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Sinti und Jenische Unabhängige Kommission soll jahrzehntelanges Unrecht aufklären

Das Eidgenössische Departement des Innern spricht von einem notwendigen Schritt – und auch Betroffene begrüssen ihn.

Jahrzehntelang haben Schweizer Behörden Jenische und Sinti gezielt verfolgt. Familien wurden auseinandergerissen, die Kinder bei ihnen fremden Leuten oder in Heimen platziert. Der Grund: Den Behörden passte die Kultur der Jenischen und Sinti nicht.

Bundesrat und Nationalrat haben das Unrecht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt. Jetzt macht das Innendepartement von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider einen nächsten Schritt: Es will das Unrecht an Jenischen und Sinti von einer unabhängigen Kommission untersuchen lassen.

Die Anerkennung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die Entschuldigung des Bundesrats, das alles ist wichtig für Jenische und Sinti. Aber noch viel bedeutender ist für sie, dass ihre Geschichte, vor allem das lange, düstere Kapitel zwischen den 1920er- und den 1970er-Jahren, untersucht und dokumentiert wird. Immer wieder haben sie sich dafür eingesetzt, zuletzt mit einem offenen Brief von über 100 Bürgerinnen und Bürgern.

«Die Schweiz muss ihre Geschichte kennen»

Man habe lange darum gekämpft, sagt die jenische Schriftstellerin Isabella Huser. Ihre Grosseltern und deren Kinder mussten damals vor dem Zugriff der Pro Juventute flüchten und sich im Tessin verstecken: «Als Schweizerinnen und Schweizer müssen wir doch wissen, woher wir kommen, und unsere Geschichte kennen. Das ist ein grosser Vorteil.»

Gruppe fröhlicher Kinder sitzt auf einem Feldweg.
Legende: Die Kommission soll den Auftrag erhalten, das an den Minderheiten begangene Unrecht vollständig aufzuklären, teilte das EDI mit. Keystone/STR

Ein Vorteil für die ganze Schweiz, sagt Huser, weil bis jetzt keine vollständige wissenschaftliche Forschung vorhanden ist; die Verfolgung der Jenischen liegt bis heute im Dunkeln.

Wir bitten den Gesamtbundesrat, dieses Verfahren jetzt ohne weitere Verzögerung anzustossen.
Autor: Isabella Huser Jenische Schriftstellerin

Jetzt macht der Bund einen ersten Schritt: Vertreterinnen und Vertreter des Departements des Innern haben letzte Woche eine Gruppe Jenische und Sinti getroffen. Das Departement schreibt dazu, dass es die Einsetzung einer unabhängigen Kommission als notwendig erachtet. Diese soll das begangene Unrecht vollständig aufklären.

Ansonsten ist vieles noch unklar. Nun arbeite man den rechtlichen Rahmen sowie den Auftrag dieser Kommission – und die Finanzierung – aus. Auch der Bundesrat sei informiert worden, er werde das letzte Wort haben. Für Jenische und Sinti ist dieser erste Schritt wichtig, sagt Huser: «Wir bitten den Gesamtbundesrat, dieses Verfahren jetzt ohne weitere Verzögerung anzustossen.»

Aufklären, um Diskriminierung zu beenden

Der Bund liess die Geschehnisse vor zwei Jahren in einem Rechtsgutachten aufarbeiten und leistete auch finanzielle Hilfe an Organisationen von Sinti und Jenischen. Huser erwartet aber jetzt mehr als einen Bericht. Sie fordert, dass die Erkenntnisse auch Folgen haben. Etwa Verbesserungen des Alltags von Jenischen und Sinti. Immer noch würden sie in der Schweiz diskriminiert, vor allem die reisenden Familien.

Zu wenig Standplätze, ohne Strom und Wasser, und die Aufklärung in den Schulen: Dort sei die Verfolgung von Jenischen und Sinti unbekannt. «Es braucht eine klare Aufarbeitung, damit diese ‹operative› Diskriminierung aufhört.» Die heutigen Mängel, die Diskriminierung, können laut Huser erst angegangen werden, wenn die Vorgänge dieser Zeit bekannt seien.

Echo der Zeit, 23.06.2026, 18 Uhr;liea

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