Vincent Fehr ist Ökologe bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL im Tessin. Er beschäftigt sich vor allem mit Neophyten.
Dass besonders schädliche eingeschleppte Pflanzenarten wie die Ambrosia konsequent bekämpft werden bis hin zur Ausrottung, hält er für richtig. Denn die Pflanze aus Nordamerika kann starke Allergien auslösen. Das ist der Hauptgrund, um sie bei uns auszurotten.
Mit dem Klimawandel werden sich unsere Ökosysteme in Zukunft stark verändern.
Doch nicht alle Neophyten seien schädlich oder gar gefährlich, sagt Fehr. Einige könnten künftig sogar nützlich sein. «Mit dem Klimawandel werden sich unsere Ökosysteme in Zukunft stark verändern.» Deshalb sei die grosse Frage: Wie können wir unsere Ökosysteme widerstandsfähig erhalten?
Chancen für hitzeresistente Pflanzen
Es bringe wenig, wenn eine einheimische Pflanze zwar wertvoll für Insekten sei, wegen des Klimawandels hierzulande aber gar nicht mehr gedeihen könne. Fehr nennt etwa die Kastanienbäume im Tessin, die wegen Krankheiten und wegen des Klimawandels unter starkem Druck stehen und nicht mehr bewirtschaftet werden.
Das Problem für die Biodiversität mit dem Kirschlorbeer ist, dass er immergrün ist.
Er sieht Chancen für hitzeresistente Neophyten, die in die Lücke springen und etwa Hänge oder Wälder stabilisieren könnten. Fehr nennt etwa den in der Schweiz weitverbreiteten Kirschlorbeer. Dieser ist aber seit Kurzem in der Schweiz verboten. Er darf weder verkauft noch verschenkt werden.
Immergrün als Problem
Das sei auch richtig so, sagt Lea Minzloff, die sich bei Pro Natura mit invasiven Arten beschäftigt. «Das Problem für die Biodiversität mit dem Kirschlorbeer ist, dass er immergrün ist», führt sie aus. Weil er seine Blätter im Winter nicht verliere, nehme der Kirschlorbeer im Frühling den Frühlingsblumen das Licht weg. «Auch Gehölzarten sind betroffen – und dann hat es dort eben nur noch Kirschlorbeer.»
Es geht um wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden, die wir möglichst vermeiden wollen.
Bei Infoflora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, werden im Auftrag des Bundes Daten über Neophyten gesammelt und ausgewertet. Co-Direktorin Brigitte Marazzi sagt, man müsse jeweils genau abwägen, wo und in welchem Ausmass bekämpft werde.
Schäden möglichst vermeiden
Letztlich geht es um den Erhalt der Biodiversität und um Schadensbegrenzung. «Es geht um wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden, die wir möglichst vermeiden wollen.»
Marazzi betont aber auch, nicht jede fremde Pflanze sei automatisch problematisch. Dazu gehören etwa jene, die aufgrund des Klimawandels aus den Nachbarländern, wo sie einheimisch sind, von selbst den Weg in die Schweiz finden.
Das Ziel sollte immer sein, dass unsere Ökosysteme widerstandsfähig sind.
«Sie kommen mit dem Wind oder wie auch immer in die Schweiz und etablieren sich hier. Sie werden nicht als Neophyten aufgenommen, denn es ist einfach Teil ihrer Biologie, sich auszubreiten.»
Widerstandsfähige Ökosysteme als Ziel
Vincent Fehr vom WSL wünscht sich diese Offenheit auch gegenüber exotischeren Pflanzenarten. «Das endgültige Ziel sollte immer sein, dass unsere Ökosysteme widerstandsfähig sind. Und da braucht es nicht ein Entweder-oder von einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen. Es braucht ein Gemisch aus beidem.»
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Der junge Forscher ist überzeugt, dass sich diese Sichtweise nach und nach bei immer mehr Fachleuten durchsetzt. So könnten künftig neben einheimischen Pflanzen auch nützliche exotische Arten ihren Platz bei uns finden.