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Stahlmarkt Wie Stahl Gerlafingen aus der Krise kommen will

Schweizer Stahlwerke bekommen finanzielle Unterstützung. Stahl Gerlafingen rund 14 Millionen. Was bringt diese Hilfe?

Die Ausgangslage: Stahl Gerlafingen hat schwierige Jahre hinter sich. Seit 2023 schreibt das Unternehmen Verlust. Ein Grund sind die Schutzmassnahmen für die Stahlindustrie, welche die EU als Reaktion auf die Zölle Donald Trumps eingeführt hat. Diese EU-Massnahmen erschwerten den Export von Profilstahl in die EU und Stahl Gerlafingen musste die entsprechende Produktion 2024 einstellen. Ausserdem machten dem Unternehmen die hohen Energiepreise nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu schaffen, sowie die zunehmende Förderung ausländischer Stahlwerke durch die jeweiligen Staaten.

Das Stahlwerk

Die Staatshilfe: Nach medienwirksamen Protesten von Stahlarbeitern und einer breiten Debatte, beschloss das Parlament, den Stahlwerken in der Schweiz befristet unter die Arme zu greifen. Auch der Kanton Solothurn unterstützt Stahl Gerlafingen. Der Geschäftsführer der Firma, Alain Creteur, sagt, die Unterstützung sei zentral: Staat und Bevölkerung hätten erkannt, dass Stahl Gerlafingen für die Schweiz «strategisch wichtig» sei. Das habe das Vertrauen von Banken, Lieferanten und Mitarbeitenden gestärkt. So sei es gelungen, das Unternehmen zu stabilisieren – und wieder eine Perspektive zu entwickeln.

Befristete Unterstützung für die Schweizer Stahlwerke

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Der Bund hat im Frühling 2024 beschlossen, die Schweizer Stahl- und Aluminiumwerke befristet zu unterstützen.

Während vier Jahren können die Firmen einen Rabatt auf die Gebühren zur Nutzung des Stromnetzes bekommen. Finanziert wird dieser Rabatt durch die anderen Stromkunden. Der Rabatt nimmt jedes Jahr ab und ist an Bedingungen geknüpft.

Die Aluminiumwerke haben auf die Hilfe verzichtet. Aber die beiden Stahlwerke, Gerlafingen im Kanton Solothurn und Steeltec im Kanton Luzern, haben sie beantragt.

Eine Voraussetzung für die Entlastung ist, dass auch die Standortkantone die Firmen finanziell unterstützen. Der Kanton Solothurn tut das. Im Kanton Luzern steht der Entscheid noch aus.

Stahl Gerlafingen hat eine Unterstützung für zwei Jahre beantragt. Diese beläuft sich insgesamt auf rund 14 Millionen Franken. Steeltec hat Unterstützung für vier Jahre beantragt. Wird sie gewährt, soll sie sich auf über 25 Millionen Franken belaufen.

Die Unterstützung stiess auch auf heftige Kritik: Die Gegner argumentieren unter anderem, die strukturellen Probleme der Stahlwerke würden dadurch nicht gelöst und es sei unfair, einzelne Firmen zu unterstützen.

Der Optimismus: Stahl Gerlafingen gibt sich zuversichtlich. Finanzchef Patrick Puddu sagt, das Stahlwerk sei nie eine «riesige cash-generierende Einheit» gewesen, aber das Werk habe in der Vergangenheit «stabil gewinnbringend» gewirtschaftet. Geschäftsführer Alain Creteur verweist auf die Bautätigkeit in der Schweiz, die seit Jahrzehnten stabil sei. Für Stahl Gerlafingen gebe es deshalb auch in Zukunft genug Arbeit. Viele Unternehmen bräuchten Stahl kurzfristig, «just in time». Dieses Bedürfnis könnten ausländische Anbieter oft nur bedingt erfüllen. Zudem gewinne Nachhaltigkeit beim Bauen an Bedeutung, gerade bei öffentlichen Gebäuden. Das spiele Stahl Gerlafingen in die Hände. Finanzchef Patrick Puddu sagt: «Ab 2027 wird Stahl Gerlafingen wieder kostendeckend arbeiten können und ab dann brauchen wir keine Hilfe mehr.»

Ein Mann steht vor einem Gebäude.
Legende: Der Geschäftsführer von Stahl Gerlafingen, Alain Creteur, vor dem Verwaltungsgebäude der Firma. SRF / Damian Rast

Die bisherigen Massnahmen: Stahl Gerlafingen hat 2024 eine von zwei Produktionsstrassen geschlossen und zahlreiche Stellen abgebaut. Es hat seinen Betrieb im Stahl- und Walzwerk von vier auf drei Schichten reduziert. Ausserdem hat es ein Stück Land, auf dem heute die Endfertigung des Baustahls gemacht wird, an den Kanton verkauft. Die Endfertigung soll in den nächsten Jahren verlegt und näher an den Rest der Produktion herangeführt werden. Dadurch spart das Werk nicht nur Platz, sondern auch Kosten für den Transport des Materials. Stahl Gerlafingen hat in den letzten Jahren auch den Schmelzvorgang im Lichtbogenofen optimiert, einen neuen, energieeffizienteren Stossofen in Betrieb genommen und zahlreiche Prozesse automatisiert.

Die Investitionsprojekte: Neben dem geplanten Umzug der Endfertigung sind weitere Massnahmen zur Steigerung der Effizienz geplant. Eine ist das so genannte «Hot Charging». Künftig sollen die frisch gegossenen Knüppel aus dem Stahlwerk noch glühend heiss ins Walzwerk gelangen, so dass sie nicht oder kaum mehr aufgeheizt werden müssen. Dazu soll zwischen dem Stahl- und dem Walzwerk eine Art Rollbahn entstehen.

Zwei Männer mit oranger Sicherheitskleidung und orangen Helmen.
Legende: Patrick Puddu (rechts) ist Finanzchef von Stahl Gerlafingen und arbeitet seit Mitte 2023 für die Firma. Frank Sester ist für die Arbeitssicherheit zuständig und seit zwei Jahren dabei. SRF / Damian Rast

Echo der Zeit, 7.5.2026; 18 Uhr;weds

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