Die Ausgangslage: Stahl Gerlafingen hat schwierige Jahre hinter sich. Seit 2023 schreibt das Unternehmen Verlust. Ein Grund sind die Schutzmassnahmen für die Stahlindustrie, welche die EU als Reaktion auf die Zölle Donald Trumps eingeführt hat. Diese EU-Massnahmen erschwerten den Export von Profilstahl in die EU und Stahl Gerlafingen musste die entsprechende Produktion 2024 einstellen. Ausserdem machten dem Unternehmen die hohen Energiepreise nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu schaffen, sowie die zunehmende Förderung ausländischer Stahlwerke durch die jeweiligen Staaten.
Das Stahlwerk
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Bild 1 von 7. Das Gelände von Stahl Gerlafingen ist weitläufig, Es erstreckt sich auf einer Fläche von über 500'000 Quadratmetern. Die verschiedenen Produktionseinheiten und Lager sind mit Schienen verbunden. Die Firma verfügt über einen eigenen Bahndienst. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 2 von 7. In Gerlafingen wird aus Stahlschrott neuer Baustahl hergestellt. Dabei kommen 80 Prozent des Schrotts aus der Schweiz, der Rest aus dem Ausland. Eine Hälfte wird mit dem LKW angeliefert, die andere per Bahn. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 3 von 7. Um neuen Stahl in der richtigen Qualität herstellen zu können, muss der Schrott richtig zusammengesetzt sein. Mit einem Kran und einem Elektromagneten werden die Schrottbestandteile aus Fächern genommen und für die Schmelze in einen Schrottkorb gefüllt. Pro Schmelze können 80 Tonnen verarbeitet werden. Die Anzeigen an der Wand zeigen das Gewicht. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 4 von 7. Der Stahlschrott wird in Gerlafingen mit Hilfe eines so genannten Lichtbogenofens auf 1600 Grad erhitzt und eingeschmolzen. Eine Schmelze dauert rund 40 Minuten und braucht so viel Strom wie mehrere Privathaushalte während eines ganzen Jahres. Deshalb fallen die Energiekosten für das Stahlwerk stark ins Gewicht. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 5 von 7. Der flüssige Stahl kommt nach der Schmelze in grosse Gefässe, so genannte Pfannen. Vor dem Umgiessen des Stahls müssen die Pfannen mit Gas vorgeheizt werden. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 6 von 7. Wenn der Stahlschrott flüssig ist, wird das Gemisch in die vorgeheizte Pfanne gegossen. Die Stahlkocher geben dann weitere Stoffe zum geschmolzenen Schrottgemisch, damit der Stahl die nötigen Eigenschaften bekommt. Bildquelle: srf / damian rast.
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Bild 7 von 7. Der fertige Flüssigstahl wird am Ende des Stahlwerkes in Form gebracht. Dies geschieht im so genannten Strangguss-Verfahren. Dabei entstehen lange Balken, so genannte Knüppel. Diese werden dann im Walzwerk weiterverarbeitet. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
Die Staatshilfe: Nach medienwirksamen Protesten von Stahlarbeitern und einer breiten Debatte, beschloss das Parlament, den Stahlwerken in der Schweiz befristet unter die Arme zu greifen. Auch der Kanton Solothurn unterstützt Stahl Gerlafingen. Der Geschäftsführer der Firma, Alain Creteur, sagt, die Unterstützung sei zentral: Staat und Bevölkerung hätten erkannt, dass Stahl Gerlafingen für die Schweiz «strategisch wichtig» sei. Das habe das Vertrauen von Banken, Lieferanten und Mitarbeitenden gestärkt. So sei es gelungen, das Unternehmen zu stabilisieren – und wieder eine Perspektive zu entwickeln.
Der Optimismus: Stahl Gerlafingen gibt sich zuversichtlich. Finanzchef Patrick Puddu sagt, das Stahlwerk sei nie eine «riesige cash-generierende Einheit» gewesen, aber das Werk habe in der Vergangenheit «stabil gewinnbringend» gewirtschaftet. Geschäftsführer Alain Creteur verweist auf die Bautätigkeit in der Schweiz, die seit Jahrzehnten stabil sei. Für Stahl Gerlafingen gebe es deshalb auch in Zukunft genug Arbeit. Viele Unternehmen bräuchten Stahl kurzfristig, «just in time». Dieses Bedürfnis könnten ausländische Anbieter oft nur bedingt erfüllen. Zudem gewinne Nachhaltigkeit beim Bauen an Bedeutung, gerade bei öffentlichen Gebäuden. Das spiele Stahl Gerlafingen in die Hände. Finanzchef Patrick Puddu sagt: «Ab 2027 wird Stahl Gerlafingen wieder kostendeckend arbeiten können und ab dann brauchen wir keine Hilfe mehr.»
