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Todesfälle und Katastrophen Freiwillige Arbeit im Care-Team: Wer tut sich das an?

Was für Menschen leisten nach belastenden Ereignissen psychologische Hilfe? Ein Augenschein im Ausbildungskurs.

Sie helfen immer dann, wenn etwas Schlimmes passiert ist: Mitarbeitende des Care-Teams. Nach Katastrophen wie Grossbränden, schweren Verkehrsunfällen, Überschwemmungen, plötzlichen Todesfällen oder Suiziden rücken die Care-Teams aus. Psychotherapeuten, Notfallpsychologinnen, aber auch ausgebildete Freiwillige engagieren sich für Menschen, die in einer Situation Unterstützung brauchen.

Beispiele von Grossereignissen mit Care-Team-Einsätzen

Noch vor einem Jahr gab es im Kanton Solothurn zu wenig Care-Team-Mitglieder. Vor allem im Norden des Kantons. Per Inserat wurden sie gesucht – und gefunden. Urs Rickenbacher, Dienstchef im Care-Team, leitet die Ausbildung der Neuen in Solothurn: «Wir sind froh, dass wir neue Leute ausbilden können. Bisherige Versuche hatten jeweils kein grosses Echo hervorgerufen.»

Schwarze Jacken mit Aufdruck hängen über Stühlen.
Legende: «Care-Team-Mitglieder kommen genau dann, wenn’s besonders schwierig ist», erklärt Urs Rickenbacher, der neue Care-Team-Mitglieder im Kanton Solothurn ausbildet. SRF/Nina Köpfer

Die Ausbildung im Kanton Solothurn dauert vier Tage. Acht Teilnehmende sind im Kurs. Nicht alle Bewerbenden kommen infrage, erklärt Care-Team-Ausbildner Urs Rickenbacher: «Es müssen Leute sein, die in Krisen ruhig bleiben. Und von der Berufserfahrung her müssen sie sich mit Beratungen und Krisensitzungen schon etwas auskennen.» Auch deshalb sei die Ausbildung vergleichsweise eher kurz.

Zwei Personen unterhalten sich in einer hellen Küche.
Legende: Das Care-Team kommt zum Beispiel bei Einsätzen nach Hause oder in Schulen. Kanton Aargau

Im Solothurner Care-Team hat es Personen aus der Psychiatrie, Spitex, Rettungssanität, Bestatter. Weshalb stellen sie sich zur Verfügung? «Es sind oft Leute, die selbst etwas erlebt haben, einen Todesfall oder einen Unfall in der Familie. Und sie haben erlebt, wie es ist, wenn einem jemand beisteht. Oder es sind Leute, die in einer Situation ruhig geblieben sind und sehr unterstützend wirkten.»

Kantonales Care-Team oder private Firmen?

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Mehrere Personen sitzen an einem Tisch in einem Büro oder Besprechungsraum.
Legende: Das Care-Team Aargau leistet bis zu 48 Stunden nach einem Alltags- und Grossereignis psychologische Hilfe. Kanton Aargau

Care-Teams müssen rasch vor Ort sein, und professionell arbeiten. «Aus diesem Grund haben grössere Unternehmen wie die SBB oder Fluggesellschaften selbst Mitarbeitende ausgebildet, um bei einem Notfall Unterstützung leisten zu können», heisst es zum Beispiel bei der privaten Stiftung Carelink, einer Schweizer Einsatz- und Betreuungsorganisation für psychosoziale Nothilfe, die es seit 20 Jahren gibt.

Die Stiftung hat gemäss eigenen Angaben 180 Kunden, von der SBB über den Flughafen Zürich bis zur ETH Zürich oder Novartis. Total kann Carelink auf 260 Caregiver und 92 Notfallpsychologinnen -und -psychologen zugreifen, heisst es auf Anfrage.

Kantonale Care-Teams

Das Solothurner Care-Team hat rund 100 Einsätze im Jahr. Mehr sind es im grösseren Nachbarkanton Aargau. Hier hat das kantonale Care-Team, das Care Team Aargau, rund 260 Einsätze im Jahr. In der Regel sei man in 40 Minuten vor Ort, heisst es beim zuständigen Departement auf Anfrage. Alarmiert wird das Care Team Aargau via Notrufzentrale.

Hier gilt ein dreistufiges Ausbildungssystem: Grundausbildung, Kantonale Fachbildung und Mentoring. Im Aargau werden Angehörige des Zivilschutzes als Caregiver ausgebildet.

Normalerweise ergreife man in schwierigen Situationen die Flucht. «Care-Team-Mitglieder machen das Gegenteil – sie kommen genau dann, wenn’s besonders schwierig ist.»

Respekt und Backup

Zwei, die sich im Solothurner Kurs ausbilden liessen, sind Raffaela Oberli (49) und Aline Berberat (30). Oberli arbeitete lange im Pflegeberuf im Akutspital und in der Psychiatrie. Heute ist sie selbstständig und berät Familien. Berberat ist ausgebildete Psychologin und arbeitet aktuell in der Aus- und Weiterbildung von Netzelektrikerinnen.

«Wir hatten in der Firma einen Todesfall, der viele beschäftigt hat. Dabei bin ich auf Care-Teams aufmerksam geworden»; erzählt Aline Berberat. Sie fühle sich für die Arbeit im Care-Team bereit. Aber: «Viele in meinem Umfeld haben grossen Respekt vor meinem Engagement.»

Man habe sicher Respekt, gerade vor schwierigen Fällen, Todesfällen von Kindern, zum Beispiel. Man müsse in jedem Fall überlegen, ob man ausrücken könne, gerade wenn ein Fall die persönliche Biografie betreffe, sagt Aline Berberat. Man dürfte Einsätze auch ablehnen. «Wir sind ein Team und haben immer Backup, und können die Last auf mehrere Schultern verteilen.»

Hohe Pikett-Belastung

Die Einsätze seien bisher kein Grund zum Aufhören gewesen, aber die Pikettbelastung könne stressig sein, weiss Urs Rickenbacher von der Solothurner Care-Team-Ausbildung. Man müsse rund um die Uhr erreichbar sein – das habe schon dazu geführt, dass Einzelne wieder aufgehört hätten.

Mehrere Personen stehen und schauen auf Smartphones.
Legende: Die Care-Teams werden via Notrufzentrale alarmiert. Care-Teams rücken zu jeder Tages- und Nachtzeit aus. Im Kurs wurde der Alarm «wie echt» getestet. SRF/Nina Köpfer

Die viertägige Ausbildung sei ein gutes Fundament für kommende Einsätze, glauben die beiden Kursteilnehmerinnen. Am Schluss sei man ein Team, jede und jeder habe eigene Kompetenzen. Bei einem Alarm werde nebst der Verfügbarkeit auch entschieden, wer bei einem Alltags- oder Grossereignis aus persönlichen Gründen helfen kann oder nicht.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 17.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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