- Im Kanton St. Gallen wird in den kommenden fünf Jahren eine Studie zum Cannabiskonsum durchgeführt.
- Im Fokus stehen unter anderem Agglomerationsgemeinden.
- Ein Teil der Probandinnen und Probanden soll das Cannabis auch per Post zugestellt bekommen.
Rund 5000 Personen können an der St. Galler Cannabisstudie teilnehmen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bietet sie etwas Neues.
Wer möchte, kann sich das Gras per Post zuschicken lassen. Das ist eine Schweizer Premiere. Verpflichtend bleibt ein Beratungsgespräch. Dieses kann nun auch online stattfinden.
Die Vorgaben für die Onlinebestellung sind die gleichen, wie wenn das Gras direkt in der Apotheke oder einem Cannabis-Center abgeholt wird. Dazu gehört, dass sich der Kiffer oder die Kifferin beim Videocall ausweisen kann und beim Beratungsgespräch auf Präventionsangebote aufmerksam gemacht wird.
Ländliche Gebiete im Fokus
«Das ist kein anonymer Einkauf über einen Onlineshop», sagt darum Studienleiter Paul-Lukas Good. «Das Paket wird nur jener Person übergeben, die es bestellt hat.» Die Verantwortlichen wollen untersuchen, ob sich in ländlichen Regionen ein Postversand besser eignet als die persönliche Abgabe.
Unter Umständen müssten die Teilnehmenden abseits der Zentren 20 bis 30 Minuten Weg in Kauf nehmen, um das Gras abzuholen. Studienleiter Good und sein Team wollen herausfinden, ob die Konsumentinnen und Konsumenten schneller auf den Schwarzmarkt verzichten, wenn ihnen die Ware zugeschickt wird.
«Convenience ist entscheidend, um eine Person vom Schwarzmarkt wegzuholen», sagt Good. Was er meint: Für den Kiffer und die Kifferin ist es wichtig, wie bequem und einfach das Gras zu besorgen ist.
Darum ist St. Gallen besonders geeignet
Die Topografie des Kantons St. Gallen eignet sich laut den Studienverantwortlichen besonders gut für die Studie. Von den 75 St. Galler Gemeinden haben sich 43 für eine Teilnahme entschieden, viele von ihnen befinden sich in der Agglomeration.
Die Cannabisprodukte werden in Apotheken in Sargans, Buchs und Rorschach wie auch in eigens vom Verein Swiss Cannabis Research betriebenen Centern in Wil und Rapperswil erhältlich sein.
Die St. Galler Studie wird durch die Universität Zürich sowie das KOF-Institut der ETH Zürich begleitet.
Das Bundesamt für Gesundheit hat schweizweit bislang sieben Pilotprojekte bewilligt: in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft, im Kanton Zürich sowie in den Städten Lausanne, Genf, Bern, Biel, Luzern und Zürich. St. Gallen ist nur der achte Pilotversuch. Er startet diesen Herbst.