Die bisherigen Massnahmen: Stahl Gerlafingen hat 2024 eine von zwei Produktionsstrassen geschlossen und zahlreiche Stellen abgebaut. Es hat seinen Betrieb im Stahl- und Walzwerk von vier auf drei Schichten reduziert. Ausserdem hat es ein Stück Land, auf dem heute die Endfertigung des Baustahls gemacht wird, an den Kanton verkauft. Die Endfertigung soll in den nächsten Jahren verlegt und näher an den Rest der Produktion herangeführt werden. Dadurch spart das Werk nicht nur Platz, sondern auch Kosten für den Transport des Materials. Stahl Gerlafingen hat in den letzten Jahren auch den Schmelzvorgang im Lichtbogenofen optimiert, einen neuen, energieeffizienteren Stossofen in Betrieb genommen und zahlreiche Prozesse automatisiert.
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Bild 1 von 7. Damit die Knüppel zu dünnen Stangen gewalzt werden können, müssen sie wieder erhitzt werden. Das geschieht in einem vollautomatisierten Stossofen. Stahl Gerlafingen hat den Ofen 2022 erneuert. Der neue Ofen braucht 35 Prozent weniger Gas. Künftig soll er auch mit Wasserstoff betrieben werden können. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 2 von 7. Die Knüppel werden glühend heiss durch Rollen gepresst, deren Abstand immer kleiner wird. Am Ende der Walzstrasse sind aus den dicken Stahlknüppeln bis zu 24 Meter lange, dünne Armierungsstangen geworden. Bildquelle: srf/damian rast.
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Bild 3 von 7. Die Walzstrasse wird zentral aus der roten Kommandozentrale gesteuert. Dank Automatisierung braucht es im Stahl- und Walzwerk heute viel weniger Personal als früher. Bei Stahl Gerlafingen arbeiten aktuell rund 400 Personen, zu den Hochzeiten im letzten Jahrhundert waren es über 3000. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 4 von 7. Stahl Gerlafingen will all seinen Armierungsstahl künftig kennzeichnen. Sodass auf einer Baustelle sofort ersichtlich ist, von wo der Stahl kommt. Das Zeichen besteht aus einem S und einem Plus. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 5 von 7. Stahl Gerlafingen legte 2024 die Produktion von Profilstahl still. Der Stahl war vor allem für den Export bestimmt und konnte wegen der Schutzmassnahmen der EU kaum mehr verkauft werden. Seither ist diese riesige Lagerhalle leer. Neu soll ein Teil der Endfertigung des Stahls hierher verlegt werden. Bildquelle: SRF / Damian Rast.
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Bild 6 von 7. In Gerlafingen sind diverse Investitionen geplant, um Kosten zu sparen. Eine ist das sogenannte «Hot Charging». Dabei sollen die glühenden Knüppel möglichst heiss von Stahl- zum Walzwerk gebracht werden, damit sie da nicht mehr aufgewärmt werden müssen. Dazu braucht es eine Rollbahn, die ähnlich aussehen könnte wie die auf dem Bild. Bildquelle: SRF / Damian Rast .
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Bild 7 von 7. Am Ende der Produktionslinie stehen die fertigen Produkte bereit, um abtransportiert zu werden. Das meiste Material geht zu Biegereien in der Schweiz. Das sind Betriebe, die den Armierungsstahl nach Plänen für das jeweilige Bauwerk vorbereiten. Stahl Gerlafingen liefert den Stahl in Form von geraden Stäben aus oder gerollt als so genannte «Coils». Bildquelle: SRF / Damian Rast.
Die Investitionsprojekte: Neben dem geplanten Umzug der Endfertigung sind weitere Massnahmen zur Steigerung der Effizienz geplant. Eine ist das so genannte «Hot Charging». Künftig sollen die frisch gegossenen Knüppel aus dem Stahlwerk noch glühend heiss ins Walzwerk gelangen, so dass sie nicht oder kaum mehr aufgeheizt werden müssen. Dazu soll zwischen dem Stahl- und dem Walzwerk eine Art Rollbahn entstehen.