Die Kirche St. Martin in der Baselbieter Gemeinde Pfeffingen zählt zu den ältesten im Kanton. Ein erster Bau soll aus dem 7. oder 8. Jahrhundert stammen. Nun, im 21. Jahrhundert, sorgt das Gotteshaus in der Gemeinde für Gesprächsstoff. Grund: Der Mobilfunkanbieter Swisscom will im Kirchturm eine Mobilfunk-Antennenanlage einbauen.
Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher bestätigt, dass die geplante Anlage im Kirchturm den Handyempfang in Pfeffingen in Zukunft sichern soll. Man sei laufend auf der Suche nach neuen Standorten und deshalb vor zwei Jahren auf die Kirchgemeinde zugegangen. Sie betont, dass die Antennen nicht sichtbar sein werden. «Die Antennen werden so eingebaut, dass sie das Ortsbild optisch nicht einschränken», verspricht Hubacher.
Sorgen vor Strahlung
Dennoch sind gegen das Vorhaben Einsprachen eingegangen, heisst es auf Anfrage bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Es habe drei Einsprachen gegen das Baugesuch gegeben.
Eine davon ist eine sogenannte Sammeleinsprache mit 86 Mitunterzeichnenden. Wer hinter den Einsprachen steht, geben die Behörden nicht bekannt. Klar ist: In den Sozialen Medien ruft eine Gruppierung zum Widerstand auf. Sie macht sich Sorgen wegen der Strahlenbelastung.
Kirchtürme sind ganz grundsätzlich oft ideale Standorte.
Pfeffingen ist indes kein Einzelfall: «Kirchtürme sind ganz grundsätzlich oft ideale Standorte für Mobilfunkantennen, da sie meist zentral stehen und die Höhe für eine gute Mobilfunkversorgung ideal ist», sagt Swisscom-Sprecherin Hubacher.
Allein die Swisscom betreibe aktuell in 80 Kirchtürmen Mobilfunkanlagen und eckt damit auch an. So gab es auch schon in der Laufentaler Gemeinde Wahlen Einsprachen gegen eine Handyantenne im Kirchturm. Wahlen ist nur ein paar Kilometer von Pfeffingen entfernt.
Keine Freude an dieser Entwicklung hat auch das Bistum Basel. Auf Anfrage von SRF schreibt die Kommunikationsstelle des Bistums: «Das Bistum empfiehlt grosse Zurückhaltung, weil solche Projekt regelmässig zu heftigem Streit und Spaltungen von Gemeinden führen» und verweist auf eine Empfehlung aus dem Jahr 2020. Darin hält der damalige Generalvikar fest: «Entsteht gegen ein Projekt erheblicher Widerstand, soll vom Projekt Abstand genommen werden.»
Von dieser Empfehlung habe man keine Kenntnis gehabt, betont die Präsidentin der Kirchgemeinde Pfeffingen, Isabelle Maurer. Sie bestätigt, dass es in der Gemeinde positive aber auch kritische Stimmen gegeben habe. «Ein Thema war dabei auch die Sorge vor der Strahlung», so Maurer.
Zwar erhalte die Gemeinde eine Abgeltung der Swisscom «im mittleren vierstelligen Bereich» pro Jahr, ausschlaggebend, dass man den Vertrag akzeptiert habe, seien jedoch nicht finanzielle Gründe gewesen. «Wir verstehen die Anlage als Dienstleistung für das Dorf.»
Aufgrund der Einsprachen verzögert sich der Einbau der Antenne nun auf unbestimmte Zeit. Beispiele aus anderen Gemeinden zeigen jedoch: Der Widerstand gegen Mobilfunkanlagen nur wegen Strahlenangst ist häufig chancenlos.
So dürfte die Kirche von Pfeffingen nach mehrere Jahrhunderte seit der ersten Einweihung in Zukunft nicht nur für das Seelenheil der Gemeinde sorgen, sondern bald auch für einen guten Handyempfang im Dorf.