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Tiefsteuerpolitik «Zugerisierung» im Kanton Schwyz befürchtet

Ein Immobilienexperte der Universität Bern erklärt den Zusammenhang zwischen tiefen Steuern und hohen Mieten.

Aargau, Zürich, Schaffhausen, Luzern, Zug, Schwyz: Gleich mehrere Kantone haben für das laufende Jahr ihren Steuerfuss gesenkt. Für die Einwohnerinnen und Einwohner heisst das: Im Portemonnaie bleibt mehr Geld für andere Ausgaben.

Moderne Hanghäuser mit grünem Hügel im Hintergrund.
Legende: Der Schwyzer Kantonsrat beschloss Ende letzten Jahres eine weitere Steuersenkung. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Häuser in Pfäffikon SZ profitieren davon. Keystone/Gaetan Bally

Doch nicht allen ist wohl, wenn die Steuern sinken. Im Gegenzug würden die Mieten steigen, ist der Schwyzer SP-Politiker Jonathan Prelicz überzeugt.

«Schwyz ist auf dem besten Weg, ein zweites Zug zu werden», prognostiziert der Schwyzer Kantonsparlamentarier.

«Zugerisierung» befürchtet

Auch im Luzerner Kantonsparlament wird von linker Seite vor einer sogenannten «Zugerisierung» gewarnt. Seit Jahrzehnten zieht Zug mit tiefen Steuern Reiche und internationale Unternehmen an.

Stadtansicht von Rapperswil mit Kirchtürmen und Gebäuden am Wasser.
Legende: Die Stadt Zug: Die Tiefsteuerpolitik des Kantons zieht Gutausgebildete aus der ganzen Welt an. Keystone/Urs Flüeler

Im letzten Jahr schrieb der Kanton mit dieser Steuerpolitik ein Plus von 310 Millionen Franken, schweizweit der zweithöchste Überschuss nach Genf. Gleichzeitig ist die Wohnungsnot ein drängendes Problem im Zentralschweizer Kanton.

Menschen mit viel Geld sind bereit, viel für Wohnungen zu bezahlen.
Autor: Jonathan Prelicz SP-Kantonsrat Kanton Schwyz

«Viele Menschen mit viel Geld brauchen viele Wohnungen – und sind bereit, viel Geld dafür zu bezahlen. Dadurch steigen die Mieten», gibt Jonathan Prelicz zu bedenken. Junge Menschen, die von zu Hause ausziehen wollen, fänden so keine zahlbaren Wohnungen mehr. Auch Familien, die nach der Geburt eines Kindes mehr Wohnraum brauchen, würden verdrängt.

Untersuchung bestätigt Zusammenhang

Donato Scognamiglio bestätigt diese These: «Wenn Sie die Immobilienpreise in den Himmel treiben wollen, dann müssen Sie das Steuerparadies ausrufen.» Der Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Bern hat die Ursachen für steigende Wohnkosten untersucht.

Mann in Anzug spricht auf einer Bühne.
Legende: Der Immobilienexperte und Professor Donato Scognamiglio. Günter Bolzern

Dabei kam er zum Schluss: «Der Steuerfuss ist ein wesentlicher, messbarer Faktor. Ist er tief, steigen die Bodenpreise.» Der Wohnraum in steuergünstigen Kantonen wird beliebter, da sich Steuern sparen lassen.

Von tiefen Steuern profitieren vor allem jene mit einem sehr hohen Einkommen.
Autor: Donato Scognamiglio Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Bern

Profitieren würden davon vor allem jene, die ein sehr hohes Einkommen aufweisen, sagt Immobilienexperte Donato Scognamiglio.

Seniorenpaar schaut aus dem Fenster, Umzugskartons im Zimmer.
Legende: Immobilienexperte Donato Scognamiglio sagt: «Wenn Sie die Immobilienpreise in den Himmel treiben wollen, dann müssen Sie das Steuerparadies ausrufen.» Getty Images/iStock

Für Normalverdienende seien die Steuersenkungen weniger attraktiv: «Was sie bei den Steuern sparen, werden sie früher oder später bei den Mieten zusätzlich bezahlen.»

Mehr Wohnraum als Lösungsansatz

Laut Donato Scognamiglio sind es folglich die Normalverdienenden, die unter dem Strich die Schattenseiten von Steuersenkungen ausbaden müssen. «Verhindern liesse sich dies höchstens, wenn gleichzeitig mehr Wohnungen entstehen würden. Das würde den Anstieg der Mieten dämpfen.»

Man heizt ein, möchte aber die Hitze nicht haben.
Autor: Donato Scognamiglio Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Bern

Der Immobilienexperte der Universität Bern beobachtet jedoch, dass dazu der Wille fehle. Politik und Gesellschaft in der Schweiz seien wachstumsmüde geworden. Es entstünden zu wenig neue Wohnungen. Das mache die Tiefsteuerpolitik, wie sie auch der Kanton Schwyz betreibt, umso fataler.

Baustelle mit Kränen und Baggern vor Gebäuden und Hügeln.
Legende: Laut Donato Scognamiglio würden mehr Wohnungen – im Bild eine Baustelle in Pfäffikon SZ im Jahr 2011 – die negativen Effekte der Tiefsteuerpolitik abfedern. Keystone/Gaetan Bally

«Man heizt ein, möchte aber die Hitze nicht haben», beschreibt Donato Scognamiglio die Situation bildhaft – und bilanziert: «Steuersenkungen sind ein Balanceakt.» Werde diese Politik im Kanton Schwyz stark weiterverfolgt, stelle sich früher oder später die Frage, wie sich eine Familie das Leben im Kanton noch leisten könne.

Echo der Zeit, 6.2.2026, 18:00 Uhr ; 

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