Mittwochmorgen in den Frühlingsferien auf dem Sportplatz Zehndermatte in Gränichen AG. 30 Mädchen und junge Frauen zwischen sechs und 16 Jahren trainieren. Sie nehmen an einem Girls Football Camp teil, welche der Verein FI9 veranstaltet. «Wir für den Mädchen- und Frauenfussball» ist das Vereinsmotto.
-
Bild 1 von 3. Die 9-jährige Jessica möchte Profi-Fussballerin werden und schwärmt vom Camp in Gränichen AG. Bildquelle: SRF/Olivia Folly.
-
Bild 2 von 3. Der Teamgeist, das gemeinsame Spielen und Essen sei toll, berichten mehrere Spielerinnen. Bildquelle: SRF/Olivia Folly.
-
Bild 3 von 3. Das Camp fördert gezielt Mädchen und junge Frauen zwischen sechs und 16 Jahren. Fussball soll für sie zugänglich sein, wenn nötig auch kostenlos. Bildquelle: SRF/Olivia Folly.
Mit dabei ist die 9-jährige Jessica. Sie ist zum ersten Mal im Fussballcamp: «Es ist mega cool, vor allem die Trainerinnen sind nett. Das Essen ist sehr fein.» Jessica spielt in einem Verein – in einer Gruppe mit Buben. Sie möchte Profi-Fussballerin werden – so wie ihre Vorbilder: «Lia Wälti, Alisha Lehmann und Jess Fishlock», sagt die junge Sportlerin.
Teamsport, extra nur für Girls
Nicht alle Teilnehmerinnen des Camps wollen Profis werden. Aber der Teamsport, neue Freundinnen, das gemeinsame Essen und Neues lernen – das gefalle ihnen. Die Fussballerinnen im Camp in Gränichen kommen hauptsächlich aus den Kantonen Aargau und Solothurn.
Stephanie Erne ist Geschäftsführerin und Mitgründerin des organisierenden Vereins FI9. Sie hat ihn mit anderen Freundinnen der Schweizer Nationalspielerin Florijana «Flo» Ismaili geründet, nachdem diese bei einem Badeunfall ums Leben kam. Die beiden spielten zusammen bei den BSC YB Frauen.
«Wir haben uns kurz nach dem Unfall mit der Familie von Flo in Como getroffen. Schon damals haben wir gesagt, Flo wollte immer den Frauenfussball unterstützen. Sie hat sich immer darüber aufgeregt, dass die Buben mehr hatten als die Mädchen», erinnert sich Stephanie Erne.
Deshalb wollte man in ihrem Namen etwas unternehmen. Das Resultat: Monatliche Gratis-Trainings und Mädchenfussball-Camps wie in Gränichen für junge Frauen und Mädchen. Der Verein organisiert einmal pro Monat Fussballtrainings an sieben Orten in der Schweiz.
Der Name des Vereins setzt sich aus F wie Florijana, I wie Ismaili und der Nummer 9 zusammen. Diese Rückennummer trug das verstorbene Fussballtalent bei YB.
Seit ein paar Jahren gibt es die Trainings in Bern, Basel, Gränichen, Luzern, Neuenburg, Staad und Zürich. Die Teilnahme ist für die Mädchen gratis. Dazu kommen die Camps im Frühling und im Herbst. Mitmachen kostet dort etwas, mit einer Kulturlegi können Kinder aber auch hier gratis teilnehmen. Frauenfussball soll so für alle zugänglich sein, ist die Idee. Ganz im Sinne der verstorbenen Nationalspielerin.
Bei den Mädchen drehen sich die Gespräche nicht nur um Fussball.
Ausschliesslich junge Frauen und Mädchen zu trainieren, habe Vorteile, findet Stephanie Erne. Die Hemmschwelle sei tiefer. «Wir haben auch Mädchen, die noch nicht gut Fussballspielen können. Zum Teil schämen sie sich, mit den Jungs zu spielen.» Die Mädchen schätzten das andere Gruppengefühl. «Bei den Mädchen drehen sich die Gespräche, anders als vielleicht bei den Jungs, nicht nur um Fussball.»
Florijana Ismaili sei das Familiäre wichtig gewesen, sagt Stephanie Erne. Der Verein wolle die Visionen und Träume der verstorbenen Spielerin weiterleben lassen, «so wie auch sie in unseren Herzen weiterlebt. Sie hat uns inspiriert, und diese Begeisterung wollen wir weitertragen.»