Die anhaltende Trockenheit und Hitze treffen den Jurabogen besonders: Seit Anfang Juni fiel kaum Regen. Die Vegetation leidet; es sieht jetzt schon aus wie im Herbst. Die kalkhaltigen Juraböden können Wasser nur schlecht speichern. Das verschärfe die Lage für die Höfe, erklärt Sandra Helfenstein vom Schweizerischen Bauernverband.
Die Dürre hat Folgen für die Betriebe: Heu wird immer knapper. Einige Betriebe verfuttern darum bereits, was sie eigentlich für den kommenden Winter beiseitegelegt hatten. So auch Philipp und Sandra Rosset vom Grienhof oberhalb von Reigoldswil BL auf gut 600 m ü. M. Weil auf ihren Weiden kaum mehr Futter wächst, bleiben ihre 30 Milchkühe derzeit im Stall.
Mit jedem Tag, an dem die Kühe von den Winterreserven fressen, verschärft sich das Problem. Um zusätzlichen Futternachschub finanzieren zu können, haben die Rossets deshalb spontan ein Crowdfunding gestartet.
3500 Franken sollen zusammenkommen, damit ihr Biobetrieb keine Kühe wegen Futtermangels schlachten muss – das würde künftig weniger Einnahmen bedeuten. Der Zukauf dank Spenden würde nur einen Teil des Problems lösen, sagt Philipp Rosset. Die ganze für den Winter nötige Heumenge koste rund 30'000 Franken.
Für Heu ist das Crowdfunding jetzt eine Premiere. Aber es ist ja auch ein spezielles Jahr.
Für den Schweizer Bauernverband ist die Aktion ungewöhnlich. Zwar hätten Betriebe in der Vergangenheit schon Crowdfunding für Neubauten oder Betriebsumstellungen genutzt, sagt Helfenstein. «Für Heu ist das eine Premiere. Aber es ist ja auch ein spezielles Jahr.»
Auch Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbandes beider Basel, zeigt Verständnis für den Spendenaufruf: Die meisten hätten Heureserven, «aber keinen halben Jahresbedarf. Es ist wirklich extrem jetzt.» Winterreserven rühre man eigentlich nicht vorzeitig an; das tue man nur, «wenn man am Hag ist».
Spenden in der Nähe
Helfenstein sieht durchaus Chancen für solche lokale Sammelaktionen. Spendende wüssten genau, wohin ihr Geld fliesst – und für Nachbarn im Dorf gebe man vielleicht eher etwas. Und: Würden mehr Bauern diesen Weg gehen, könnte das Bewusstsein wachsen, wie stark die Trockenheit die Landwirtschaft belaste.
Tatsächlich floss schon in kurzer Zeit die Hälfte der Zielsumme an den Grienhof. «Ich bin sehr positiv überrascht», sagt Sandra Rosset. Gespendet hätten auch völlig Unbekannte; solches Mitgefühl tue gut. Mit den Spenden kann der Grienhof die als letzte Option angedachte Schlachtung im Herbst vielleicht vermeiden.
Laut dem SBV werden derzeit in der Schweiz nicht mehr Tiere geschlachtet als üblich. Ob sich die Situation entspannt, hängt davon ab, ob im August nochmals genügend Gras nachwachsen kann. Normalerweise bringen Bäuerinnen und Bauern dann nochmals einen Heuschnitt ein, der einen wichtigen Teil der Winterversorgung sichert.
Hoffen auf Landregen
Noch ist offen, wie sich das Wetter entwickelt. Falls das Crowdfunding der Familie Rosset klappt und genug Bio-Heu zu finden ist, kann auch die 15-jährige Tochter Leoni Rosset besser schlafen. Kühe schlachten zu lassen, mit denen man aufgewachsen sei und denen man einen Namen gegeben hat, das sei «sehr emotional».
Entspannung würde laut Brodbeck nur grössflächiger, ergiebiger Regen bringen, mindestens drei, vier Tage lang. «Die Böden sind jetzt pickelhart. Wasser ist fast nichts mehr vorhanden; Säen bringt nicht viel.»