Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Sonnenblumen-Bändel 23'000 unsichtbare Behinderungen werden durch Bändel sichtbar

Der sogenannte «Sunflower Lanyard» hilft Menschen mit unsichtbaren Behinderungen, im ÖV und Alltag Verständnis und Hilfe zu erhalten.

Unsichtbare Behinderungen sichtbar machen – das ist das Ziel der sogenannten «Sunflower Lanyard». Die grünen Schlüsselbändel mit gelben Sonnenblumen darauf gibt es in der Schweiz seit gut einem Jahr.

Wer so einen trägt, signalisiert damit, dass er oder sie etwa mit Demenz, einer Angststörung, ADHS oder Autismus lebt. Der Sunflower Lanyard ist dafür ein international anerkanntes Erkennungsmerkmal. Betroffene können sie zum Beispiel im SBB-Reisezentrum oder am Flughafen beziehen.

Stadt Zürich soll auch mitmachen

Box aufklappen Box zuklappen

Die Stadt Zürich soll ebenfalls zu den Anbietern von Sunflower Lanyards stossen, forderten Gemeinderäte von FDP und AL bereits im vergangenen Jahr in einem Vorstoss. Einsatzgebiete wären etwa die Stadtverwaltung, Schulen, Sportanlagen, Trams und Busse sowie Spielplätze. Der Vorstoss hat gute Chancen, wurde allerdings noch nicht beraten.

Und dieses Angebot wird rege genutzt. Alleine die SBB hat seit der Einführung letzten Sommer rund 23'000 Lanyards verteilt. Beim Flughafen Zürich waren es fast 700 verteilte Bändel.

Geduld, Rücksicht oder Unterstützung

Der Sunflower Lanyard soll einerseits eine Erklärung liefern, wenn sich die Person allenfalls irritierend verhält, wie Regula Bühler, Geschäftsleiterin von Autismus Schweiz, sagt. Etwa wenn eine Person selbst im Regen mit einer Sonnenbrille herumläuft, um sich vor Reizen zu schützen. Andererseits solle der Bändel darauf hinweisen, dass die tragende Person in manchen Situationen vielleicht Hilfe braucht.

Wir kennen einige, die sagen: Ich ziehe den Bändel nur an, wenn ich weiss, dass ich in eine Stresssituation kommen kann.
Autor: Regula Bühler Geschäftsleiterin Autismus Schweiz

Im öffentlichen Verkehr können Betroffene damit signalisieren, dass sie vom Personal eventuell mehr Geduld, Rücksicht oder Unterstützung benötigen. Vielleicht brauchen sie zum Beispiel mehr Zeit bei einer Kontrolle.

Person betrachtet gelbe Fahrplananzeigen an einer Wand.
Legende: Betroffenen gehen manchmal viele Gedanken durch den Kopf, so dass sie verloren wirken, wie Regula Bühler sagt. Keystone/ MICHAEL BUHOLZER

Regula Bühler ermutigt, Menschen mit Sonnenblumen-Band aktiv anzusprechen, wenn man das Gefühl hat, dass sie Hilfe benötigen. «Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass er oder sie nicht angesprochen werden will. Man kann ja auch nein sagen in dem Moment», sagt Bühler. Sie selbst hat erst gerade im Fitness eine Person mit Sonnenblumen-Band angesprochen, die sehr froh über die Hilfe gewesen sei.

Betroffene und Umfeld profitieren

Die Sunflower Lanyards würden bei den betroffenen Personen sehr gut ankommen, teilte der Flughafen Zürich auf Anfrage von Keystone-SDA mit. Auch von den Flughafenangestellten würden die Schlüsselbänder geschätzt.

Sie wüssten so, welche Passagiere einen besonders sensiblen Umgang brauchen würden. Der Flughafen gibt die kostenlosen Schlüsselbänder seit November 2025 ab.

Auch Mutter mit Kind war gelassener

Box aufklappen Box zuklappen

«Es sind nicht nur die Selbstbetroffenen, sondern auch das Umfeld, das über die Bändel sehr froh ist», sagt Regula Bühler von Autismus Schweiz. Sie nennt das Beispiel einer Mutter, die mit ihrem Kind im ÖV unterwegs war und das dabei den Bändel getragen hatte.

Das Kind sei fünf Jahre alt gewesen und könne sich, wenn es gestresst sei, so verhalten, dass die Leute sich rundum gestört fühlen könnten. «Die Mutter fühlt sich gelassener, wenn sie weiss, dass Leute durch den Bändel sehen können, warum so etwas passieren kann und nicht einfach denken, dass das Kind unerzogen ist», sagt Bühler.

Auch die SBB erhielt positive Rückmeldungen der Betroffenen. «Die freiwillige, kostenlose und niederschwellige Nutzung ohne Nachweispflicht wird besonders geschätzt», heisst es. Eine Umfrage habe auch gezeigt, dass die Sunflower Lanyards als konkrete Hilfe im Reisealltag wahrgenommen werden. Wie am Flughafen schätze auch das SBB-Personal die Bändel, weil es situativ besser auf die Personen eingehen könne.

Angst vor Stigmatisierung

Die Betroffenen würden sich laut SBB wünschen, dass das Symbol breiter bekannt wird. Das würde mehr Personen sensibilisieren.

Und wohl auch verhindern, was einigen Sorgen macht: Einzelne Befragte gaben an, dass sie wegen des sichtbaren Zeichens Angst vor einer Stigmatisierung hätten. Der Bändel «muss» allerdings nicht getragen werden, das könne situativ passieren, heisst es bei der SBB.

Auch Regula Bühler von Autismus Schweiz bestätigt, dass das Tragen des Bändels für viele Betroffene eine Erleichterung ist, aber auch viel Überwindung braucht. «Wir kennen einige, die sagen: Ich ziehe es nur an, wenn ich weiss, dass ich in eine Stresssituation kommen kann.»

SRF 4 News, 23.7.2026, 7:21 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel