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Stromversorgung der Schweiz Viele Unsicherheiten rund um neue Kernkraftwerke

Der Energiekonzern Axpo legt eine umfangreiche Studie zur Zukunft der Stromversorgung in der Schweiz vor. Unter anderem hat er auch eine Auslegeordnung zu neuen Kernkraftwerken in der Schweiz gemacht.

Worum geht es? Der Strombedarf in der Schweiz wird in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen, so die Axpo: Die Elektromobilität, neue Datenzentren oder das Bevölkerungswachstum führen dazu, dass der Strombedarf steigen dürfte. Gleichzeitig gelangen zwei laufende Kernkraftwerke an ihr Lebensende: Die beiden ältesten Werke, Beznau I und II, werden 2032 und 2033 abgestellt. Vor diesem Hintergrund legt die Axpo nun in einer Studie dar, wie die Stromversorgung in Zukunft sichergestellt werden könnte.

Wie geht die Axpo vor? Die Axpo fokussiert sich vor allem auf die Wintermonate. In dieser Zeit ist der Strombedarf in der Schweiz hoch, gleichzeitig produzieren die Schweizer Kraftwerke (etwa Solaranlagen oder Wasserkraftwerke) vergleichsweise wenig Strom. Die Axpo legt nun zwei Szenarien vor, die sich vor allem darin unterscheiden, welche Arten von Kraftwerken künftig den Strom in der Schweiz produzieren sollen. Im ersten Szenario würden neue Gaskraftwerke eine eventuelle Stromlücke schliessen, im zweiten würden neue Kernkraftwerke gebaut. Beide Szenarien gehen allerdings nicht von einer autarken Versorgung der Schweiz aus, sondern rechnen damit, dass die Schweiz wie bisher stets aus dem umliegenden Ausland Strom importieren und dorthin exportieren kann.

Welches Szenario zieht die Axpo vor? Grundsätzlich hält der Energieversorger neue Kernkraftwerke für «prüfenswert», betont aber, dass sie für die Axpo «nicht im Vordergrund» stünden. Zwar habe diese Technologie – gerade mit Blick auf die Winterstromversorgung – ihre Vorteile. Insgesamt aber bestünden viele Unsicherheiten, so das Fazit des Energieversorgers. Für realistischer hält die Axpo das Szenario, das einen Ausbau von Solaranlagen und der Wasserkraft mit dem Langzeitbetrieb der beiden Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt kombiniert. Diesbezüglich betont die Axpo als Miteigentümerin der beiden Werke auch, dass bereits in den kommenden Jahren ein politischer Entscheid über den Langzeitbetrieb nötig sei. Im Vordergrund stehe vor allem die finanzielle Abgeltung der Nachrüstungen für einen Weiterbetrieb der beiden Werke von aktuell 60 auf bis zu 80 Jahre. In diesem Szenario schlägt die Axpo zudem vor, neue Gaskraftwerke als Reserve zu bauen, die bei Bedarf – zum Beispiel im Winter – zusätzlichen Strom liefern könnten.

Wie realistisch sind neue Kernkraftwerke?

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Aktuell ist es in der Schweiz verboten, neue Kernkraftwerke zu bauen. Die «Blackout-Initiative» und ein Gegenvorschlag des Bundesrates möchten allerdings dieses Neubauverbot aufheben. Die Volksabstimmung dazu wird somit zur ersten Hürde, bevor über die weiteren Schritte diskutiert werden kann.

Bezüglich der Technologie geht die Axpo davon aus, dass für die Schweiz eine Anlage der sogenannten «Generation III+» in Frage kommt, wie sie beispielsweise im finnischen Olkiluoto steht. Gerade Kernkraftbefürworter setzen grosse Hoffnungen auf kleinere, modulare Reaktoren (SMR). Die Axpo kommt zum Schluss, dass solche SMR aktuell in einem «sehr frühen Entwicklungsstadium» seien und folglich für die Schweiz nicht in Frage kämen.

Im besten Fall könnte ein neues Kernkraftwerk bis 2050 seinen Betrieb aufnehmen, sofern die Bewilligungsverfahren beschleunigt würden. Zudem brauche es eine staatliche Förderung, da Kernkraftwerke «nicht wirtschaftlich betrieben» werden könnten.

Die reinen Baukosten beziffert die Axpo aktuell auf mindestens 7 bis 10 Milliarden Franken, die Kosten für die Errichtung und den Betrieb über eine Laufzeit von 60 bis 80 Jahren dürften 80 bis gut 150 Milliarden Franken betragen.

Welche politische Bedeutung hat der Bericht der Axpo? Die Studienergebnisse werden direkt in die politische Debatte einfliessen. Aktuell läuft im Parlament eine Kontroverse über die «Blackout-Initiative» und den Gegenvorschlag. Die Studie der Axpo ist mit grosser Spannung erwartet worden, insbesondere das Kapitel zur Kernenergie. Es gibt zwar aktuelle Analysen zu AKW in Europa, nicht aber zur spezifischen Situation in der Schweiz. Zudem ist die Studie von einem Energiekonzern erstellt worden und nicht – wie viele andere Berichte – durch Forschungseinrichtungen oder Verbände. Die nun vorliegende Studie liefert aktuelles Zahlenmaterial und bietet eine umfangreiche Auslegeordnung über die Vor- und Nachteile der Kernenergie. Entsprechend dürften künftig sowohl die politischen Befürworterinnen als auch die Gegner dieser Technologie mit Auszügen aus dieser Studie argumentieren.

Heute Morgen, 23.3.2026, 6 Uhr; wilh

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