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Trainings und Fussballcamps Ein Camp, das Fussball für Mädchen zugänglich macht

Ein Verein bietet Fussballcamps und -trainings nur für Mädchen und junge Frauen. Teilnehmen geht auch mit wenig Geld.

Mittwochmorgen in den Frühlingsferien auf dem Sportplatz Zehndermatte in Gränichen AG. 30 Mädchen und junge Frauen zwischen sechs und 16 Jahren trainieren. Sie nehmen an einem Girls Football Camp teil, welche der Verein FI9 veranstaltet. «Wir für den Mädchen- und Frauenfussball» ist das Vereinsmotto.

Mit dabei ist die 9-jährige Jessica. Sie ist zum ersten Mal im Fussballcamp: «Es ist mega cool, vor allem die Trainerinnen sind nett. Das Essen ist sehr fein.» Jessica spielt in einem Verein – in einer Gruppe mit Buben. Sie möchte Profi-Fussballerin werden – so wie ihre Vorbilder: «Lia Wälti, Alisha Lehmann und Jess Fishlock», sagt die junge Sportlerin.

Teamsport, extra nur für Girls

Nicht alle Teilnehmerinnen des Camps wollen Profis werden. Aber der Teamsport, neue Freundinnen, das gemeinsame Essen und Neues lernen – das gefalle ihnen. Die Fussballerinnen im Camp in Gränichen kommen hauptsächlich aus den Kantonen Aargau und Solothurn.

Stephanie Erne ist Geschäftsführerin und Mitgründerin des organisierenden Vereins FI9. Sie hat ihn mit anderen Freundinnen der Schweizer Nationalspielerin Florijana «Flo» Ismaili geründet, nachdem diese bei einem Badeunfall ums Leben kam. Die beiden spielten zusammen bei den BSC YB Frauen.

Florijana Ismaili

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Gedenkstätte mit Foto, Blumen, Kerzen und Schal.
Legende: Blumen und Kerzen nach dem Tod der Berner Fussballerin Florijana Ismaili vor dem Stadion Wandkorf in Bern. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Ende Juni 2019 starb Florijana Ismaili mit 24 Jahren bei einem Badeunfall im Comersee. Nach einem Sprung ins Wasser von einem Boot war sie verschwunden. Nach drei Tagen wurde sie tot geborgen.

Die Bernerin spielte seit 2011 für die Berner Young Boys und war Captain des Teams in der obersten Liga. Für die Schweizer Nationalmannschaft absolvierte sie 33 Länderspiele.

«Wir haben uns kurz nach dem Unfall mit der Familie von Flo in Como getroffen. Schon damals haben wir gesagt, Flo wollte immer den Frauenfussball unterstützen. Sie hat sich immer darüber aufgeregt, dass die Buben mehr hatten als die Mädchen», erinnert sich Stephanie Erne.

Frau auf Fussballplatz mit Trainingszelt im Hintergrund.
Legende: Stephanie Erne vom Förderverein FI9, der das Camp im Aargauischen Gränichen durchführt. Die Oltnerin spielt nicht mehr aktiv Fussball und hat den Verein mitgegründet. SRF/Olivia Folly

Deshalb wollte man in ihrem Namen etwas unternehmen. Das Resultat: Monatliche Gratis-Trainings und Mädchenfussball-Camps wie in Gränichen für junge Frauen und Mädchen. Der Verein organisiert einmal pro Monat Fussballtrainings an sieben Orten in der Schweiz.

Der Name des Vereins setzt sich aus F wie Florijana, I wie Ismaili und der Nummer 9 zusammen. Diese Rückennummer trug das verstorbene Fussballtalent bei YB.

Mädchen spielen Fussball auf einem Sportplatz im Freien.
Legende: Die FI9-Fussballcamps gibt es im Herbst und im Frühling. Hinzu kommt ein Hallenturnier in Luzern jeweils im Dezember. SRF/Olivia Folly

Seit ein paar Jahren gibt es die Trainings in Bern, Basel, Gränichen, Luzern, Neuenburg, Staad und Zürich. Die Teilnahme ist für die Mädchen gratis. Dazu kommen die Camps im Frühling und im Herbst. Mitmachen kostet dort etwas, mit einer Kulturlegi können Kinder aber auch hier gratis teilnehmen. Frauenfussball soll so für alle zugänglich sein, ist die Idee. Ganz im Sinne der verstorbenen Nationalspielerin.

Bei den Mädchen drehen sich die Gespräche nicht nur um Fussball.
Autor: Stephanie Erne Geschäftsführerin Verein FI9

Ausschliesslich junge Frauen und Mädchen zu trainieren, habe Vorteile, findet Stephanie Erne. Die Hemmschwelle sei tiefer. «Wir haben auch Mädchen, die noch nicht gut Fussballspielen können. Zum Teil schämen sie sich, mit den Jungs zu spielen.» Die Mädchen schätzten das andere Gruppengefühl. «Bei den Mädchen drehen sich die Gespräche, anders als vielleicht bei den Jungs, nicht nur um Fussball.»

Mehr Frauenfussball in der Schweiz

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Gruppe von Menschen in roten Fussballtrikots schaut gespannt nach oben.
Legende: Fans in Bern beim Public Viewing der Frauen-EM 2025. Keystone/Urs Flüeler

Man zähle deutlich mehr Mädchen und Frauenteams in der Schweiz, heisst es beim Schweizerischen Fussballverband auf Anfrage. In den letzten Jahren habe man nochmals eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Dank der Frauenfussball-Europameisterschaft im Sommer 2025 und der gezielten Förderung des Frauenfussballs seien die Angebote für Mädchen und Frauen gefragt. Die Infrastruktur komme deshalb in vielen Regionen an den Anschlag, so der Verband. Aber: «Es ist spürbar, dass Kantone und Städte hier inzwischen einiges unternehmen, damit die existierende Infrastruktur besser das ganze Jahr über genutzt werden kann.»

Florijana Ismaili sei das Familiäre wichtig gewesen, sagt Stephanie Erne. Der Verein wolle die Visionen und Träume der verstorbenen Spielerin weiterleben lassen, «so wie auch sie in unseren Herzen weiterlebt. Sie hat uns inspiriert, und diese Begeisterung wollen wir weitertragen.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 8.4.2026, 17:30 Uhr ; 

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