Unsichtbare Behinderungen sichtbar machen – das ist das Ziel der sogenannten «Sunflower Lanyard». Die grünen Schlüsselbändel mit gelben Sonnenblumen darauf gibt es in der Schweiz seit gut einem Jahr.
Wer so einen trägt, signalisiert damit, dass er oder sie etwa mit Demenz, einer Angststörung, ADHS oder Autismus lebt. Der Sunflower Lanyard ist dafür ein international anerkanntes Erkennungsmerkmal. Betroffene können sie zum Beispiel im SBB-Reisezentrum oder am Flughafen beziehen.
Und dieses Angebot wird rege genutzt. Alleine die SBB hat seit der Einführung letzten Sommer rund 23'000 Lanyards verteilt. Beim Flughafen Zürich waren es fast 700 verteilte Bändel.
Geduld, Rücksicht oder Unterstützung
Der Sunflower Lanyard soll einerseits eine Erklärung liefern, wenn sich die Person allenfalls irritierend verhält, wie Regula Bühler, Geschäftsleiterin von Autismus Schweiz, sagt. Etwa wenn eine Person selbst im Regen mit einer Sonnenbrille herumläuft, um sich vor Reizen zu schützen. Andererseits solle der Bändel darauf hinweisen, dass die tragende Person in manchen Situationen vielleicht Hilfe braucht.
Wir kennen einige, die sagen: Ich ziehe den Bändel nur an, wenn ich weiss, dass ich in eine Stresssituation kommen kann.
Im öffentlichen Verkehr können Betroffene damit signalisieren, dass sie vom Personal eventuell mehr Geduld, Rücksicht oder Unterstützung benötigen. Vielleicht brauchen sie zum Beispiel mehr Zeit bei einer Kontrolle.
Regula Bühler ermutigt, Menschen mit Sonnenblumen-Band aktiv anzusprechen, wenn man das Gefühl hat, dass sie Hilfe benötigen. «Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass er oder sie nicht angesprochen werden will. Man kann ja auch nein sagen in dem Moment», sagt Bühler. Sie selbst hat erst gerade im Fitness eine Person mit Sonnenblumen-Band angesprochen, die sehr froh über die Hilfe gewesen sei.
Betroffene und Umfeld profitieren
Die Sunflower Lanyards würden bei den betroffenen Personen sehr gut ankommen, teilte der Flughafen Zürich auf Anfrage von Keystone-SDA mit. Auch von den Flughafenangestellten würden die Schlüsselbänder geschätzt.
Sie wüssten so, welche Passagiere einen besonders sensiblen Umgang brauchen würden. Der Flughafen gibt die kostenlosen Schlüsselbänder seit November 2025 ab.
Auch die SBB erhielt positive Rückmeldungen der Betroffenen. «Die freiwillige, kostenlose und niederschwellige Nutzung ohne Nachweispflicht wird besonders geschätzt», heisst es. Eine Umfrage habe auch gezeigt, dass die Sunflower Lanyards als konkrete Hilfe im Reisealltag wahrgenommen werden. Wie am Flughafen schätze auch das SBB-Personal die Bändel, weil es situativ besser auf die Personen eingehen könne.
Angst vor Stigmatisierung
Die Betroffenen würden sich laut SBB wünschen, dass das Symbol breiter bekannt wird. Das würde mehr Personen sensibilisieren.
Und wohl auch verhindern, was einigen Sorgen macht: Einzelne Befragte gaben an, dass sie wegen des sichtbaren Zeichens Angst vor einer Stigmatisierung hätten. Der Bändel «muss» allerdings nicht getragen werden, das könne situativ passieren, heisst es bei der SBB.
Auch Regula Bühler von Autismus Schweiz bestätigt, dass das Tragen des Bändels für viele Betroffene eine Erleichterung ist, aber auch viel Überwindung braucht. «Wir kennen einige, die sagen: Ich ziehe es nur an, wenn ich weiss, dass ich in eine Stresssituation kommen kann.»