- 215 Delegierte der Zürcher SP haben am Abend über die Ständeratskandidatur für die Wahlen 2027 abgestimmt.
- Der Entscheid fiel mit 109 zu 94 Stimmen gegen eine erneute Kandidatur von Daniel Jositsch aus.
- Damit rückt Nationalrätin Jacqueline Badran als mögliche Kandidatin in den Vordergrund.
Jositsch sitzt seit 2015 im Ständerat, zuvor politisierte er im Nationalrat. 2023 erhielt er im Kanton Zürich fast 237’000 Stimmen, so viele wie kein anderer Politiker im Land. Innerhalb der SP sorgt er aber seit Jahren für Spannungen, denn er wich wiederholt von der Fraktion ab. So kritisierte er 2022 das reine Frauenticket der SP für die Bundesratswahl als «diskriminierend» und seine Positionen in der Sicherheits- und Europapolitik lösten parteiinterne Diskussionen aus.
Im Vorfeld der Delegiertenversammlung kursierte gemäss Medienberichten gar ein internes Papier mit Kritik an seinen politischen Positionen. Genannt wurden unter anderem seine Haltung zum Gaza-Krieg und zum Uno-Hilfswerk UNRWA, seine Kritik am Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zugunsten der Klimaseniorinnen, seine Positionen in der Asylpolitik sowie seine Unterstützung für mehr Spielraum bei Ausschaffungen straffälliger Ausländer. Wer das Dokument verfasst hat, ist nicht bekannt.
Auf der anderen Seite steht Jacqueline Badran. Sie hatte wenige Tage vor dem Anlass erklärt, für eine Kandidatur bereit zu stehen, und wurde am Abend prompt als Gegenspielerin zu Jositsch gehandelt.
Badran sitzt seit 2011 im Nationalrat. Bei den eidgenössischen Wahlen 2023 erreichte sie im Kanton Zürich rund 150’000 Stimmen und galt als «Panaschierkönigin». Analysen zeigten, dass sie am meisten Stimmen von fremden Listen erhielt – darunter auch jene von Wählerinnen und Wählern aus dem bürgerlichen Lager.
Mit dem Entscheid gegen Daniel Jositsch rückt Jacqueline Badran als mögliche Kandidatin der Zürcher SP für den Ständerat nun in den Vordergrund. Ob Jositsch als Parteiloser zu den Ständeratswahlen antritt, blieb zunächst offen. Die Wahlen finden im Herbst 2027 statt.