- Die Soziologin Katja Rost ist am Samstag im Alter von 50 Jahren gestorben, wie die NZZ berichtet.
- Sie litt an einem multiplen Myelom, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks.
- Sie hinterlässt ihren Ehemann und einen zwölfjährigen Sohn.
Katja Rost gehörte zu den bekanntesten Sozialwissenschafterinnen des Landes – und sie scheute die öffentliche Debatte nicht. Mit ihren Arbeiten zu Gleichstellung, Arbeitsmarkt und Geschlechterrollen mischte sie sich regelmässig in gesellschaftliche Debatten ein.
Trotz ihrer Krankheit blieb sie wissenschaftlich tätig. Anfang Juni veröffentlichte sie gemeinsam mit der Ökonomin Margit Osterloh und weiteren Autorinnen das Buch «Bumerang Frauenquote». Darin vertreten die Autorinnen die These, dass Quotenregelungen in grossen Schweizer Unternehmen ihre Wirkung entfaltet hätten und mittlerweile kontraproduktiv wirkten.
Seit 2010 forschte und lehrte Rost an der Universität Zürich, 2012 wurde sie Professorin. In ihren Arbeiten befasste sie sich mit Arbeitsmärkten, Gleichstellung und den Veränderungen der Arbeitswelt. Zuletzt äusserte sie sich kritisch zum Begriff «Lifestyle-Teilzeit», den der Schweizerische Arbeitgeberverband in die Debatte eingebracht hatte. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger bezeichnete sie den Ausdruck als «stark abwertend».
Forschung löste Debatten aus
Einem breiteren Publikum wurde Rost durch ihre Untersuchungen zur Stellung von Frauen in Wissenschaft und Beruf bekannt. Viel Aufmerksamkeit erhielt eine Studie zum sogenannten «Leaky-Pipeline»-Phänomen. Sie befasste sich mit der Frage, weshalb der Frauenanteil mit jeder akademischen Karrierestufe abnimmt.
Dies hatte laut Rost und ihren Mitautoren eher mit persönlichen Präferenzen zu tun als mit Diskriminierung. Frauen würden häufig die Familie einer Karriere vorziehen. Diese Ergebnisse lösten heftige Reaktionen aus. Später erschien die Studie in der Fachzeitschrift «European Management Review».
Rost engagierte sich neben der Forschung auch innerhalb der Universität. Von 2019 an stand sie der Gleichstellungskommission der Universität Zürich vor und setzte sich unter anderem für bessere Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein.
Zwischen Zürich und Innsbruck
Katja Rost wuchs in Ostdeutschland, der damaligen DDR, auf und studierte an der Universität Leipzig. Während der Woche arbeitete sie in Zürich, ihre Familie lebte in Innsbruck.
Wie ihre langjährige Forschungspartnerin Margit Osterloh gegenüber der NZZ sagte, kehrte die Krankheit zuletzt in immer kürzeren Abständen zurück. Mehrmals habe sich Rost in Therapie befunden.