Laute Musik, tanzende Menschen und Drinks an der Bar: Noch wird im Terminus in Olten gefeiert. Bald macht der Club aber dicht. Trotz treuer Ü40-Fangemeinde findet an Ostern die letzte Party statt. Nach 31 Jahren ist Schluss.
Das Problem: Die Jungen fehlen. Anstatt in der Disco verbringen viele junge Menschen ihre Wochenenden lieber daheim oder im Fitnesscenter. Wer im Club feiert, ist heute nicht mehr 20, sondern eher 50.
Für viele Besucherinnen und Besucher ist das Terminus aber ein Teil ihres Lebens. «Das ist meine Stube. Seit 25 Jahren komme ich alle zwei bis drei Monate her – früher ein bisschen mehr», sagt Andrea Hochuli. Und Hanspeter Zeller ergänzt: «Ich habe hier sehr viel Zeit verbracht und viele gute Leute kennengelernt.» Heute zählt das Terminus noch einen Drittel der Besuchenden von früher.
Anlass als Fotokulisse
Das fehlende Publikum schlägt sich in der Anzahl Clubs und Discos nieder. Zwischen 2013 und 2023 verschwand schweizweit rund die Hälfte. Die Zahl ging von 466 auf 249 zurück, zeigt die Statistik des Bundes.
Für Terminus-Mitinhaber Dušan Nedeljković ist klar: «Das Konzept Club ist aus der Zeit gefallen.» Der Grund sei Social Media. Ein Club am immer gleichen Ort mit den oft gleichen Leuten sei keine Kulisse für eine Story, die man auf Instagram postet. Viel weniger Leute würden heute im Moment leben und den Augenblick geniessen.
«An einen Anlass geht man nicht mehr, um Spass zu haben. Es ist mittlerweile eine Kulisse, um den Anlass auf dem Handy zu dokumentieren.» In einer Kleinstadt wie Olten sieht der Clubbetreiber keine Zukunft für das Konzept.
Terminus-Aus sinnbildlich für Szene
Was Nedeljković in Olten merkt, bestätigt Alexander Bücheli für andere Orte. Die besten Zeiten der Clubs seien lange vorbei, so der Sprecher der Schweizer Bar- und Club-Kommission. Überspitzt meint er: «In den 90er-Jahren konnte man vier Boxen reinstellen und Techno an die Türen schreiben – und der Betrieb lief.»
Seit rund 15 Jahren seien die Herausforderungen grösser. Das Verschwinden des Terminus sei ein Verlust fürs Mittelland – aber sinnbildlich für den aktuellen Zustand der Schweizer Club-Kultur, so Bücheli.
Gründe gebe es mehrere. Einer: Die gesündere Lebensweise der jüngeren Generation. Sie trinkt weniger Alkohol – wenn sie denn in einen Club geht. «Das hat einen direkten Einfluss auf den Pro-Kopf-Umsatz. Man kann es auch nicht mit alkoholfreien Alternativen ersetzen.»
Mit Alkohol würden die Gäste eher noch ein Getränk mehr bestellen. «Bei einer kleinen Marge macht es am Schluss die Masse aus, ob etwas finanzierbar ist.» Als Beispiel erwähnt Bücheli die Stadt Zürich. In den dortigen Clubs sei der Umsatz innerhalb von fünf Jahren um 40 Prozent gesunken.
Mit der Pandemie hätten viele Junge Alternativen zu den Clubs entdeckt: sich daheim treffen, in der Nacht ins Gym, wandern oder ein Brunch am Sonntag. Sport und Party geht schlecht zusammen.
«Tanzen ist ein urmenschliches Bedürfnis»
Trotzdem ist Club-Kenner Alexander Bücheli optimistisch für die Branche. «Das analoge Erlebnis eines Club-Besuchs in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft ist eine attraktive Alternative.»
Weniger zuversichtlich ist Dušan Nedeljković vom Terminus. Die Schweizer Club-Szene stehe weiterhin vor schwierigen Zeiten. «Es wird sich auf die Grossstädte konzentrieren.» Doch auch er ist überzeugt: Ganz verschwinden werden Clubs nicht. «Tanzen ist ein urmenschliches Bedürfnis.»