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Social Media verbieten? Medienpädagoge: «Das Alter schützt nicht, Begleiten tut es»

Junge konsumieren Medien mobil und online. Zu verstehen, was die digitale Welt bietet, ist schwierig – auch für Erwachsene. Kinder und Jugendliche kommen heute früh damit in Berührung. Deshalb steht ein Social-Media-Verbot im Raum. Der Bündner Medienpädagoge Mirco Manetsch ordnet ein.

Mirco Manetsch

Medienpädagoge

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Mirco Manetsch war lange Journalist bei RTR und verantwortete da unter anderem die Kindernewssendung Minisguard. 2024 erlangte er den CAS Medienpädagogik an der Fachhochschule Ost. Heute ist er als Medienpädagoge tätig.

SRF News: Was halten Sie von der Idee eines Social-Media-Verbots für Kinder?

Mirco Manetsch: Es klingt eigentlich gut. Unter 16 Jahren kein Social Media – dann sind die Kinder geschützt. Der Zug ist dann aber schon abgefahren. Der Dialog mit den Kindern muss starten, wenn sie damit beginnen, Medien zu konsumieren. Wenn man sie eng begleitet und wertfrei diskutiert, was sie schauen und was sie machen, wird Schritt für Schritt die nötige Kompetenz entwickelt.

Mädchen liegt im Bett und schaut auf ein Handy.
Legende: Der Blick aufs Handy: Kindern und Jugendlichen können auf den Sozialen Medien Videos angezeigt werden, die nicht geeignet sind oder gar gefährlich sein können. zvg, Fachhochschule Ost

Natürlich ist es gut, wenn Kinder unter 13 Jahren keine Social-Media-Accounts haben. Aber mit 13 kann man dann auch nicht einfach sagen: Hier Snapchat, da Tiktok – viel Spass damit. Wenn man sie begleitet, sind die Kinder mit 16 auch bereit dafür. Es ist nicht das Alter, das sie schützt, sondern die Begleitung.

Kinder vor solchen Videos zu bewahren, ist schwierig. Wer selbst kein Handy hat, schaut bei anderen mit?

Genau. Weil es im Hintergrund passiert, kann man es als Eltern nicht mehr überprüfen. Es wird zum Tabu, darüber zu sprechen. Es wird nicht mehr reflektiert. Das ist das Problem. Wenn man das offen miteinander behandelt, kann man reagieren und helfen.

Die Empfehlung an Eltern, die Snapchat und Tiktok nicht kennen

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Medienpädagoge Mirco Manetsch empfiehlt Eltern, den Weg mitzugehen. Im Sinne von: alles zusammen anschauen. «Eltern machen auch einen Account und wollen wissen, was das ist. Wir sitzen an einen Tisch und beurteilen, was wir sehen.»

Natürlich sei es wichtig zu verstehen, was Social Media will, was die Tech-Firmen wollen oder wie ein Algorithmus funktioniert. Es gibt in der Schweiz Informationen, zum Beispiel bei Pro Juventute.

Sie waren zuletzt in einem Kindergarten. Was haben Sie da erzählt?

Dort beginne ich mit dem Fundament: Was ist das Internet überhaupt? Eine technische Verbindung aller Geräte der Welt. Die Kinder sehen dann: Wenn alle Geräte miteinander reden können, können auch böse Menschen mit guten reden. Das ist auch ein Tipp an die Eltern: Wenn ein Kind mit dem Smartphone allein im Zimmer ist, dann ist es nicht allein. Das tönt erschreckend, ist es vielleicht auch. Dann geht es weiter um die Glaubwürdigkeit von Suchmaschinen, um falsche Informationen, um Datenschutz und Persönlichkeitsrechte oder um Gefahren.

Wenn Eltern etwas verbieten, beginnen die Kinder zu tricksen.

Beim Medienkonsum verlieren auch Erwachsene den Überblick. Hat Medienpädagogik an Bedeutung gewonnen?

Das Bewusstsein ist gestiegen. Es ist seit eh und je ein Katz-und-Maus-Spiel. Fake News gibt es schon ewig. 1900 wurden noch Bilder von Hand manipuliert. Heute ist es angesichts der Flut von Informationen und Kanälen nur noch viel wichtiger, diese Kompetenz zu haben, Richtiges und Falsches unterscheiden zu können.

Kritiker sagen: Medienpädagogen beeinflussen Kinder und sind ein Lautsprecher für eine Agenda. Was antworten Sie?

So habe ich das nie gesehen. Ich bin überzeugt davon, dass Kompetenzen länger und vor allem besser schützen als ein Verbot. Verbote schützen nur kurzfristig. Wenn Eltern etwas verbieten, beginnen die Kinder zu tricksen. Wenn wir bei den Kompetenzen ansetzen, bauen wir etwas auf, was das Leben lang bleibt. Klar: Die Kompetenz zu vermitteln ist ein grosser, langwieriger und harter Auftrag. Gerade für Eltern als Bezugspersonen und Vorbilder.

Haben Sie ein Beispiel?

Der Mittagstisch ist handyfreie Zone. Wenn ein Elternteil einen Anruf kriegt, gibt es keine Ausrede, es sei wichtig. Für einen Teenie ist eine Snapchat-Message ebenso wichtig. Wenn sich Eltern nicht an die Regeln halten, wieso sollen es dann Kinder tun? Eltern leben es vor: Zücken die Eltern überall das Handy und fotografieren alles, lernt das Kind, dass schöne Momente immer mit dem Handy festgehalten werden. Und denkt: Etwas ist nur relevant, wenn ich es festhalte.

Das Gespräch führte Valentina de Vos.

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Regionaljournal Graubünden, 17.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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