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Stiefkindadoption im Parlament «Es war nie eine Frage, ob ich das richtige Mami bin»

Die Stiefkindadoption in Regenbogenfamilien soll künftig leichter werden. Eine Familie erzählt über ihren mühsamen Weg.

Zur Familie Skalsky gehören drei Kinder mit 9, 6 und 3 Jahren. Die Eltern sind seit elf Jahren eingetragen, seit eineinhalb Jahren verheiratet. Jessica Skalsky ist die biologische Mutter der Kinder, Carmen Skalsky ist die Co-Mutter. Sie war von Beginn weg dabei: vom Kinderwunsch, über die Geburt, dann bei der Erziehung der Kinder.

Carmen Skalsky musste alle drei Kinder adoptieren. Ihr Muttersein sei durch die aufwändige Adoption in Frage gestellt worden, sagt sie. «Für mich war es nie eine Frage, ob ich das richtige Mami bin oder nicht.» Das Gefühl, dass sie nicht die richtige Mutter sein könnte, sei eher durch aussen an sie herangetragen worden. «Gerade durch den Adoptionsprozess ist das Gefühl in mir aufgekommen.»

Offener Umgang mit Herkunftsfrage

Geboren wurden die drei Kinder rechtlich mit nur einem Elternteil. Die beiden Älteren wurden mit einem privaten Samenspender gezeugt, das Jüngste mit einer Samenspende im Ausland. Über die Herkunft spricht die Familie offen mit ihren Kindern. Sie wissen Bescheid.

«Die beiden älteren Kinder kennen den leiblichen Vater. Wir haben eine gute Beziehung zu ihm, er ist ein Freund der Familie. Und bei der Jüngsten wird es soweit sein, wenn sie 18 Jahre alt ist», so Jessica Skalsky. Die Herkunftsfrage bei Stiefkindadoptionen wird im Moment in einer anderen Vorlage revidiert. Zur Debatte im Nationalrat steht nur der erleichterte Adoptionsprozess.

Langer Weg der Adoption

Nun wollen der Bundesrat und die zuständige nationalrätliche Kommission, dass Kinder von Regenbogenfamilien schon ab Geburt rechtlich abgesichert sein sollen. Sie sollen also rechtlich zwei Elternteile haben – auch dann, wenn sie durch eine private Samenspende oder mit einer Samenspende im Ausland gezeugt wurden.

Familie am Tisch beim Malen und Spielen im Wohnzimmer.
Legende: Jessica und Carmen Skalsky leben zusammen in einer Regenbogenfamilie mit drei Kindern. SRF

Heute müssen Eltern in der Schweiz für die Stiefkindadoption seit mindestens drei Jahren gemeinsam einen Haushalt führen. Ausserdem muss die adoptionswillige Person ein Jahr lang für das Kind gesorgt haben. Dann erst kann bei Regenbogenfamilien der Prozess zur Adoption beginnen. Diese Vorbedingungen werden am Montag im Nationalrat diskutiert. Auch die Dauer der Adoption wird angeschaut.

Viele Dokumente nötig

«Ich musste ungefähr 30 Dokumente für die Adoption einreichen. Das dauert. Und dann gibt es diese Eignungsabklärung, also einen Sozialbericht, der geschrieben werden muss, einen Hausbesuch», sagt Carmen Skalsky. Den Adoptionsprozess musste sie für jedes der drei Kinder wiederholen. «Insgesamt hat es zirka acht Jahre gedauert, bis wir jetzt eine rechtlich anerkannte Familie sind.»

Beide Frauen sind ehrenamtlich im Dachverband für Regenbogenfamilien tätig. Die Debatte am Montag werden sie eng verfolgen.

«Ich hoffe, dass das Jahr, das Prüfjahr, gestrichen wird, weil das eine unsichere Zeit ist», sagt Jessica Skalsky. Im Falle einer Scheidung oder eines Todesfalls «wäre das schlimm, sowohl für die Mutter wie auch für die leibliche Mutter. Wie auch für das Kind».

Tagesschau, 01.03.26, 19:30 Uhr; noes

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