Sie helfen immer dann, wenn etwas Schlimmes passiert ist: Mitarbeitende des Care-Teams. Nach Katastrophen wie Grossbränden, schweren Verkehrsunfällen, Überschwemmungen, plötzlichen Todesfällen oder Suiziden rücken die Care-Teams aus. Psychotherapeuten, Notfallpsychologinnen, aber auch ausgebildete Freiwillige engagieren sich für Menschen, die in einer Situation Unterstützung brauchen.
Beispiele von Grossereignissen mit Care-Team-Einsätzen
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Bild 1 von 5. Nach dem Vierfachmord von Rupperswil AG waren Care-Teams im Einsatz. Im Bild Kerzen am Tatort, wo vier Personen im Dezember 2015 ums Leben kamen. Die Opfer, eine Familie und die Freundin eines der Söhne, wurden von einem ihnen unbekannten Mann aus dem Quartier brutal getötet. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.
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Bild 2 von 5. Auch nach der Brandkatastrophe von Crans Montana VS am 1. Januar 2016 waren Care-Teams nötig. 41 Menschen kamen beim Brand in einer Bar ums Leben. Bildquelle: Keystone/Valentin Flauraud .
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Bild 3 von 5. Medienkonferenz der Staatsanwaltschaft Sursee im März: Ein langjähriger Mitarbeiter der Holzfirma Kronospan in Menznau LU hatte im Betrieb 2023 zwei Arbeitskollegen erschossen und sieben verletzt. Auch hier waren Care-Teams im Einsatz. Bildquelle: Kystone/Sigi Tischler.
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Bild 4 von 5. Ein Mitarbeiter des Care-Teams in Bern, im Jahr 2005: Er informiert über die aktuelle Lage und die Rückführungen in die Häuser. Bildquelle: Keystone/Lukas Lehmann).
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Bild 5 von 5. Auch die Armee hat Care-Teams, ebenso gibt es kantonal organisierte Care-Teams, oder auch Feuerwehren haben Care-Teams. Verbände gibt es mehrere. Bildquelle: SRF.
Noch vor einem Jahr gab es im Kanton Solothurn zu wenig Care-Team-Mitglieder. Vor allem im Norden des Kantons. Per Inserat wurden sie gesucht – und gefunden. Urs Rickenbacher, Dienstchef im Care-Team, leitet die Ausbildung der Neuen in Solothurn: «Wir sind froh, dass wir neue Leute ausbilden können. Bisherige Versuche hatten jeweils kein grosses Echo hervorgerufen.»
Die Ausbildung im Kanton Solothurn dauert vier Tage. Acht Teilnehmende sind im Kurs. Nicht alle Bewerbenden kommen infrage, erklärt Care-Team-Ausbildner Urs Rickenbacher: «Es müssen Leute sein, die in Krisen ruhig bleiben. Und von der Berufserfahrung her müssen sie sich mit Beratungen und Krisensitzungen schon etwas auskennen.» Auch deshalb sei die Ausbildung vergleichsweise eher kurz.
Im Solothurner Care-Team hat es Personen aus der Psychiatrie, Spitex, Rettungssanität, Bestatter. Weshalb stellen sie sich zur Verfügung? «Es sind oft Leute, die selbst etwas erlebt haben, einen Todesfall oder einen Unfall in der Familie. Und sie haben erlebt, wie es ist, wenn einem jemand beisteht. Oder es sind Leute, die in einer Situation ruhig geblieben sind und sehr unterstützend wirkten.»
Normalerweise ergreife man in schwierigen Situationen die Flucht. «Care-Team-Mitglieder machen das Gegenteil – sie kommen genau dann, wenn’s besonders schwierig ist.»
Respekt und Backup
Zwei, die sich im Solothurner Kurs ausbilden liessen, sind Raffaela Oberli (49) und Aline Berberat (30). Oberli arbeitete lange im Pflegeberuf im Akutspital und in der Psychiatrie. Heute ist sie selbstständig und berät Familien. Berberat ist ausgebildete Psychologin und arbeitet aktuell in der Aus- und Weiterbildung von Netzelektrikerinnen.
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Bild 1 von 2. Aline Berberat (rechts) kommt aus der Region Solothurn, Raffaela Oberli aus der Region Dorneck-Thierstein. Sie sind neu ausgebildete Care-Team-Mitglieder. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 2 von 2. Im Ausbildungskurs gab es viel Theorie, aber auch Rollenspiele. Natürlich wisse man aber nie, wie man im Ernstfall reagiere, sagen die Kursteilnehmerinnen im Kanton Solothurn. Aber sie fühlten sich bereit. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
«Wir hatten in der Firma einen Todesfall, der viele beschäftigt hat. Dabei bin ich auf Care-Teams aufmerksam geworden»; erzählt Aline Berberat. Sie fühle sich für die Arbeit im Care-Team bereit. Aber: «Viele in meinem Umfeld haben grossen Respekt vor meinem Engagement.»
Man habe sicher Respekt, gerade vor schwierigen Fällen, Todesfällen von Kindern, zum Beispiel. Man müsse in jedem Fall überlegen, ob man ausrücken könne, gerade wenn ein Fall die persönliche Biografie betreffe, sagt Aline Berberat. Man dürfte Einsätze auch ablehnen. «Wir sind ein Team und haben immer Backup, und können die Last auf mehrere Schultern verteilen.»
Hohe Pikett-Belastung
Die Einsätze seien bisher kein Grund zum Aufhören gewesen, aber die Pikettbelastung könne stressig sein, weiss Urs Rickenbacher von der Solothurner Care-Team-Ausbildung. Man müsse rund um die Uhr erreichbar sein – das habe schon dazu geführt, dass Einzelne wieder aufgehört hätten.
Die viertägige Ausbildung sei ein gutes Fundament für kommende Einsätze, glauben die beiden Kursteilnehmerinnen. Am Schluss sei man ein Team, jede und jeder habe eigene Kompetenzen. Bei einem Alarm werde nebst der Verfügbarkeit auch entschieden, wer bei einem Alltags- oder Grossereignis aus persönlichen Gründen helfen kann oder nicht.