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Stadtpräsidium in Frauenhand Warum Frauen in Berns Städten das Sagen haben

Bald werden im Kanton Bern die grössten vier Gemeinden von einer Frau präsidiert. Zufall – oder Anzeichen eines Wandels?

Nach wie vor gibt es in der Schweiz mehr Männer als Frauen in der Politik. Auffällig niedrig ist der Frauenanteil in den Stadtpräsidien. Weniger als jede vierte Person im Amt ist eine Frau.

Anders im Kanton Bern: Hier werden in Kürze die vier grössten Gemeinden von einer Frau präsidiert – Bern, Biel, Köniz und bald auch Thun. Die Stadt wählt am 14. Juni eine neue Stadtpräsidentin. Es kandidieren drei Frauen.

Kandidatinnen Stadtpräsidium Thun


In der Tendenz steigt der Frauenanteil in der Schweizer Kommunalpolitik seit Jahrzehnten. Dabei spiele die noch junge Einführung des Frauenstimmrechts 1971 eine Rolle, sagt Politologe Sean Müller von der Universität Bern. «Wir sind noch am Aufholen. Bei den älteren Generationen gibt es Frauen, die es nicht gewohnt sind, abzustimmen oder zu kandidieren.»

Auch in der Modernisierung sieht der Experte für Schweizer Politik einen Grund für den steigenden Frauenanteil. «Schweizerinnen und Schweizer sind weniger in traditionellen Milieus verankert als auch schon – etwa in Vereinen oder der Kirche.» Dadurch seien sie offener geworden, die Person zu wählen, die sie am besten finden. Unabhängig von der Partei.

Glanz der Nationalpolitik färbt ab

Zurück zum Kanton Bern. Hier ist der Frauenanteil in der Stadtpolitik generell höher als andernorts, etwa im Berner Stadtrat, wo mehr Frauen als Männer sitzen. Oder in der Bieler Exekutive: mit der Stadtpräsidentin, drei Gemeinderätinnen und einem Gemeinderat.

Vielleicht ist der Frauenanteil so hoch, weil die Berner Stadtpolitik vom Glanz der nationalen Politik profitiert.
Autor: Sean Müller Politologe, Universität Bern

Sean Müller ist nicht bekannt, dass im Kanton Bern jemand bewusst Stadtpräsidentinnen gefördert hätte. Einen Standorteffekt für Bern schliesst der Politologe trotzdem nicht aus: «Vielleicht ist der Frauenanteil im Kanton Bern so hoch, weil die Berner Stadtpolitik vom Glanz der nationalen Politik profitiert.» Bern als Zentrum der Schweizer Politik färbe ab. «Das motiviert Kandidatinnen und Kandidaten, sich zur Verfügung zu stellen.» Und dies sei am Ende ausschlaggebend. Denn ohne Kandidatinnen keine Frauen in den Ämtern.

Der Elisabeth-Kopp-Effekt

Ob Frauen sich als Kandidatinnen für politische Ämter aufstellen lassen, hänge auch von Vorbildern ab. Sean Müller erwähnt den Elisabeth-Kopp-Effekt: Die erste Bundesrätin habe andere Frauen dazu motiviert, selbst in die Politik zu gehen. «Gerade für politische Minderheiten – dazu zählen auch die Frauen – ist es wichtig zu sehen, dass es andere versucht und geschafft haben.»

Person im blauen Kleid hebt die Hand in einer Versammlungshalle.
Legende: Elisabeth Kopp wurde am 2. Oktober 1984 als erste Frau in den Bundesrat gewählt. Keystone

Vorbilder, die motivieren, gibt es auch in Bern. Die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit etwa könne ein Vorbild werden, sagt Müller – «nicht nur im Kanton Bern, sondern in der ganzen Deutschschweiz».

Frauen eher konsensorientiert

Ob Frauen in Stadtpräsidien anders agieren als Männer, könne man nicht generell sagen. Stadtpräsidentinnen und Stadtpräsidenten seien eingebunden in ein Gremium und könnten Entscheidungen nicht alleine treffen.

«Beim Stil sagt man aber, dass Frauen eher konsensorientiert sind», sagt Politologe Sean Müller. «Frauen versuchen eher, mehr Leute einzubinden.» Dies entspreche der Schweizer Konkordanzdemokratie, die möglichst viele Stimmen einbeziehe. «In dieser Hinsicht ist die Schweizer Politik weiblich», so Sean Müller. Im Kanton Bern ist sie bald noch ein bisschen weiblicher – mit der neuen Stadtpräsidentin von Thun.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 19.5.2026, 17.30 Uhr;liea

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