Zum vierten Mal in 15 Jahren hat die Universität Bern im Auftrag der Kantone überprüft, ob und wie gut die schulischen Grundkompetenzen in Schweizer Schulen erreicht werden.
Die aktuelle Erhebung sei aber besonders gewesen, sagt Studienleiterin Andrea Erzinger: «Es war eine Herausforderung, achtjährige Schüler zu befragen.» Man habe zunächst nicht gewusst, ob das per Tablet möglich sei und ob sich die Kids lange genug konzentrieren könnten.
Frühe Erhebung ist wichtig
Noch nie wurden in der Schweiz die Kompetenzen von Zweitklässlerinnen und -klässlern übergeordnet getestet. Das aber sei durchaus sinnvoll, trotz Herausforderungen beim Setting. Denn: «Wir brauchen Anhaltspunkte auch in diesem jungen Alter: Was ist bereits angelegt, und was muss schon in der frühkindlichen Bildung angegangen werden?» Denn solche Defizite könnten sich später verstärken, so Erzinger.
Getestet wurden die achtjährigen Kinder in der Schulsprache beim Hören und Lesen sowie in der Mathematik. Das Resultat sei gut, findet der Walliser Regierungsrat Christoph Darballey, der auch Präsident der kantonalen Erziehungsdirektoren ist.
Nationaler Bericht zu der Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen
Konkret: Beim Hörverständnis erreichten fast 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler das vorgesteckte Ziel. Beim Lesen sind es noch knapp 80 Prozent. Und bei der Mathematik waren es noch gut 75 Prozent, die die Grundkompetenzen erfüllen. Das alles sind Durchschnittswerte.
Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind teils erheblich. Ihm mache aber eine andere Ungleichheit fast mehr zu schaffen, sagt Darballey: Kinder aus sozial benachteiligten Familien erreichten die Grundkompetenzen weit weniger gut als privilegierte Kinder. Das zeige diese Untersuchung einmal mehr klar. «Wir müssen diese Kinder unbedingt speziell fördern», betont der Walliser.
Unterstützung für benachteiligte Familien
Diese Forderung kommt auch vom Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer: Sozial benachteiligte Familien müssten schon vor der obligatorischen Schule begleitet und unterstützt werden, um die Chancengleichheit für die Kinder später zu gewährleisten, so der Verband.
Frühförderung bei der Schulsprache sei für diese Kinder sicher sinnvoll, findet auch Studienleiterin Erzinger. Das dürfe allerdings nicht zulasten der Mathematik geschehen. Denn – und das habe sie erstaunt: Auch beim Rechnen zeige sich bereits in der zweiten Primarklasse ein Graben zwischen sozial privilegierten und weniger privilegierten Schülerinnen und Schülern.
Kein Graben zwischen Buben und Mädchen
Immerhin: Keinen Graben gibt es laut der neuesten Schulbefragung bei den Geschlechtern. Mädchen und Buben brächten die gleichen Voraussetzungen bei den Grundkompetenzen in die Schule mit. Und sie hätten auch keine vorgefertigten Bilder im Kopf davon, was Buben können und was Mädchen können, so Erzinger. «Offenbar wurde ihnen das in der frühkindlichen Bildung nicht beigebracht – das finde ich sehr schön.»
Hier sei, zumindest auf dieser Altersstufe, die Chancengleichheit gewährleistet.