Betriebsleiter Andreas Rasch. «Manchmal warten Leute 20 Minuten auf ausgeliehene Schwimmbojen, damit sie sicher in die Aare gehen können», sagt Rasch.