Am Dienstag kam Toggenburg Tourismus in Mosnang zur alljährlichen Mitgliederversammlung zusammen. Auf der Traktandenliste stand auch ein Thema, das viele Toggenburgerinnen und Toggenburger seit nahezu zehn Jahren umtreibt: der Bergbahnen‑Streit.
Dabei geht es um die seit Langem blockierte Zusammenarbeit zwischen den Skigebieten Wildhaus und Chäserrugg und damit auch um ein gemeinsames Skiticket. Darum stellte Mitglied Harald Jenny, der sich schon lange für eine Annäherung der beiden Bahnen einsetzt, einen Antrag.
Jenny forderte ein Projekt zur Verbesserung der skitouristischen Zusammenarbeit, inklusive gemeinsamem Skiticket und Wiedereröffnung der Verbindungspisten zwischen den beiden Skigebieten. Gegenüber SRF sagt Harald Jenny: «Wir wünschen uns sehnlichst, dass wir dieses wunderschöne Skigebiet auch richtig nutzen und von einem Skigebiet ins andere fahren können.»
Die Mitglieder lehnten Jennys Antrag mit einer deutlichen Mehrheit ab. Damit erhält der Verein keinen Auftrag, zwischen den Bergbahnen Wildhaus und den Toggenburg Bergbahnen zu vermitteln.
Bruno Fläcklin, seit einem Jahr Vereinspräsident von Toggenburg Tourismus, will sich auf Anfrage zu einem Vermittlungsversuch nicht konkret äussern. Eine solche Vermittlung liege allein bei der Bergbahnen Wildhaus AG und der Toggenburg Bergbahnen AG. Nach der deutlichen Ablehnung des Antrags signalisiert Toggenburg Tourismus, den Bergbahnen-Streit nicht weiter öffentlich zu thematisieren.
Von «Streit» könne zudem keine Rede sein, heisst es vom Vorstand und damit auch von Vertretern der Bahnen. «Ein Streit ist laut und kann handgreiflich sein», so Fläcklin. So sei es hier nicht. Im Hintergrund liefen Gespräche, sogenannte «Annäherungsversuche», auf die man vertraue.
Der Bruch
Der Konflikt zwischen der Bergbahnen Wildhaus AG und der Toggenburg Bergbahnen AG spitzte sich 2017 zu. Die Unternehmen verfolgten zunehmend unterschiedliche strategische Ziele: Die Toggenburg Bergbahnen AG setzten nach dem Bauprojekt auf dem Chäserrugg stärker auf Qualität statt Masse, während die Bergbahnen Wildhaus AG weiterhin ein preislich moderates, familienfreundliches Skigebiet bleiben wollten.
2019 kam es zum Bruch: Das gemeinsame Skiticket wurde beendet und im Folgejahr wurden die Verbindungspisten nicht mehr präpariert. Damit war die Zusammenarbeit faktisch vorbei und die Distanz zwischen den beiden Bahnen bis heute spürbar.
Die Vermittlungsversuche
Alle Vermittlungsversuche sind gescheitert. Ab 2016 versuchten Gemeinden, die beiden Bergbahnen zu einem Austausch zu bewegen. Auch der Kanton St. Gallen führte später informelle Gespräche, wollte aber nicht offiziell eingreifen. Selbst das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) schaltete sich ein – ohne Erfolg.
Die Unternehmen selbst kommunizierten lediglich auf technischer Ebene. Ein echter Dialog kam nie zustande, und die Positionen blieben über all die Jahre hinweg scheinbar unverändert.