Darum geht es: Der Stau auf Schweizer Autobahnen hat auch im letzten Jahr deutlich zugenommen. Der Bund zählte auf den Nationalstrassen rund 68'000 Staustunden. Fast 90 Prozent der Staus waren gemäss dem Bundesamt für Strassen (Astra) auf Verkehrsüberlastung zurückzuführen.
68'040 Staustunden: Das sind 22.4 Prozent mehr als noch 2024. Ginge der Anstieg im gleichen Masse weiter wie letztes Jahr, dann würden in der Schweiz in fünf Jahren knapp 190'000 Staustunden gezählt. In zehn Jahren wären es mehr als eine halbe Million und in 20 Jahren rund 3.8 Millionen Staustunden – hypothetisch. Auf Schweizer Autobahnen würde man somit in einem Jahr rund 440 Jahre im Stau stehen.
Das Astra differenziert: Dass das Nationalstrassennetz somit ab einem gewissen Punkt kollabiere, glaubt das Bundesamt für Strassen jedoch nicht: «Die Staustunden werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, etwa vom Verkehrsaufkommen, Unfällen, Wetterereignissen oder temporären Engpässen.» Doch: «Bereits heute stösst das Netz immer häufiger an seine Kapazitätsgrenzen.»
Das ist eine Staustunde: Die Messgrösse «Staustunden» sagt aus, wie viele Stunden pro Jahr der Verkehr auf dem Nationalstrassennetz staute oder stockte. Dabei wird nicht unterschieden, ob es sich um einen 20 Kilometer langen Osterstau vor dem Gotthard oder um eine kurze Störung auf einer Strecke von wenigen Hundert Metern bei einer Autobahnausfahrt handelt. Beides fliesst gleichwertig in die Statistik ein.
Darüber sagt die Staustunde nichts aus: Sie sagt nichts darüber aus, wie gravierend das Stauereignis war, wie lange sich die Fahrzeugkolonne ausdehnte und wie viele Fahrzeuge und Personen betroffen waren. Die Staustunden lassen keine Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Belastung, den persönlichen Ärger oder die Folgen zu. Mit einem zeitlichen Verlust, der den Verkehrsteilnehmenden durch die Verkehrsstörungen entstanden ist, hat die Staustunde auch nichts zu tun. Die inhaltliche Aussagekraft ist somit begrenzt. Das schreibt auch das Astra im aktuellen Verkehrsflussbericht.
Die Stauursache: 89 Prozent aller Staustunden entstehen wegen Verkehrsüberlastung. Das heisst, es sind zu viele Fahrzeuge zur gleichen Zeit auf den gleichen Autobahnabschnitten unterwegs. Auf den Schweizer Autobahnen legten Personenwagen, Lastwagen und Lieferwagen im Jahr 2025 rund 30 Milliarden Fahrzeugkilometer zurück. Damit liesse sich die Erde knapp 750'000 Mal umrunden. Der grösste Teil dieser Kilometer fuhren PWs: über 25 Milliarden.
Der Platzmangel: Der grösste Teil aller Fahrzeuge sind Personenwagen. Der Anteil an SUVs steigt. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge in der Tendenz grösser und länger werden. RTS hat dazu eine Analyse gemacht: Auf einen Kilometer Autobahn haben somit in der Tendenz heute weniger Autos Platz als in der Vergangenheit. Wenn also immer mehr und immer grössere Fahrzeuge unterwegs sind, droht der Autobahn eher die Überlastung – theoretisch. Für den Stau sei die Fahrzeuggrösse vernachlässigbar, erwidert das Astra. Entscheidend seien Engpässe bei Anschlüssen und Verzweigungen, Tempounterschiede, Abstände zwischen Fahrzeugen und Ereignisse wie Unfälle. Dennoch habe die «Fahrzeugzusammensetzung» einen Einfluss: «Schwere Fahrzeuge wie Lastwagen beanspruchen aufgrund ihrer Länge, ihres Fahrverhaltens und insbesondere auf Steigungen mehr Kapazität als Personenwagen.»