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Störche in der Schweiz Braucht es die Storchenväter und -mütter noch?

Jahrelang kümmerte sich ein Aargauer um Störche in seinem Dorf. Ohne Bewilligung ist das aber nicht erlaubt.

Es klappert aus den Nestern in Altreu SO. In diesen frühlingshaften Tagen kehren die Störche aus den Winterquartieren ins Storchendorf zurück – wenn sie überhaupt in den Süden geflogen sind.

Zwei Störche auf einem Nestplattform vor blauem Himmel.
Legende: Diese beiden Störche in Altreu haben noch kein gemachtes Nest. Sie müssen ihren Horst selber bauen. SRF

Altreu hat eine grosse Bedeutung für die Störche. Von dort aus erfolgte ihre Wiederansiedlung. Ab 1948 galten die Vögel in der Schweiz als ausgestorben. Deshalb holte «Storchenvater» Max Blösch damals Störche aus dem Ausland. Sie wurden in Gehegen aufgezogen und vermehrten sich. Auch an anderen Orten kümmerten sich später Freiwillige um Störche. Der Einsatz hat sich gelohnt: Letztes Jahr wurden in der Schweiz fast 2000 Tiere gezählt, über 1200 Paare brüteten.

Seit 40 Jahren nur mit Bewilligung

Dem Storch geht es also wieder recht gut. Er wird zwar auf der Roten Liste des Bundes weiterhin als potenziell gefährdet geführt und es braucht mehr Brutpaare, um den Bestand langfristig zu erhalten.

Mann füttert Störche in einem Nest hoch über einem Dorf.
Legende: Junge Störche, die aus Algerien nach Altreu geholt wurden. In der Filmwochenschau 1960 wird gehofft, dass die Tiere nach ihrem Flug in den Süden zurückkehren mögen. Schweizerisches Bundesarchiv

Seit rund 40 Jahren darf sich aber nicht mehr jede und jeder um Wildtiere kümmern, wie es Störche sind. Dazu braucht es eine kantonale Bewilligung. Ein Storchenvater aus Brittnau AG darf deshalb nach Jahren nicht mehr für «seine» Vögel sorgen, wie das «Zofinger Tagblatt» berichtet. Der Kanton hat erst jetzt bemerkt, dass ihm die nötige Bewilligung fehlt.

«Es war bei niemandem auf dem Radar», sagt Erwin Osterwalder von der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau gegenüber SRF. Der Brittnauer Storchenvater habe jahrelange Erfahrung und gut gearbeitet. Aber: «Eine Privatperson darf nicht Vögel halten oder pflegen.» Das gelte gesetzlich als Wilderei.

Jagdaufsicht muss her

«Wir sind froh um die vielen Freiwilligen. Auch die vier offiziellen Vogelpflegestationen im Kanton werden durch Freiwillige betrieben.» Diese hätten aber die nötige Bewilligung.

Wer einen Jungstorch findet, der aus dem Nest gefallen ist, soll sich bei der örtlichen Jagdaufsicht melden, so Osterwalder. Im Aargau ist das die Jagdgesellschaft, welche für das entsprechende Revier zuständig ist. Das gelte auch, wenn ein Storchennest von einem Dach entfernt oder ein verletztes Tier erlegt werden müsse.

Zwei Männer bauen eine Holzkonstruktion im Wald.
Legende: Dank der Initiative von Max Blösch (rechts) hat sich der Storchenbestand in der Schweiz erholt. 1960 brütete das erste freie Storchenpaar in Altreu. Schweizerisches Bundesarchiv

«Um solche Tiere sollen sich Profis kümmern. Es muss gewährleistet sein, dass ein gepflegtes Tier gesund freigelassen werden kann – und nicht kränker als vorher», sagt Erwin Osterwalder. Vogelfutter aus dem Supermarkt zum Beispiel sei die falsche Nahrung für einen verletzten Storch.

Enge Betreuung nicht mehr nötig

Auch im Storchendorf Altreu kümmert man sich nicht mehr selbst um verletzte Tiere. Diese werden in die Wildstation Landshut in Utzenstorf BE gebracht. «Wir haben keine Voliere und füttern die verletzten Tiere auch nicht», sagt Renate Gugelmann vom Infozentrum Witi.

In Altreu kümmern sich Freiwillige um die Horste auf Häusern und Bäumen. Sie schauen, dass keine Gefahr besteht für Sitzplätze oder spielende Kinder durch die teils hunderte Kilogramm schweren Nester. Ausserhalb der Brutzeit verkleinern sie die Horste oder räumen sie ab.

Silhouette von Bäumen mit Storchennestern und Störchen.
Legende: Auf Bäumen und Dächern brüten in Altreu die Störche. Freiwillige kümmern sich unter anderem darum, dass die teils schweren Nester nicht gefährlich werden. SRF

Braucht es denn die Hilfe der Storchenväter und -mütter überhaupt noch? Jetzt, da in der Schweiz wieder 2000 Störche leben – mit zunehmender Tendenz? Eine so engmaschige Betreuung wie früher sei nicht mehr nötig, meint Kathrin Hochuli, Co-Geschäftsführerin von Birdlife Aargau.

Gefüttert würden die Störche heute nicht mehr und auch die Aufzuchtstationen seien geschlossen. Freiwillige könnten aber etwa bei der Statistik helfen. Also zum Beispiel schauen, wie viele Störche geschlüpft sind.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 2.3.2026, 6:30 Uhr ; 

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