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Streit um Stadttauben Basel soll fünf Taubenschläge bekommen – Initiative will mehr

Basel plant fünf betreute Taubenschläge, doch eine Initiative drängt auf ein grösseres Programm zur Bestandskontrolle.

Rund 8000 Tauben hinterlassen in Basel jährlich zig Tonnen Kot auf Dächern, Terrassen, Trottoirs sowie gelegentlich Kleidern und Köpfen. Das führt immer wieder zu Diskussionen – wie wohl in allen Städten.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, beschloss das Basler Kantonsparlament am Mittwoch, fünf betreute Taubenschläge einzurichten: Für ein vierjähriges Pilotprojekt, aus dem ein Stadttaubenkonzept hervorgehen soll, hat der Grosse Rat 830‘000 Franken bewilligt.

So regeln andere Städte das Tauben-Problem

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Taubenfütterungs-Verbotsschild
Legende: Das Fütterungsverbot in Zürich basiert auf dem kantonalen Jagdgesetz. Keystone / Michael Buholzer

Auch wenn sich die Tauben-Konzepte gleichen, setzen Schweizer Städte unterschiedliche Prioritäten – ein paar Beispiele:

In St. Gallen will der Stadtrat keine Taubenschläge auf dem Stadtgebiet. Der Kantonsrat hat im Dezember ein Taubenfütterungsverbot abgelehnt. Ein privater Verein will sich für das Wohlergehen der Tauben einsetzen.

In Luzern betreibt die Stadt seit 2001 ein Stadttauben-Projekt mit zwei Taubenschlägen und Fortpflanzungskontrolle; die Bevölkerung soll nicht füttern. Bis 2015 sank die Zahl um etwa zwei Drittel auf gegen 3000 Tauben.

In Zürich hat sich das Parlament für mehr als die bisherigen drei Taubenschläge ausgesprochen; ausgebaut wurde noch nicht. Ergebnisse einer Zählung sollen im ersten Quartal 2026 vorliegen. Seit 2023 gilt ein Fütterungsverbot mit Bussen von 200 Franken, das jedoch missachtet wird. Ein Verein macht sich für den Taubenschutz stark.

Aarau hat wegen einer «massiven Taubenplage» vor fünf Jahren einen zweiten Taubenschlag eingerichtet. Nach dem ersten war der Bestand um die Hälfte gesunken.

In Bern gibt es kein Fütterungsverbot, dafür acht Taubenschläge. Bis in die 1990er-Jahre zählte man über 10‘000 Tauben, nun noch rund 1500. Neben einem Taubenkonzept samt Abschüssen wird das mit einem guten Habicht-Bestand erklärt. Seit 2011 ist der Tierpark Bern für die Tauben verantwortlich. Die Vögel werden mit Chips markiert und beringt sowie Männchen unfruchtbar gemacht.

Auslöser dieser Debatte ist eine Volksinitiative, die flächendeckend betreute Taubenschläge verlangt, samt artgerechter Fütterung, Austausch von Eiern zur Geburtenkontrolle, tierärztlicher Versorgung kranker Tiere und einem Tötungsverbot. Ihr Ziel ist, den Basler Taubenbestand zu halbieren.

Tauben auf einem Brunnen am Basler Aeschenplatz
Legende: In Basel sind Taubenschwärme an vielen Orten anzutreffen, zum Beispiel auf dem Centralbahnplatz oder hier beim Aeschenplatz. zVg. Kanton BS Bilddatenbank

Dieses Begehren geht dem Parlament deutlich zu weit; es sprach sich mit 73 gegen 15 Stimmen dagegen aus. Dafür unterstützte es einstimmig den Gegenvorschlag mit dem befristeten Pilotprojekt. Ein Kürzungsantrag von Mitte/EVP, FDP und LDP für nur drei Taubenschläge und drei Jahre Dauer wurde klar abgelehnt.

Die Vergrämung mit Falken ist angedacht.
Autor: Kaspar Sutter Vorsteher Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt BS

Es gebe «Hotspots» mit zu vielen Tauben in Basel, räumte Regierungsrat Kaspar Sutter ein. Dazu trügen Leute bei, die das Fütterungsverbot missachteten. Abhelfen sollten mit dem Pilotprojekt nicht nur mehr Strafen und mehr Information, sondern auch diverse Massnahmen. «Die Vergrämung mit Greifvögeln, mit Falken ist angedacht», ebenso Einfangen und «tierschutzgerechte Tötung».

Volk muss über Tauben richten

Entschieden über Initiative und Gegenvorschlag wird an der Urne, weil erstere nicht zurückgezogen wird. Initiantin Renée Winkler sagt gegenüber SRF: «Der Gegenvorschlag ist eigentlich nur die Verlängerung des ehemaligen Konzeptes, das wir 28 Jahre lang hatten.» Das werde nicht funktionieren; so sei die geplante Futtermenge zu klein, nach Ei-Entnahmen in Schlägen würden Tauben diese meiden, und Abschüsse davor würden sie verscheuchen.

Stadttauben sind de jure Wildtiere

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Gemäss Bundesrecht gelten Stadttauben als verwilderte Haustauben, also Wildtiere. Das Schweizer Jagdgesetz taxiert die Taube als ganzjährig jagdbare Art. Das Tierschutzgesetz regelt derweil auch Massnahmen zur Bestandskontrolle mit.

Die meist grauen, manchmal aber auch braun gefleckten oder bis zu weissen Stadttauben stammen von Haus- und Brieftauben ab. Diese wiederum waren ursprünglich aus Felsentauben gezüchtet worden, die an Mittelmeerküsten heimisch und heute bedroht sind. Seltener sind auch Türkenbundtauben (etwas kleiner, beige) und Ringeltauben (grösser, grau) in Schweizer Siedlungsgebieten anzutreffen.

Winkler ist für die Abstimmung optimistisch. Sie verweist auf die Verzweiflung etwa von Leuten, deren Balkone laufend vollgekotet würden. Sie glaubt, dass das verbotene Füttern aufhöre, sobald es Taubenschläge gebe.

Viel Futter = viele Tauben

Offizielle Taubenschläge gab es am Rheinknie schon, rund zehn bis zum Jahr 2020. Sie dienten nicht der Populationskontrolle oder -reduktion, sondern der Forschung an der Universität Basel. Diese ergab damals, dass das Nahrungsangebot für die Zahl der Stadttauben ein entscheidender Faktor ist. Mit dem Ende des Forschungsprojekts wurden die Basler Taubenschläge geschlossen.

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Regionaljournal Basel Baselland, 7.1.2026, 17:30 Uhr ; 

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