Charles Monod ist ein erfahrener Politiker: 60-jährig, Freisinniger und Mitglied des Waadtländer Kantonsrats. Vor 15 Jahren wählte ihn das Volk in die Gemeindeleitung von Lutry, vor fünf Jahren machte es ihn zum Gemeindepräsidenten.
Heute durchlebt Charles Monod seine schwierigste Zeit als Politiker. Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat das Leben im pittoresken Lutry mit seiner wunderschönen Uferpromenade komplett verändert. Sechs Jugendliche aus Lutry sind beim Brand in der Bar «Le Constellation» gestorben, vier weitere kämpfen in Spitälern ums Überleben.
Dann rief die Polizei an
Vom Unglück hat der 60-Jährige an Neujahr aus dem Radio erfahren, erinnert sich Monod. Zunächst sei alles weit weg gewesen. Doch dann drangen erste Informationen zu ihm, es seien viele Jugendliche aus Lutry unter den Opfern. Und irgendwann kam dann auch der Anruf der Kantonspolizei und die Meldung: Fünf Jugendliche aus Lutry seien bei der Brandkatastrophe gestorben. Ein Jugendlicher starb am letzten Wochenende.
In Lutry kennen alle ein Opfer diekt oder indirekt.
Monod sagt: Das sei für ganz Lutry und darüber hinaus dramatisch. In Lutry kennen alle ein Opfer direkt oder indirekt, auch weil Junioren des Fussballclubs darunter sind. Das in den letzten Jahren zur Kleinstadt gewordene Dorf wollte trauern. Zwei Tage nach der Unglücksnacht versammelten sich spontan 1500 Personen in und um die Dorfkirche. Ganz Lutry lag sich in den Armen. Diese Stille, diese Nähe, diese Solidarität seien unbeschreiblich gewesen, schildert Monet.
Die Gemeinde organisierte neben der Kirche in den folgenden Tagen einen Trauerort. Ein Ort, wo alle hingehen und sich mit kirchlichen Seelsorgern oder Psychologinnnen austauschen konnten: von der Schülerin, über den Fussballtrainer, der Lehrerin bis zum Pensionär.
Die Gemeinde hofft weiter
Für Situationen wie diese gebe es kein Protokoll. Aber er glaube, sein Bestes gegeben zu haben, so Charles Monod. Seine Gemeinde trauert nach wie vor und hofft, die vier Schwerverletzten überleben die Tragödie.
Am Wochenende fand in Lutry eine «Marche Blanche», ein Schweigemarsch statt. In die Trauer mischte sich auch Wut und Kritik. Man habe «diesen Jugendlichen die Unschuld genommen, man habe ihnen das Recht genommen, in Sicherheit zu feiern», sagte eine Teilnehmerin in einer Rede.
Auch Charles Monod wird heute kritisiert. Etwa dafür, dass er sich zu wenig um die Familien der Schwerverletzten kümmere. Die Kritik trifft den Vater zweier junger Erwachsener. Die Polizei habe ihn über Verletzte nie informiert, wohl auch aus Datenschutzgründen, verteidigt er sich. In einer solchen Situation könne niemand alles perfekt machen. Mit den Opferfamilien sei er aber in Kontakt.
Für die Gemeindeleitung und ihren Präsidenten ist bereits klar: Sie will für die Opfer einen Erinnerungsort errichten. Wo und wie dieser Ort sein wird, ist offen. Charles Monod hat derzeit nur eine Hoffnung: dass die vier verletzten Jugendlichen nach Hause, nach Lutry zurückkehren.